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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
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142 Die erzählende Dichtung

herber; auf feinere Motivierung kommt es nicht an, wie denn die innerenBewegungen sich wesentlich in den Taten und Handlungen der Personen aus-sprechen, während Schilderungen und Darlegungen des Seelenlebens und derGemütsbewegungen gemieden werden. Der höfische Roman gibt dem innerenLeben seiner Personen großen Raum, lang ausgesponnene Schilderungen vonEmpfindungen, besonders Liebesklagen, hemmen das Fortschreiten der Hand-lung; dieZergliederung seelischer Zustände" bildet also ein bedeutendesMoment in der Kunst der höfischen Epiker. Im Nibelungenlied dagegen istalles in Handlung aufgelöst, die Empfindungen sind oft nur angedeutet; wennaber einmal das Gefühl stark hervorbricht, dann findet die Leidenschaft er-schütternde Worte.

Die Metrik. 1 Das Nibelungenlied ist in Strophen abgefaßt (2316 B, 2439C).Die Strophe besteht aus vier Langzeilen, deren je zwei aufeinander reimen, allestumpf. Die drei ersten Langzeilen haben sieben Hebungen, die vierte Lang-zeile ist um eine Hebung verlängert. Die Langzeilen sind durch eine klingendeZäsur nach der dritten Hebung in zwei Halbzeilen geteilt. Der Auftakt kannfehlen. Die vierte Langzeile ist, oft ohne den Inhalt zu bereichern, eigentlichnur nachgeflickt, um die Strophe vollständig zu machen.

l.(x) |x x|x x|x x 11 (x) |x x|x x|x a2.(x) |x x|x x|x x||(x) |x x|x x|x a

3.(x) |x x|x x|x x|| (x) |x x|x x|x b

4)(x)|xx|xx|xx||(x)|xx|xx|xx|xb

Im allgemeinen ist der Bau der Verse in der Abwechslung von Hebung undSenkung ziemlich glatt, die Reime sind möglichst rein.

Dieselbe Form hat die Kürenbergerstrophe, weshalb man diesen Dichterfür den Verfasser des Nibelungenliedes gehalten hat (Pfeiffer, s. oben). Ver-ändert tritt die Strophe in Walthers von der Vogelweide Elegie auf. Nach-geahmt haben sie mehrere spätere Heldenependichter.

1 Andreas Heusler, Deutsche Versgeschichte 10. Jahrg. der ZfdtUnterr. 1897, 180-90. 211

mit Einschluß des altenglischen u. altnordi- -24; 0. Brenner, Zum Rhythmus der Nibe-

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Franz Saran, Deutsche Verslehre 1907, 289 ff. Lunzer, Die Metrik der Nibelungenbearbei-

u. Reg. S. 350, dazu Baesecke, ZfdPh. 41, tung k, Festschr. d. dt. akad. Philol.-Ver. in

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des Reims, Kl. Sehr. IV; Zarncke in den Ein- Akad. van Wetensch. 5e Reeks deel II, 418 ff.

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lungenstrophe u. ihr Ursprung, 1858; W. Cra- ZfdA. 56, 66 ff.; Holz, Das Nibelungenlied,

mer, Die Nibelungenstrophe. Eine metrische 1907, 29ff.; Jos. Körner, Das Nibelungenlied,

Untersuchung, Progr. Schlettstadt 1882. 1883; aaO. S. 116-20; Fritz Draeger, Die Bin-

Heusler, Zur Geschichte der altdeutschen dungs- u. Gliederungsverhältnisse der Strophen

Verskunst, Germ. Abh.8, 1891, 104 ff.; Rud. des Nibelungenliedes u. ihre Bedeutung für

Hildebrand, Metrik des Nibelungenliedes, Quellenkritik u. Altersfragen, 1923; Haber-

ZfdtUnterr. 5, 1891, 657 ff. 6, 104 ff.; Ders., mann, Merker-Stammler, Reallex. 2, 496-500.Beitr. z. dt. Unterr., Ergänzungsheft zum