Sonstige Schwanke 121
herren eine schöne Frau an, sie treffen sich bei der Kupplerin, aber der Dom-herr wird in Geschäften abberufen. Da bringt die Alte einen andern Lieb-haber, und diesmal ist es der eigene Ehemann der schönen Frau; sie haut ihmins Gesicht, schließlich aber gibt es doch eine Versöhnung. Das mcere gibt sichfälschlicherweise für ein Werk Konrads von Würzburg aus {der arme Kuonrdt).
Ein anderer Witz besteht darin, daß die Frau durch Frechheit den Ver-dacht ihres Mannes abzulenken sucht. Dieses Motiv gibt den Ausschlag inDer Ritter unter dem Zuber von Jakob Appet 1 (396 V.): Eine Frauhat ein Liebesverhältnis mit einem Ritter. Einmal, als der Mann mit dreiBrüdern unerwartet heimkommt, versteckt sie den Ritter unter einem Zuber.Einer von den Brüdern setzt sich auf den Zuber, da sagt das Weib kaltblütig,es sitze ein Ritter darunter; die andern halten das natürlich für Spott undsehen nicht nach, um sich nicht zum Narren halten zu lassen und lächerlichzu machen. Der Dichter ist ein Schweizer, die Abfassungszeit das spätere13. Jahrhundert.
Durch eine andere Art von Vorspiegelung zieht sich die Frau aus der Klemmein Frauenlist 2 (618V.): Der Mann sieht oft den Liebhaber der Frau, einenSchüler, von ihr kommen und beruft sich auf seinen eigenen Augenschein;da führt sie ihn an einen Wasserzuber, wo er sich selbst im Wasser abgespie-gelt sieht, und so überzeugt sie ihn von der Nichtigkeit des Scheins; die Sinnetrügen. Das gleiche Thema wird in Der Ritter und die Nüsse etwas ab-gewandelt (196 V., thüring., GSA. Nr. 39, Bd. II, 257-82 u. S. XXVII;Steinmeyer, ZfdA. 18, 317 f.; Leitzmann, Beitr. 48, 265-68). ÄhnlicheZüge hat auch Die treue Magd (624 V., GSA. Nr.42, Bd. II, 309-31 u.S.XLIf.; Stehmann, Stud. S. 125 f.).
Wie die Gelegenheit zum Stelldichein verschafft wird, erzählt der SchwankDie Meierin mit der Geiß 3 (164 V.): Ein Ritter und die Frau seines Meierssind im Einverständnis; der Mann wird aus dem Bett gelockt, weil die Geißimmer schreit; die Frau sagt, es seien Wölfe im Stall, aber ein Schüler imDienst des Ritters zwickt das Tier beständig in die Ohren. Während der Mannnach der Geiß sieht, geht der Ritter zur Meierin. — Kindermund verrät einePfaffenbuhlschaft in Berchta mit der langen Nase (174 V., GSA. Nr. 54,Bd. III, 29-35 u. S. VIII ff.; Ad. Blätter 1, 105-07). — Unter den Pfaffen-schwänken ist einer der übelsten die tolle Geschichte Die drei Mönchevon Kolmar (404 V., der Dichter nennt sich „Niemand"; GSA. Nr. 62,Bd. III, 159-73 u. S. XXXV ff.; alt. Lit. bei Piper, Höf. Ep. 3, 540). —
1 GSA. Nr. 41, Bd. II, 293-308 u. S.XXXVI 2 GSA. Nr. 26, Bd. II, 83-104 u. S. XII f.;ff. — Briefwechsel zw. J. Grimm u. K. Goe- A. Borgeld, Vrouwenlist, Verbreiding en oor-deke, hgb. von Joh. Bolte, 1927, S. 64 (Brief sprong van een novelle nit den Decamerone,J.Grimms 1851); Bartsch, Reinfrid von Groningen 1926; Stehmann, Stud. S. 132 f.;Braunschweig, 1871, S. 809 f.; Baechtold, Leitzmann, Beitr. 48, 263 f.; Rosenfeld,Gesch. d. dt. Lit. in d. Schweiz, 1892, S. 135; Stammlers Verfasserlex. 1, 643 f.Singer, Litgesch. d. dt. Schweiz im MA., 1916, 3 GSA. Nr. 40, Bd. II, 283-91 u. S. XXXVf.;S. 49; Ders., Die mittelalterl. Lit. d. dt. Leitzmann, Beitr. 48, 268; Zwierzina, Fest-Schweiz, 1930, S. 84 f.; Rosenfeld, Verfas- gäbe Singer 1930, 158.serlex. 1, 1931, 99 f.