138 Die erzählende Dichtung
sehen zeitgenössischen Berichten (Priscus): er starb eines plötzlichen Todesan der Seite eines Mädchens namens Ildico (Hildico), aber wohl an einemBlutsturz im Jahre 453 }
Vorgeschichte des Nibelungenliedes 2
Der Weg geht von der Sage zu den Liedern und von da zum Epos„Nibelungenlied" (der Nibelunge Not bzw. Der Nibelunge Lied), dem Lese-epos. Der Inhalt des Nibelungenliedes, wie er vorher in seinen zwei TeilenKriemhild bis Sigfrids Tod und Kriemhilds Rache entwickelt wurde, isterst von dem Dichter des Nibelungenepos (am Anfang des 13. Jahrhun-derts) zu einer Einheit verbunden worden. Diese beiden Teile beruhen aufzwei verschiedenen selbständigen Sagen, die Sigfridsage (oder Brünhildsage,s. Heusler) und die Sage vom Burgundenuntergang, waren also in ihremUrsprung getrennt. Am wirksamsten bewahrten die am Niederrhein wohnen-den Franken bedeutsame Ereignisse des 5.Jahrhunderts; von ihnen ausverbreitete sich die Sage von Brünhild und von Sigfrids Tod, aber diesefrüheste Fassung ist uns nicht in deutschen Liedern erhalten — die ältesteForm, in der die Sagen verbreitet wurden, war das vom Skop (s. oben)gedichtete und vorgetragene Lied —, sondern gelangte nach Norwegenund Island (s. „Nordische Gestalt"). Auch hier waren zunächst seit derWikingerzeit (10. Jahrhundert) Lieder im mündlichen Umlauf, die dann nach1230 in der Lieder-Edda zusammengestellt wurden, und hier ist die ältesteForm der Sigfrid-(Sigurd-)Brünhild-Sage bewahrt. In Deutschland gab esverschiedene Lieder von Sigfrid, von Brünhild, von Sigfrids Vorfahren(Walisungen), von seinem Drachenkampf, von der Gewinnung des Nibelungen-horts, von seinem Tod.
Literatur über die einzelnen Personen und Namen. Müllenhoff, Zeugnisse u. Ex-kurse, ZfdA. 12, 253-386 pass., bes. S. 288-302; Heusler, Die Heldenrollen im Burgunden-untergang, SB. d. Preuß. Ak. 47, 1914, 1114-^19; L. Wolff, Die Helden der Völkerwanderungs-zeit, 1928, dazu Droege, Anz. 48, 65 f. — Die Frauen: Uhland 1, 314-22. — Kriemhild:Schröder, Die Kanone Kriemhild, Anz. 47,156; Wilh. Stapel, Kriemhild, Dt. Vierteljahrsschr.10, 273-81. Sigfrid: Uhland, Sigemund u. Sigeferd, Germ. 2, 344-63; Müllenhoff, ZfdA. 23,113-73, dazu Symons Lbl. 1880, 49-53; O. Sarrazin, Der Ursprung der Siegfriedsage, ZfvglLit-Gesch. 11, 113-24, Panzer, Sigfrid, 1912, dazu Naumann, ZfDtschkde 41, 1 ff.; Panzer,Siegfriedmärchen, Festschrift Braune 1920, 138 ff.; Heusler, Hoops Reallex. 4, 173-77; Rud.Pestalozzi, Sigmunds Schwert, ZfdA. 52, 259-69, Schneider, Zur Sigmundsage, ZfdA. 54,339-43; Bolte-PolIvka (Sigfrids Erziehung beim Schmied) Nr. 60. 90. 92. 93. 94; Leon Polak,Untersuchungen über die Sigfridsagen, Berl. Diss. 1910; Behaghel, Sifrit der Sohn des Sige-munt und der Sigelint, Beitr. 43, 156-58; H. M. Rutgers, Bemerkungen üb. d. Verhältnis vom
1 Leon Polak, Untersuchungen über die Sage 265-97; R. C. Boer, Finnsage u. Nibelungen-vom Burgundenuntergang 1922 (aaO.), S.70ff. sage, ZfdA. 47,125-60; Ders., Untersuchungen(wo weitere Lit.). üb. d. Ursprung u. d. Entwicklung der Nibe-
2 Heusler, Nibelungensage u. Nibelungen- Iungensage, ZfdPh. 37, 289-348. 438-505; 38,Med aaO.; Georg Holz, Der Sagenkreis der 39-109; K. Droege, Zur Gesch. des Nibelun-Nibelungen, 1907; Jos. Körner, Das Nibe- genliedes, ZfdA. 48, 471-503; Ders., Die Vor-lungenlied, 1921, aaO. — Golther, Nord- stufe unseres Nibelungenliedes, ebda 51, 177deutsche u. Süddeutsche Heldensage u. die äl- -218; Schneider, German. Heldensage aaO.teste Gestalt der Nibelungensage, Germ. 34, S. 80 ff.