120 Die erzählende Dichtung
u. S.XIV; Leitzmann, Beitr. 48, 264 f.). — Der wahrsagende Baum(der holboum, 132 V., GSA. Nr. 29, Bd. II, 137-44 u. S. XV). — Im übrigenbezeugen diese Geschichten von Ehebetrügereien eine erschreckende mora-lische Empfindungslosigkeit; diese Gesellschaft von Rittern, Geistlichen undBürgern — denn die Schwanke waren wohl hauptsächlich die Unterhaltungs-lektüre der Männer — hatte eine zynische Freude an den Listen der un-getreuen Weiber und an der Verspottung der geprellten Ehemänner. Imwesentlichen kommt es auf den Witz an, und man muß bei der Beurteilungden Schwerpunkt auf die Pointe legen, auf den listigen Einfall. Erstaunlichreichhaltig sind die Variationen des einen Motivs, Untreue von Mann undWeib in der Ehe. Gewisse nähere Beziehungen in dieser Mannigfaltigkeitbringen einzelne Schwanke in eine stoffliche Zusammengehörigkeit.
Der Borte (Der Gürtel) von Dietrich von der Glezze 1 zielt am Schlußauf eine moralische Wirkung. Die schöne Frau eines Ritters gewährt einemandern ein Minnespiel für den Preis eines siegverleihenden Gürtels. Ihr Gatteentfernt sich von ihr in ein anderes Land. Als Mann verkleidet zieht daraufdie Frau auf Turniere aus und besiegt ihren eigenen, sie nicht erkennendenGatten; beide machen als Freunde gemeinsame Heerfahrten und endlich gibtsie sich ihm zu erkennen, gerade als er im Heidenland einen Fehltritt begehenwill, von dem sie ihn abhält. Beide leben fortan glücklich zusammen bis anihr Ende. (Der Dichter aus dem Glatzer Lande, Abfassung vor 1290.)
Ebenso hat Das warme Almosen einen moralischen Ausgang; hier wirdder geizige Mann durch den Fehltritt der Frau von seiner Kargheit kuriert.(130 V., GSA. Nr. 36, Bd. II, 241-48 u. S.XXI; Singer, Schweiz. Arch. f.Volkskde 28, 1928, 227 ff.)
Eine Variation des Themas wird dadurch erreicht, daß erzählt wird, wiedie Eheleute sich alle beide verfehlen ,soz.B.inDiezweiBeichten 2 (84V.):Die Frau gesteht dem Mann ihre verschiedenen Fehltritte, der Mann verzeihtihr, er soll ihr nun auch beichten, da hat er nur einen Fall auf dem Kerbholz,für diesen aber prügelt sie ihn durch. — Die gleiche Wendung nimmt die Sachein Alten Weibes List 3 (480 V.): Ein altes Kuppelweib preist einem Dom-
1 GSA. Nr. 20, Bd. 1, 449-78 u. S. CXLIXff.; schaftler Dichters Dietrich (D. v. Glatz), Glat-der Anfang auch bei Adelbert Keller, Alt- zer Heimat 5, 1921; Ders., D. Lit. der Landes-deutsche Gedichte 1846 S. 10 f.; Rich. Zooz- u. Volkskunde der Grafsch. Glatz, 2. Aufl.,mann, Der Gürtel, übertragen, 1921. — Stein- Glatzer Heimatblätter, Jahrg. 10 H. 2, 1924;meyer, ADB. 9, 236; Reinh. Köhler, Germ. Ders., D. Glatzer Land in d. Dichtung, in:31, 49-51 u. Kl. Sehr. 2, 471-73; R. Brendel, Monographien dt. Städte, Bd. 10, Die Graf-Üb. d. mhd. Ged. „Der Borte", Hall. Diss. schaft Glatz, 1927, S. 165-71. — Rosenfeld,1906; Otto Rich. Meyer, Die Quelle des Bor- Stammlers Verfasserlex. 1, 426-28.ten, ZfdA. 59,36-46; Ders., D. Borte des Dietr. 2 GSA. Nr. 44 (Die Beichte), Bd. 11,349-55 u.von der Glezze (mit Text), Königsberg. Diss. S. XLIX; Lassberg, LS. Nr. XXXIII, Bd. 1,1924, dazu D. v. Kralik, Anz. 42, 110-13; 245-19; Pfeiffer, ZfdA. 5, 448-52; Barth,v. Kralik, ZfdA. 60, 153-93; Baesecke, D. Liebe und Ehe S. 271 f.; Stehmann, Stud.Wiener Oswald, 1912, S. XCf.; Naumann, S. 182-84.
Ausg. von Ludwigs d. Frommen Kreuzfahrt 3 GSA. Nr. 9, Bd. I, 189-205 u. S. CXII ff.;
(s. oben) S. 195; Schwietering, Demuts- Bartsch, Md. Gedichte S. 84-97 u. S.XXI
formel S. 50; Leitzmann, Beitr. 48, 70; Paul -XXIV; Barth, Liebe u. Ehe S. 264 f.; Steh-
Klemenz, Zur Herkunft d. ältesten Graf- mann, Stud. S. 179 f.