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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
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Das Nibelungenlied 133

seiner Frau sehr bedauert. Hagen, entrüstet über den Schimpf, der seiner Herrin Brünhild an-getan worden ist, gelobt ihr, daß Sigfrid dies büßen solle und faßt den Plan zum Tode Sigfrids;Günther widerstrebt anfangs, gibt aber dann dem Rate Hagens nach.

15. Av. Einfädelung des Mordplans. Eine Heerfahrt gegen die Sachsen wird zum Vorwandgenommen; Hagen erlistet beim Abschied von Kriemhild die Kenntnis von Sigfrids verwund-barer Stelle; es war der größte Verrat, der je begangen wurde. Die Heerfahrt wird nun alsunnötig abgesagt und eine Jagd im Wasgenwalde beschlossen.

16. Av. Die Katastrophe: Wi Sifrit erschlagen wart. Sigfrid nimmt Abschied von Kriem-hild, die ihn zu bleiben bittet, denn sie hat zwei böse Träume gehabt: zwei wilde Schweinejagten Sigfrid über die Heide, zwei Berge fielen über ihm zusammen. Doch arglos nimmtdieser Abschied. Als er sich an einer Quelle zum Trinken bückt, durchbohrt ihn Hagen vonhinten.

17. Av. Den Leichnam läßt Hagen vor Kriemhilds Tür legen, am Morgen findet ihn ihrKämmerer. Kriemhild fällt in Ohnmacht. Als Hagen an die Bahre des Toten tritt, fließen dieWunden (das Bahrrecht). Kriemhild küßt den Toten, sie wird wiederum ohnmächtig, vor Leidhätte sie sterben mögen. Sigfrid wird begraben.

18. Av. Der Vater Sigfrids, Sigmund, fährt tiefbekümmert nach Hause zurück; Gernöt undGiselher, die keine Schuld an Sigfrids Tod tragen, beklagen liebevoll seinen Verlust.

19. Av. Giselher und Gernot holen den Hort aus der Nibelungen Land für Kriemhild. Da sieihn reichlich ausspendet, nimmt ihr Hagen den Schatz und versenkt ihn in den Rhein beiLorch. Erneutes Leid beschwert Kriemhilds Gemüt. Dreizehn Jahre verweilt sie in großem Jam-mer zu Hause, ohne den Tod Sigfrids zu vergessen.

Teil II. Kriemhilds Rache und der Burgunden Untergang; Str. 1143-2379. In diesem zweitenTeil werden die Burgunden auchNibelungen" genannt. Nun ist Kriemhild die Erfüllerin desverderblichen Schicksals und zwei Motive liegen ihrem Handeln zugrunde: Rache für SigfridsTod an den Burgunden und die Suche nach dem Schatze. Die große Bedeutung des Schatzesliegt in seiner Wichtigkeit für den Machtwillen der germanischen Fürsten, die durch ihre Frei-gebigkeit (mute) ihre Mannen und das Volk an sich fesselten (s. LG. I, 1. Aufl. S. 13, 2. Aufl.S. 10). Der Schauplatz des II. Teils ist das Hunnenland (Ungarn) bzw. vorher der Reisewegdahin durch Baiern und entlang der Donau.

20. Av. Etzels Gemahlin Helche ist gestorben. Auf Rat seiner Großen will er Kriemhild imBurgundenland zur Frau nehmen, und er sendet Rüedeger von Bechelaren als Brautwerberdahin. Sie sagt nach anfänglicher Weigerung in dem Gedanken zu, Rache für Sigfrids Tod mitHilfe dieses großen Machtgewinns nehmen zu können. Abfahrt vom Rheinland.

21. Av. In Passau wird Kriemhild durch den Bischof Pilgerin empfangen, dann in Bechelarendurch Rüedegers Frau und Tochter.

22. Av. Etzel empfängt Kriemhild in Tuln. In Wien feiern sie Hochzeit an Pfingsten, 17 Tagedauert das Fest. Dann reiten sie weiter nach Etzelnburg (Gran).

23. Av. So lebt Kriemhild 13 Jahre mit Etzel hochgeehrt und gebiert in der Zeit ein Söhnchen,Ortlieb. Aber immer treiben sie ihre Rachgedanken. Sie bittet Etzel, ihre Verwandten zu einemFeste zu laden, welchen Wunsch ihr der Gutmütige, nichts Böses ahnend, bereitwillig erfüllt.Er sendet seine videloere Wärbel und Swemmelin als Boten zu den Burgunden.

24. Av. Die beiden Abgesandten richten dort ihre Botschaft aus. Hagen und der Küchen-meister Rumold raten ab, Hagen gibt nach, rät aber zu stark bewaffneter Heerfahrt.

25. Av. Die Burgunden reiten durch Ostfranken an die Donau. Beim Übergang über diesefinden sie keinen Fährmann, dagegen trifft Hagen zwei Meerfrauen, die sich in der Donau baden.Sie verkünden ihnen, daß alle im Heunenland sterben müßten bis auf des Königs Kaplan. Mitdem Fährmann gerät Hagen in Streit und erschlägt ihn. Er setzt nun selbst das Heer über.Zur Probe für die Wahrhaftigkeit der Prophezeiung der Donauweiber wirft er den Kaplan insWasser, der aber tatsächlich nicht untergeht, sondern das Ufer erreicht und dann zu Fuß an denRhein zurückkehrt.