Das Nibelungenlied 129
Simrocks Übersetzung auch in der Schulausgabe von Rosenhagen 1895 und der mit Bildernversehenen Ausg. von Herm. Degering 1924 benutzt und wurde in Auswahl noch von K.Schulze 1929 hgb.; Bartsch 1867; L. Freytag 1879, 3. Aufl. 1896; Adalbert Schröter1882. 1902; Osk. Henke 1884, 3. Aufl. 1905; Werner Hahn 1885; Heinr. Kamp 1884. 1885,5. Aufl. 1908; Legerlotz 1892, bis 1908 viele Auflagen; Holdermann 1888, 5. Aufl. 1897;Rehorn 1899, 8. Aufl. 1902; Bornhak 1891, 2. Aufl. 1896. Auch eine Anzahl französischer undenglischer Übersetzungen ist erschienen
Die Geschichte der Nibelungenwissenschaft, der wissenschaftlichen Beschäftigung mitdem Nibelungenlied (s. Scherer, Jakob Grimm, 2. Aufl., 1885, Reg. S. 358; die Bibliographievon Abeling [s. oben]) beginnt mit Johann Jakob Bodmer, seinen verschiedenen Ab-handlungen von 1756 bis 1781 und besonders seiner Ausgabe: Chriemhilden Rache und dieKlage, Zwey Heldengedichte Aus dem Schwäbischen Zeitpuncte, samt Fragmenten aus demGedichte von den Nibelungen und Aus dem Josaphat, Darzu kömmt ein Glossarium, Zürich(1757, nach der Hs. C). Ihm folgte der Züricher Christoph Heinrich Müller, Professor am Joa-chimstalschen Gymnasium in Berlin: C. H. Myller, Der Nibelunge Liet, ein Rittergedicht ausdem XIII. oder XIV. Jh., zum ersten Male aus der Handschrift ganz abgedruckt, Berlin 1782.Der oft angeführte Brief Friedrichs des Großen „Meiner Ansicht nach sind solche Gedichte nichteinen Schuß Pulver wert und verdienen nicht, aus dem Staube der Vergessenheit gezogen zuwerden usw." bezieht sich auf den ihm 1784 übersandten Abdruck eines Stückes aus dem Par-zival, nicht auf das Nibelungenlied, ist aber charakteristisch für des großen Königs französischenGeschmack. Viel sympathischer lautet Goethes Urteil über die Nibelungen. Er hat sich eingehendmit dem Gedichte beschäftigt. Er nennt das Klassische das Gesunde und das Romantischedas Kranke, „und da sind die Nibelungen klassisch wie der Homer, denn beide sind gesund undtüchtig" (Jubiläumsausgabe 36 S. LV), und in einem Brief an v. d. Hagen vom 18. Okt. 1807stellte er die Nibelungen „dem Stoff und dem Gehalte nach neben alles, was wir poetisch Vor-zügliches besitzen", und so sind noch viele andere rühmende Zeugnisse überliefert (s. ErnstJenny, Goethes altdeutsche Lektüre, Basler Diss. 1900). — Den Anstoß zu einer Erklä-rung der Entstehungsweise des Nibelungenliedes gaben die Prolegomena ad Homerum vonFriedr. Aug. Wolf (1795), die Liedertheorie, und diese Ansicht herrschte dann in denKreisen der Romantiker. Von diesen ging dann die Hochschätzung des Nibelungenliedes, wieüberhaupt der altdeutschen Poesie, auf das literarisch interessierte Publikum über. FriedrichHeinrich von der Hagen, ein Hörer der Berliner Vorlesungen Aug. Wilh. Schlegels (1801-04),brachte 1810 eine Ausgabe des Nibelungenliedes heraus (2. Aufl. 1816, 3. Aufl. 1820), nachdemer 1807 die erste vollständige Übersetzung veröffentlicht hatte. Jakob und Wilhelm Grimmschrieben in jenen Jahren nur einzelne Zeitschriftenaufsätze über das Nibelungenlied (1807 bis1811 und in den Altdeutschen Wäldern 1813). Da trat Karl Lachmann auf mit seiner Schrift„Über die ursprüngliche Gestalt des Gedichts von der Nibelungen Noth, Berl. 1816; wieder ab-gedruckt in Lachmanns Kl. Schriften I, 1876, 1-80, wo er nachzuweisen sucht, daß unserNibelungenlied in der Gestalt, wie wir es lesen, vom Anfang des 13. Jh.s aus einer Zusammen-setzung einzelner mündlich umlaufender, romanzenartiger Volkslieder entstanden sei, die er auchgenau abgrenzte (20 Lieder). 1 Lachmann nimmt auch an, daß jedes Lied durch sieben teilbar,also in Heptaden abgefaßt, sei (s. J. Grimm, Kl. Sehr. 7, 606). 1826 erschien die wissenschaft-lich grundlegende Ausgabe von Lachmann: Der Nibelunge Noth mit der Klage in der ältestenGestalt mit den Abweichungen der gemeinen Lesart. 1836 ließ Lachmann „Anmerkungen" fol-gen „Zu den Nibelungen und zur Klage" (s. auch Briefwechsel über das Nibelungenlied vonC. Lachmann u. Wilh. Grimm", ZfdPh. 2, 193-215. 343-65. 515-28). Wilh. Müller erhob alserster Einspruch gegen Lachmanns Liedertheorie: „Über die Lieder von den Nibelungen",1845. Das Jahr 1854 brachte Lachmanns Liedertheorie zu Fall, denn jetzt erklärte AdolfHoltzmann in seinem Buch „Untersuchungen über das Nibelungenlied" 1854 dieses für eineinheitliches Gedicht; 1855 erschien seine Abhandlung „Der Kampf um der Nibelunge Hort
1 Heinr. Fischer, Nibelungenlied oder Ni- lung zu Lachmanns Nibelungentheorie, For-belungenlieder? 1859; Heusler, Unsere Stel- schungen u. Fortschritte 5, 1929, 383 f.
9 Deutsche Literaturgeschichte IV