132 Die erzählende Dichtung
2. Av. gilt der Vorstellung der zweiten Hauptperson Sigfrid (Sivrit). Er wächst in Nider-landen auf als eins edelen küneges kint, sein Vater heißt Sigemunt, seine Mutter Siegelint, zeSanten (Xanten). Seine Schwertleite (die erste „höchgezit" des Gedichtes) wird berichtet.
3. Av. Die Handlung entwickelt sich. Sigfrid vernimmt von Kriemhilds Schönheit und be-schließt, um sie zu werben. Trotz Abmahnen seiner Eltern zieht er mit 11 Begleitern nach Worms.Dem Günther wird ihre Ankunft gemeldet. Niemand kennt sie, doch Hagen vermutet, daßSigfrid der recke sei, der dort so herlichen gät, und er erzählt starke Wundertaten von ihm, dieGewinnung des Hortes von den Nibelungen nämlich. Sigfrid fand einst vor einem Berge diebeiden Nibelunge, die Königssöhne Seilbunc und Nibelunc, mit dem Nibelunges horde, der ausdem Berge herausgetragen worden war. Sie baten ihn, den Schatz zu teilen und schenkten ihmdas Schwert Balmunc, aber er geriet mit ihnen in Streit und schlug sie und 700 ihrer Reckentot. Den starken Zwerg Albrich, der seine Herren rächen wollte, besiegte Sigfrid ebenfalls undgewann ihm die Tarnkappe ab. Er ließ den Schatz wieder in die Höhle tragen und setzte Albrichals dessen Hüter ein. Noch weiter berichtet Hagen, daß Sigfrid einen Drachen erschlug, in des-sen Blut badend er eine Hornhaut gewann, die keine Waffe zu durchschneiden vermag. —Nach Sigfrids anfänglichem barschen Verlangen, Günther solle ihm sein Reich Untertan machen,versöhnen sich die Burgunden schließlich doch mit ihm. Diese Av. III gibt in der Hortsage dieExposition.
4. Av. Die Episode des Sachsenkrieges. Der Sachsenkönig Liudeger und der DänenkönigLiudegast kündigen Günther Krieg an und Sigfrid besiegt sie. Die Siegesbotschaft gelangt nachWorms und auch zu Ohren Kriemhilds. Die gefangenen Könige werden freigegeben.
5. Av. Wie Sifrit Kriemhilt erste gesach. Beim Pfingsfest erblickt er Kriemhild zum erstenmal.
6. Av. Beginn der tragischen Verwicklung und Eintritt Brünhilds in die Handlung. Güntherwill die schöne Brünhild, die Königin von Isenstein, freien (unter diesem Lokal ist Island, viel-leicht Norwegen gedacht), aber nur der kann sie gewinnen, der sie in drei Spielen besiegt. Gün-ther verspricht Sigfrid, ihm Kriemhild zur Frau zu geben, wenn er Brünhild für ihn gewinnenhelfe. Günther fährt darauf, von Sigfrid, Hagen und Dankwart begleitet, über See.
7. Av. In Isenstein gewinnt Sigfrid mit Hilfe eines Betruges Brünhild für Günther, indem ersich, durch die Tarnkappe unsichtbar gemacht, in den Kampfspielen neben Günther stellt undBrünhild besiegt.
8. Av. Brünhild zieht mit Günther und den Seinen nach Burgundenland.
9. Av. Sigfrid wird als Bote nach Worms voraus gesandt und von Kriemhild empfangen.
10. Av. Fortsetzung und Krönung des Betrugs an Brünhild. Der Empfang der Brünhild inWorms und die Verlobung Sigfrids mit Kriemhild werden berichtet. Bei Tische sieht BrünhildKriemhild neben Sigfrid sitzen und weint darüber, denn sie hält Sigfrid nur für einen Leibeige-nen Günthers. In der Brautnacht wehrt sich Brünhild gegen Günthers Minne; sie bindet ihnund hängt ihn an einem Gürtel an die Wand. In der nächsten Nacht nimmt Sigfrid GünthersStelle bei Brünhild ein, bezwingt sie, ohne von ihr erkannt zu werden und ohne sie ehelich zuberühren und nimmt ihr einen Ring und den Gürtel ab (der zweite Betrug).
11. Av. Episode. Sigfrid kehrt mit Kriemhild nach Niederland zurück, übernimmt von seinenEltern Krone und Reich und verweilt dort mit Kriemhild zehn Jahre. Es war die glücklichsteZeit ihrer Ehe.
12. Av. Doch das aus dem doppelten Betrug hervorgegangene Unheil kündigt sich an. Brün-hild dringt in Günther, Sigfrid, seinen Eigenmann, nach Hofe zu entbieten. Günther läßt Sigfridzu einem Feste einladen.
13. Av. Sigfrid und Kriemhild fahren nach Worms, wo sie festlich empfangen werden.
14. Av. Das Unheil naht: Vor einer vesperzite huop sich groz ungemach. Kriemhild und Brün-hild geraten in Streit über den Wert ihrer Männer. Beim Kirchgang ins Münster will Brünhildvor Kriemhild gehen, diese aber nennt sie Kebse, denn Sigfrid, nicht Günther, habe ihr die Jung-fernschaft abgewonnen; zum Beweise zeigt sie ihr Ring und Gürtel, welche Sigfrid ihr abgenom-men hat. Brünhild klagt Günthern die Beschimpfung, dieser wendet sich an Sigfrid, der die Rede