134 Die erzählende Dichtung
26. Av. In Passau werden die Burgunden von Bischof Pilgerin, dem Oheim der Könige, gutaufgenommen. An der Grenzmark Baierns finden sie den Wächter Eckewart schlafend. Auf-geweckt warnt er sie vor der Fahrt zu den Hunnen und kündet dann Rüedeger ihre An-kunft an.
27. Av. Sie werden von Rüedeger, dessen Frau und Tochter aufs freundlichste empfangen.Giselher wird mit Rüedegers Tochter verlobt; es ist ein Sonnenblick in der Schwere der Er-eignisse.
28. Av. Dietrich von Bern reitet den Gästen entgegen, warnt sie vor Kriemhild, die denhelt von Nibelunge lant noch sehr beweine. Kriemhild begrüßt ihre Verwandten kühl und fragtnach dem Hort der Nibelunge; Hagen erklärt ihr, daß er in den Rhein versenkt sei.
29. Av. Hagen und Volker sitzen auf einer Bank vor dem Saal; Kriemhild geht vorüber undHagen legt im Übermut Sigfrids Schwert über seine Knie; als Kriemhild dieses erblickt, beginntsie zu weinen und erinnert Hagen daran, was er ihr getan, der es trotzig bekennt und sagt,Sigfrid habe es entgelten müssen, daß Kriemhild Brünhild beleidigte.
30. Av. Danach, am Abend, halten Hagen und Volker Schiltwacht bei den fremden Gästen,und Volker fidelt sie in Schlaf.
31. Av. Kirchgang, Buhurt. Kriemhild spricht Dietrich um Hilfe an gegen ihre Verwandtenund gewinnt an seiner Stelle Blocdcl, Etzels Bruder, dafür. Bei Tische beleidigt Hagen Kriem-hilds Sohn Ortlieb.
32. Av. Eröffnung des Kampfes. Bloedel geht mit tausend Mannen in den Saal und beginntden Kampf. Dankwart haut ihm das Haupt ab, alle neuntausend Knechte Dankwarts werdenvon einem neu heranziehenden Hunnenheer erschlagen, er selbst entkommt.
33. Av. Er verkündet im Saal der Burgunden: ritter unde knchte sint in der Herberge tot. Ha-gen schlägt dem Kind Ortlieb das Haupt ab. Kriemhild bittet Dietrich 1 um Hilfe. Günther er-laubt Dietrich, alle Hunnen aus dem Saal zu bringen; Dietrich führt Kriemhild und Etzel hinaus.
34. Av. Sie werfen die Leichen, 7000 Tote, aus dem Saal. Kriemhild verspricht dem reiche Be-lohnung, der ihr Hagens Haupt bringe.
35. Av. Irings Heldenkampf. Iring von Dänemark besteht Hagen, Volker, Günther, Gernotund Gselher im Streite, wird aber zum Schluß von Hagen erschlagen. Irnfrit von Thüringenund Hawart fallen. Alle Dänen und Thüringer werden von den Burgunden im Saale erschlagen.
36. Av. Das Gemetzel geht weiter. Kriemhild will die Brüder leben lassen, wenn sie ihr Hagenals Geisel geben; doch vergeblich! Sie läßt den Saal anzünden. In ihrem infolge der Hitze über-mächtigen Durste trinken die Recken im Saale das fließende Blut.
37. Av. Kriemhild mahnt Rüedeger an seinen Treueid, und nach schwerem Seelenkampfefolgt er seiner Dienstpflicht. Rüedeger und Gernot fallen im Zweikampf.
38. Av. Dietrich schickt Hildebrand aus, den seine Recken begleiten. Es kommt zum Kampfe;Wolfhart und Giselher töten sich gegenseitig. Hildebrand erschlägt Volker, entflieht aber starkverwundet vor Hagen. Nun sind allein noch übrig Günther und Hagen, Dietrich und Hilde-brand.
39. Av. Der letzte Kampf. Dietrich bezwingt zuerst Hagen, bindet ihn dann und bringt ihnKriemhild. Diese verlangt von Hagen, wenn er ihr den Nibelungenhort wiedergebe, könne erlebende heim zen Burgonden komen, aber Hagen entgegnet, daß er den Hort nicht zeige, so langeeiner seiner Herren lebe. Da läßt Kriemhild Günther das Haupt abschlagen und es vor Hagenbringen. Dann spricht dieser seine letzten Worte: du hast iz nach dim willen z'einem ende bräht,und ist auch rehte ergangen, als ich mir hdte gedäht... den scaz den weiz nu nieman man got undemin; der sol dich, vdlandinne, immer wol verholen sin. Kriemhild aber zieht das Schwert, das einstSigfrids war, aus der Scheide und schlägt ihm das Haupt ab. Hildebrand aber haut sie miteinem schweren Schwerthieb in Stücke. Das Ende bildet die Klage Dietrichs und Etzels undihrer Mannen.
1 Gegen die chronologisch unrichtige Zusam- sich die Kaiserchronik 14176 ff. (Edw. Schrö-menrückung Theodorichs mit Attila wendet ders Ausg. S. 337 u. Anm. 2.