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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
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144 Die erzählende Dichtung

worte oder einen Klagegesang zu widmen, ein Gebrauch, der in einigen deut-schen Landschaften noch heute fortlebt (Ahd. LG. 1. Aufl., S. 36-45 u. Reg.S. 468, 2. Aufl. S. 35-44 u. Reg. S. 471). Zur Sitte gehörte es auch, daß demKlagenden ein Klagehelfer oder ein Tröster gegenübertrat (die Stellen s. beiLeicher S. 134ff.).

Die Klage ist in Reimpaaren abgefaßt (4360 Verse), nicht in Strophen, wo-durch sich das Gedicht äußerlich vom Nibelungenlied unterscheidet. Es be-ruht ganz auf dem Inhalt des Nibelungenliedes und ist eine Fortsetzung des-selben, dem Stoff nach eine Wiederholung und hat oft wörtliche Anklänge,aber auch einige Sagenzüge mehr. Der Verfasser war ein Bayer, der bald nachdem Nibelungenlied dichtete.

V. 1-568 bilden den Eingang, sie geben eine Zusammenfassung vom Inhalt des Nibelungen-lieds mit einigen Einschüben. Dann beginnen die Klagen an Etzels Hof, angestimmt von denallein noch Übriggebliebenen: Etzel, Dietrich von Bern und Hildebrand angesichts der Leichen.V. 569-2584: 569-758 Etzels Leid und Klage um Kriemhild; 759-797 Dietrichs Klage umKriemhild; 798 f. Hildebrand klagt über Kriemhild; 800-882 wiederum Klage Etzels über Kriem-hild; 883-1012 Klage Etzels über Bloedelin und die Burgunden und daß er den Christenglaubennicht angenommen; 1013-2360 Dietrich, Etzel und Hildebrand klagen über einzelne Helden(V. 2170 f. stammt aus Herzog Ernst B, Bartschs Ausgabe des Herz. Ernst S. 66, 2817 ff.);2361-2430 Bestattung der Toten; 2431-2493 Dietrich tröstet Etzel; 2494-2584 auf Dietrichs Rathin sendet Etzel die Waffen der Gefallenen den Hinterbliebenen nach Bechelaren. Dann be-ginnt ein zweiter Teil, die Klagen in Burgunden Land: 2585-2660 auf Hildebrands Rat wird dieTrauerkunde nach Burgunden-Land gebracht, der Spielmann Swemmelin ist der Bote; 2661-3286zuerst ziehen die Boten nach Wien, dann nach Bechelaren, wo sie dem Rate Dietrichs folgend denTod Rüedegers verschweigen, aber Rüedegers Frau und Tochter merken aus dem Gebaren derBoten, daß ihr Gatte und Vater tot sei und geraten in tiefstes Leid, Klage; 3287-3484 die Botenin Passau bei Bischof Pilgrim; 3485-4099 die Boten erzählen in Worms den Untergang derBurgunden; Brünhilds Klage; 4100-4113 Swemmel kehrt wieder zurück zu Etzel und erstattetEtzel und Dietrich Bericht; 4114-4294 Dietrich will trotz der Bitten Etzels Abschied nehmen;Etzel fällt beim Abschied in Ohnmacht und bleibt fortan geistesschwach, weder tot noch lebend;4295-4322 Exkurs Bischof Pilgerin betreffend. 4323^360 Schluß, das Ende Etzels ist un-bekannt. Besonders hervorzuheben ist die Behauptung (V. 3459-3484 u. 4295^4322), derBischof Pilgrim von Passau habe nach dem Bericht Swemmels das Nibelungenlied, diu grce^estegeschiht diu zer werlde ie geschach (V. 3480 f.), lateinisch [in latinischen buochstaben, 4299)* durchseinen Schreiber Meister Kuonrät aufschreiben lassen (V. 4314), durch liebe der neven sin (V. 4296,der Burgundenkönige, Pilgrim war Bruder der Uote). Diese Erfindung beruht auf der Nach-ahmung eines Passus im Herzog Ernst (s. die Stelle bei Bartsch, Ausgabe des Herzog Ernst1869, Einleit. S. II; Klage u. Herz. Ernst s. auch diese LG. II, 2, 1. Hälfte, S. 46 Anm. links).Aus der Klage, und zwar aus diesen beiden besprochenen Stellen, stammt die falsche Nachrichtüber ein lateinisches Nibelungenlied, Nibelungias (Lit. s. oben Nibelungenlied).

Handschriften. 2 Die Klage folgt auf die Handschriften des Nibelungenliedes I. A, B, D, J,N, b, d, h; II. C. G, a. In ihr besitzen wir 2 Umarbeitungen eines verlorenen Originals, das um1170 als Anhang zum Nibelungenliede verfaßt und gegen 1200 in reine Reime gebracht wurde.

1 C. v. Kraus, Dielatinischen Buochstabe" ebenso Edzardi in seiner Ausg. V. E. Mou-

der Klage V. 2145, Sievers, In lateinischen rek, Prager Bruchstücke einer Pergament-

Buochstaben, beide Artikel Beitr. 56, H. 1; handschrift der Klage, SB. d. kgl. böhm. Ges.

K. Schiffmann, Nochmals dielatinischen d. Wissensch., 1887,1-24; Wilhelm, Beitr. 33,

buochstabe" der Klage V. 2145 ff., Beitr. 56, 331; A. Ursinus, Die Handschriftenverhält-

1933, H. 3. nisse der Klage, Hall. Diss. 1908.

2 Bartsch, Ausgabe der Klage, Einleitung,