140 Die erzählende Dichtung
Der in unserem Nibelungenlied gebotene Stoff ist in vier Stufen überliefertworden. Zugrunde liegt die Geschichte, diese wird aus dem Bereiche der tat-sächlichen Wirklichkeit heraus durch die Phantasie ins Sagenhafte erhoben,die Sage festigt sich zu der bestimmten, im Gedächtnis oder der Schrift auf-bewahrten Form des Liedes und schließlich zu der des Epos. Nebenwirkungenin diesem Entwicklungsprozeß verursacht das Eindringen von mythologischenMotiven; auch können Märchenzüge eingewirkt haben.
Altertümer und Kulturgeschichte. 0. Härtung, Deutsche Altertümer aus dem Nibe-lungenlied u. der Gudrun, Progr. Neuhaldensleben 1882; Ders., Die deutschen Altertümer desNibelungenliedes u. der Kudrun, 1894, dazu Henning, Anz. 24, 102 f., Bethge, DLz. 1895,1298 ff. — Zeune, Über Erdkundliches im Nibelungenliede, v. d. Hagens Germ. 1, 1836, 99-106, 309-21; C. Mehlis, Im Nibelungenlande, mythologische Wanderungen, 1877, dazu Hen-ning, Anz. 4, 44. 74-76; K. Bohnenberger, Nibelungenstätten, Beitr. 42, 516-38; Herm.Neufert, Der Weg der Nibelungen, Progr. Charlottenburg 1892; Osk. Vinz. Ludwig, DieNibelungenstraße, 1927; Rob. Sommer, Die Nibelungenwege von Worms über Wien zur Etzel-burg, Ein deutsches Wanderbuch, 1929; Roethe, Donau, Rhein und Nibelungenlied, Korrespon-denzblatt d. Gesamtvereins der dt. Gesch. u. Altertumsvereine 64, 1926, Jan./März, u. Roethe,Deutsche Reden, hgb. von Jul. Petersen, 1927, S. 48-74; Leo Weber, Der schoene Brunnen.Ein topographischer Beitrag zur alten Nibelungennot, ZfdA. 63, 129-64; Justus Lunzer, VorneRoten zuo dem Rine, ZfdA. 67, 140-44; C. Wesle, Der Donauübergang im älteren Nibelungen-epos, Beitr. 46, 231-47; Eugen Kranzbühler, Worms und die Heldensage, 1930; Karl Wel-ler, Die Nibelungenstraßen, ZfdA. 70, 49-66 (mit Lit.).
Empfang der Gäste: Emil Kettner, ZfdPh. 15, 229^1; Die Hoffeste, Ders., ebda 16, 48-69;Abreise und Abschied, Ders., ebda 17, 129-73; Kleidung und Bewaffnung, Ders., ebda 19, 97-114. — Zarncke, Die Jagd im Nibelungenlied, Beitr. 10, 384-402; E. Matthias, Die Jagd imNibelungenlied, ZfdA. 15, 471-501; Ed. Hahn, Scheich im Nibelungenlied, Mannus 17, 1925,H. 1/2. — Martin, Zu den Nibelungen, ZfdA 32, 380-86 (über das Bahrrecht). — M. Schwarze,Die Frau im Nibelungenliede u. in der Kudrun, ZfdPh. 16, 385-470; O. Zallinger, Die Ehe-schließung im Nibelungenlied u. in der Gudrun, Wiener SB. 199, 1923; Ders., Heirat ohne„Trauung" im Nibelungenlied u. in der Gudrun, Festschrift Redlich 1928, 335-60; ElsbetKaiser, Frauendienst im mhd. Volksepos, Germ. Abh. 54, 1921 (bes. S. 1-28). — Alb. Ilg,Beitr. zur Gesch. der Kunst u. der Kunsttechnik, 1896, 63-72.— Ganzenmüller, Naturgefühl,S. 285. 286 Anm. 1. — Anderes s. Goedeke, Grundr. I 2 , 189.
Das Nibelungenlied im Verhältnis zu anderen Dichtungen. Droege, ZfdA. 51,197ff. — Scherer, Nibelungenlied u. Ilias, Kl. Sehr. 1, 676-81. Roethe, Über Nibelungias(lat. Epos gegen Ende des 10. Jh.s) 1 u. Waltharius, SB. d. Preuß. Ak. 1906, 521; Droege,Nibelungenlied u. Waltharius, ZfdA. 52, 193-231; E. Roemer, Waltharius u. Nibelungenlied,Münst. Diss. 1912; Hans Bork, Klage u. Waltharius, GRM. 15, 1928, 395^415. — Scherer,Kürenberg, ZfdA. 17, 561-81 u. Vorträge u. Aufsätze, 1874, 101-23. — Paul, Die Thidreks-saga u. das Nibelungenlied, SB. d. kgl. bayer. Akad. d. Wiss. 1900 H. III, 297-338 u. SA.;Panzer, Stud. z. germ. Sagengesch. II, Sigfrid, S. 173-89. — Nibelungen und Biterolf: Kett-ner, ZfdPh. 16, 345-61; Jos. Körner, Das Nibelungenlied aaO. S. 34. — Kettner, Der Ein-fluß des Nibelungenliedes auf die Gudrun, ZfdPh. 23, 145-217. — Nibelungen und HartmannsIwein: Gust. Schmidt, Die natürlichen Bedingungen für die formalen Gegensätze des Kunst-epos u. Volksepos desMA.s, aufgezeigt am Nibelungenliede u. Hartmanns Iwein, Rostock. Diss.1875; J. Körner, aaO. S. 29. — Nibelungen und Wolfram: W. Grimm, Deutsche Heldensage,Reg.; Droege, ZfdA. 62, 173 f.; Herm. Fischer, Über die Entstehung aaO.; F. Körner, aaO.S. 29 (Azagouc, Zazamanc); Singer, Wolframs Stil S. 61. 107 (Azagouc im Nibelungenlied, s.
1 Über das lateinische Nibelungenlied s. oben Bd. I dieser LG., 1. Aufl. S. 405 f.,2. Aufl. S.415.