122 Die erzählende Dichtung
Mit glücklichem Humor beschließt die Geschichte, in der ein Pfarrer fälsch-lich des Umgangs mit einer Frau beschuldigt wird: Der entlaufene Hasen-braten von dem Vriolsheimer 1 (130 V.). Zu den Pfaffenschwänken ge-hören u. a. auch Der geäffte Pfaffe vom Stricker (s. oben) und DerMaler mit der schönen Frau (A.v. Keller, Erzählungen aus ad. Hss.S. 173-76; Bartsch und R. Köhler, Germ. 18, 41-45 und R. Köhler, Kl.Sehr. 2); Des Fischers Rache von Heinrich von Pforzheim (LLS. 3, 215-28;Keller, Erzähl, aus ad. Hss. 350-64 [Von dem Pfaffen in der Reusen]).
Nicht der Ehebetrug selbst, sondern seine Folgen sind Gegenstand der Er-zählung im Schneekind (90 V., GSA. Nr.47, Bd. II, 379-85 u. S. LIII ff.;Stehmann, Stud. S. 181), ein Motiv, das schon aus dem Modus Liebinc(LG. I, 356 f.) bekannt ist. Im Stil und in der Lebendigkeit des Ausdruckssteht das mittelhochdeutsche Gedicht sehr hinter dem lateinischen zurück.
Wohlbehagen an der bloßen Zote bezeugt die Pointe des sich als Werk Kon-rads von Würzburg ausgebenden Schwankes Diuhalbebir(Die halbe Birne):am Schlüsse V. 512 nennt sich der Verfasser von Wirzeburc ich Kuonrät, wasgewiß nur eine Vortäuschüng (s. oben) ist, doch wird hier der Stil Konradsnachgebildet (514 V.). 2
Auch Der weiße Rosendorn ist schlechthin zotig (276 V., GSA. Nr. 53,Bd. III, 17-28 u. S.V ff.; Singer, ZfdPh. 52, 88).
B. DAS HELDENEPOS
Die mittelhochdeutsche epische Dichtung zerfällt dem Stoff und der Her-kunft nach in zwei in der inneren Haltung verschiedene Gruppen: in dasaus französischen Quellen stammende höfische Epos (Ritterroman), und indas Volksepos, das heimischen, deutschen Ursprungs ist, besser Helden-epos genannt, weil es eine „Geschichte aus heroischer Vorzeit" darstellt(Heusler, Nibelungensage und Nibelungenlied 1 S.6). Das Stoffgebiet desHeldenepos ist also die deutsche Heldensage, „Heldensage ist Heldendich-tung" (Heusler aaO. S.226). Ihren Ursprung hat die Heldensage in derGeschichte, ihren Grundstock bilden wirkliche Ereignisse, aber diese sind oft
1 GSA. Nr. 30, Bd. II, 145-52 u. S. XV ff.; Ludw. Sig, Das K. v. Würzburg zugeschrie-Ad. Wälder 1,35-66; Haupt, ZfdA. 15, 469; bene Ave Maria S. 10 f. Anm.; Sievers,Fränkel, ADB. 40, 374; Bolte-Polivka 2, Sprachmelodisches, Leipz. Universitätspro-129 f. gramm 1901; Zwierzina, ZfdA. 44, 108 f.
2 GSA. Nr. 10, Bd. I, 207-24 u. S. CXVI; 250 f. 367; Günther Müller, Dt. Vjschr. 1,Georg Arnold Wolff, Diu halbe Bir, ein 79; Singer, Die Schweiz im dt. Geistesleben,Schwank K.s v. Würzburg, 1893; Behaghel, 1930, 82 f. — Die Unechtheit hat endgültigLbl. 1894, 355, Cbl. 1894, 248, dazu R. M. nachgewiesen Hans Laudan, D. ChronologieMeyer, DLz. 1895, 1357 f., Roediger, Arch. der Werke des K. v. Würzburg, 1906, S. 7 u.91, 434 f.; Bech, Alem. 22, 90; frühere Ab- ZfdA. 50, 158-66. — Über verwandte Motivedrücke s. Wolff S. XI. — Lit.: Sachse, Der s. Diez, Leben u. Werke der Troubadours,Welt Lohn (s. oben) S. 3; Wolff S. XI f.; 1829,12 f.; Gertr. Schoepperle, Tristan andspäter: Schröder, Rittermaeren 1 , 1894, S.L; Isolt, 1913, 227 ff.