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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
Entstehung
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Das Nibelungenlied 131

Str. 1296-99 genannt; er empfängt Kriemhilt auf ihrer Reise zu Etzel; späterebenso die Burgundenkönige, deren Oheim er war (Str. 1627-30). EinenEhrenplatz erhält Wien (Str. 1162. 1164); hier wird die Hochzeit Kriemhildsmit Etzel gefeiert (Str. 1361-75). Der Dichter war ein an den Höfen herum-wandernder Spielmann, wohlbekannt mit höfischer Art und mit der ritter-lichen Dichtung.

Was das Publikum, für welches das Gedicht bestimmt war, am meistenanziehen mußte, ist in der ersten Strophe ausgesprochen: Wunderbares mögtihr erzählen hören von heleden lobebceren, von küener recken striten, also vonder ritterlichen Haupttugend, der Kühnheit und Tapferkeit, aber auch vomhöfischen Leben, von fröuden, hochgeziten. Und alles wird von der das Men-schenleben beherrschenden Grundstimmung eingehüllt; von weinen und vonklagen.

Woher das Lied den NamenNibelungen" erhalten hat, darüber wird inseinem Verlaufe nichts gesagt. Es war der Name der Besitzer des Hortes, de-nen Sigfrid diesen abgenommen hatte (Schilbunc und Nibelunc, siehe unten).Im zweiten Teil des Liedes werden die Burgunden zuweilen so genannt,weil sie den Schatz nach Sigfrids Ermordung an sich rissen. Man nimmt an,daß der Name nach der Hortsage gegeben, oder umgekehrt, daß diese einedurch den Namen ausgelöste Fabelei sei. Übrigens war Nibelung als Ge-schlechtsname im 8., 9. Jahrhundert und später bei den Franken und beiandern deutschen Stämmen gebräuchlich (Mone, Untersuchungen zur Gesch.der teutschen Heldensage, 1836, 7 ff.; Ernst Förstemann, AltdeutschesNamenbuch, I. Bd. Personennamen, 1856, Sp.955f.); auch heutzutage fin-det sich der Name noch in der Form Niebeling, Nebelung usw.

Inhalt des Nibelungenliedes

Das Lied zerfällt in zwei Teile: I. Aventiure I XIX. Kriemhild und Sigfrid; ihre Verheira-tung; die betrügerische Verheiratung Brünhilds mit Günther; die daraus folgende Katastrophe:Sigfrids Ermordung. Str. 1-1142.

II. Aventiure XX-XXXIX. Der Burgundenuntergang: Kriemhilds Rache. Str. 1143-2379.

Die Sagenkreise. Der burgundische Kreis umfaßt die Königsfamilie und ihre Mannen so-wie Sigfrid; der Schauplatz ist Worms, dazu kommt Brünhild mit dem Schauplatz Isenstein.Der niederrheinische, niederfränkische Kreis: Sigfrid und seine Eltern, Schauplatz Xanten.Der hunnische Sagenkreis: Etzel und die um ihn gescharten Personen, der Schauplatz ist Etzeln-burg, das heutige Gran. Der ostgotische Sagenkreis wird durch Dietrich von Bern vertretenund hat ebenfalls Etzelnburg zum Schauplatz.

Die einzelnen Aventiuren:

Teil I, Av. I XIX. 1. Av. Im Burgundenlande zu Worms am Rhein wächst eine schöne Jung-frau, Kriemhild, heran in der Obhut ihrer Brüder, der Könige Günther, Gernöt und Giselherund umgeben von einem Hofstaat trefflicher Recken. Inmitten dieser hohen Ehren träumte einstKriemhilde, daß sie einen wilden Falken aufgezogen habe, den ihr zwei Adler zerhackten. IhreMutter Uote deutet den Falken auf einen edeln Mann, sie aber lehnt Mannes Minne ahnungs-voll mit den Worten ab: es ist an vielen Frauen offenbar geworden, wie liebe mit leide ze jungestIonen kan. Damit spricht sie ihr eigenes Schicksal und die das ganze Gedicht durchziehendeGrundstimmung im voraus aus, und auf diesen Gegensatz von Freude und Leid ist auch dieHandlung eingestellt: von fröuden, hochgeziten von weinen und von klagen ist sie erfüllt.9*