Das Nibelungenlied 127
liehe Verbreitung und Beliebtheit des Gedichtes. Sie zerfallen in drei verschiedene Fassungenentsprechend den drei Haupthandschriften: Hs. A, die Hohenems-Münchener Hs., vomEnde 13. Jh.s, einst, noch um 1780 in Schloß Hohenems in Vorarlberg, seit 1810 in der Mün-chener Hof- u. Staatsbibliothek Cod. germ. 34 (Catalogus Codicum manu scriptorum Biblio-thecae Monacensis Tomi V pars I, 1920 [hgb. Erich Petzet], S. 58-60, mit vollst. Bibliographie),ist die kürzeste, oft flüchtig und gedankenlos geschrieben; 2316 Strophen.
Hs. B, St. Galler Hs., Mitte 13. Jh.s, 2379 Strophen.
Hs. C, die Hohenems-Laßbergsche Hs., früher ebenfalls in Hohenems, jetzt in der Fürstl.Bibliothek zu Donaueschingen, wohin sie durch den Freiherrn v. Laßberg, der sie 1816 kaufte,gekommen war, ist die umfangreichste; Mitte 13. Jh.s, 2439 Strophen. Alle drei Hss. stammenalso aus derselben Gegend oberhalb des Bodensees; ihr Dialekt ist also alemannisch. A und B,Der Nibelunge Not, schließen mit: daz ist der Nibelunge not, C, Der Nibelunge Lied,schließt: daz ist der Nibelunge liet. A, B haben eine mehr volkstümliche, C hat eine mehr höfischeRichtung. Lachmann hielt A für die ursprüngliche Hs. und legte sie seiner Ausgabe zügrunde,B und C faßte er als erweiternde Bearbeitungen auf. Bartsch richtete sich nach B, Holtzmannund Zarncke veröffentlichten den Text nach C. — Siehe A. Holtzmann, Die Nibelungen-handschrift C ... von R. v. Liliencron, Germ. 2, 122-28.
Die Handschriften in ihrer Gesamtheit. 1. Vollständige Hss.: A Hohenems-MünchenerHs., B St. Galler Hs., C Hohenems-Laßbergsche Hs., D Münchener Hs. Cod. germ. 31 (Cata-logus Codicum manu scriptorum aaO. S. 54-56; Zarncke, Germ. 1, 202-207). J Berliner Hs.,Perg., erstes Drittel 14. Jh.s (Germ. 9, 381-84). — 15., 16. Jh.: a Wallersteiner Hs. in Maihin-gen, Pap. 15. Jh. (Zarncke, Berichte d. kgl. Sachs. Ges. d. Wiss. VIII, 1886, 245-63). b Hundes-hagens Hs., jetzt Preuß. Staatsbibl. in Berlin, Pap. um 1500 (Bartsch, Germ. 13, 196-201).d Ambraser Hs. in Wien, auf Befehl Kaiser Maximilians I. von Johann Ried 1504-15 geschrie-ben (Germ. 9, 381-84); h Meuselbachs Hs., Preuß. Staatsbibl. in Berlin, Pap. 15. Jh. (Röm-held, Über die Nibelungenhs. h usw., s. oben), k Wiener Piaristenhs., Pap. 15. Jh. (hgb.Adelb. v. Keller, Lit. Ver. 142,1879; Lunzer, Beitr. 20,345-505). — Bruchstücke: E von Rö-dersches Brachst., jetzt in Darmstadt, Perg. Mitte 13. Jh.s (abgedr. bei Könnecke). F Karls-burger (Siebenbürgen) Br., Perg. Mitte 14. Jh.s (abgedr. v. d. Hagens Germania 1, 1836, 337 f.;Könnecke). H Docens Bruchstücke, Perg., verschollen (v. d. Hagens Germ. aaO. S. 322-37).K (K I u. K II) Koblenzer Bruchstücke in Berlin, Perg. um 1300 (v. d. Hagens Germ. 3, 1839,1-17; ZfdA.38, 289-303). L Görres' Bruchstücke in Berlin, Perg. Mitte 14. Jh.s (W. Grimm,Altdeutsche Wälder 3, 1816, 241-49, ZfdA. 1, 111-16). M Linzer Br., Perg. um 1350 (v. d. Ha-gens Germ. 5, 1843, 1-11. NP Würzburg-Nürnberger Bruchstücke, Perg. um 1300, in Würz-burg u. Nürnberg (v. d. Hagens Germ. 7, 1846, 116-18; v. d. Hagen, Monatsber. der Berl. Ak.1853, 402 ff.; Bartsch, Germ. 13, 195 f.). O v.d. Hagens Bruchstücke in Berlin, Perg. Ende13. Jh.s (v.d.Hagen, Monatsber. aaO. 1852, 445-54; Herm. Schmidt, ZfdA. 54, 88-98).
Mhd. Studien aaO., ZfdA. 44 u. Anz. 26 Reg. Braune, Beitr. 27, 542-65 u. 36, 540 f.;
S. 352. 45 u. Anz. 27 Reg. S. 347 f.; Heinr. Schröder, ZfdA. 38, 289-303; P. M. Schnei-
Römheld, Über die Nibelungenhs. h u. die derwürth, ebda 52, 356-60; Herm. Schmidt,
Iweinhs. a, Greifswalder Diss. 1899. Victor ebda 54, 89-98; Herm. Menhardt, ebda 64,
Michels, Handschriftenkritik des Nibelun- 211-35; Schröder, ebda 64, 282 f.; R. Wol-
genliedes, Sachs. Ak. d. Wissensch. Bd. 39 kan, Beitr. 39, 321-24; C. Corves, Studien
Nr. 4, 1928, dazu Heusler, DLz. 1929, 16-20, über die Nibelungenhs. A, ZfdPh. 41, 271-319.
de Boor, Lbl. 1929, 323-26; E. Kettner, 437-70. 42, 61-97; Friedr. Wilhelm, Nibe-
Zur Kritik des Nibelungenliedes VIII, Die lungenstudien I, Über die Fassungen B u. C
Texte A u. B, ZfdPh. 20, 202-25; Ders., Die des Nibelungenliedes u. der Klage, ihre Ver-
Plusstropher der Nibelungenhs. B, ebda 26, fasser u. Abfassungszeit, Münchn. Arch. H. 7,
433-48; Ders., Zu den Handschriftenverhält- 1916, dazu Ziesemer, DLz. 1918, 611-13; We-
nissen d. Nibelungenliedes, ebda 34, 311-64; gener, Miniaturen-Hss. der Preuß. Staats-
Schröder, Die Hss. des Nibelungenliedes u. bibl. zu Berlin, 1928, 43^6; Rud. Zimmerl,
der Klage, Privatdruck 1901; Jos. Körner, Hans Rieds Nibelungenkopie, Wien. Diss.
Das Nibelungenlied, 1921, 24 ff.; G.Holz, Der 1930. — Goedeke, Grundr. I 2 , 180-82;
Sagenkreis der Nibelungen, 1907, 95-106; Castle, Merker-Stammler Reallex. 2, 276.