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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
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Sonstige Schwanke 119

Verführungsgeschichten sind die Sperbernovelle (370 V., erstes Viertel des13. Jahrhunderts) und die zu ihr gehörige Gruppe: 1 Ein Ritter will einerjungen Nonne seinen Sperber, der ihr gefällt, im Austausch für ihre Minnegeben. Sie weiß nicht, was Minne ist, und gibt ihm diese, verlangt aber dann,daß er sie ihr wieder zurückgebe. Das gleiche Motiv, nur in anderer Umgebungdargestellt, wird ausgeführt in den Schwänken Das Häslein (306 V., Endedes 13. Jahrhunderts) und Dulciflorie (lückenhaft, nach 1200). Eine Umkeh-rung im Verhältnis der Geschlechter, so daß das Weib der aktive Teil, der Ver-führte aber ein unerfahrener Mann, ein Mönch, ist, wird geschildert im Gän-selein 2 (272 V.). Das gleiche Gaudium soll Der schwangere Mönch (desMönches Not) von dem Zwingäuer 3 bereiten, eine Geschichte, die aberhöchstens durch Blödsinn ergötzen kann (544 V.). Ebenfalls eine lüsterneVerführungsgeschichte ist Das Rädlein 4 von Johannes von Freiberg(516 V., Dialekt ostmitteldeutsch, nach der Mitte des 13. Jahrhunderts): EinSchreiber malt dem schlafenden Mägdlein mit Ruß ein Rädlein auf den Leibusw. Die Situation des Tageliedes steht im Mittelpunkt der MinnenovelleDie Nachtigall (264 V., GSA. Nr. 25, Bd. II, 71-82 u. S. XI f.): Die Kin-der zweier reicher Ritter schlafen im Gartenhause und werden von der Sonneüberrascht; der Vater der Tochter entdeckt sie und sagt zu der Mutter, dasTöchterlein habe einen schönen Vogel gefangen; dann werden beide zur Ehezusammengegeben.

Bei weitaus der Mehrzahl der Schwanke handelt es sich also um ein sexuellesThema. Die bisher besprochenen spielen außerhalb des Rahmens der Ehe.Dem rohen Geschmack des Publikums, dem diese Art von Mären gefallensollte, entsprachen aber auch ganz besonders die geschlechtlichen Irrungenin der Ehe, die Ehebruchsgeschichten. Eheschwänke ohne diesen Haut-gout sind selten: Frauenbeständigkeit (486 V., GSA. Nr. 27, Bd. II, 105-21 u. S. XIII f.). Die Teufelsnacht (324 V., GSA. Nr.28, Bd. II, 123-35

1 Sperber: GSA. Nr. 27, Bd. II, 19-35 u. 63, 176; Leitzmann, Beitr. 48, 261-63.S.Vf.;LASSBERG,LS.Nr.XXX,Bd.l,221-321; * GSA. Nr. 58, Bd. III, 105-24u. S.XXVIff.;Lambel Nr. VIII. Alt. Lit.: Piper, Höf. Ep. Zacher, ZfdA. 13, 333-35; Walt. Buske, Die3, 529; Hans Niewöhner, D. Sperber u. ver- mhd. NovelleDas Rädlein" des Johann vonwandte mhd. Novellen, Pal. 119, 1913 (darin Freiberg, Diss. Rostock 1912 (mit Text S. 68Sperber, Häslein, Dulci florie), dazu Helm, -87 (524 V.), dazu W. Richter, Arch. 131,Lbl. 36, 131 f., W. Richter, Arch. 131, 243 f.; 243. Über Heinr. v. Freiberg: Bech, Ur-Stehmann, Studentenabent. S. 135; Stamm- kundl. Nachweise üb. d. Geschlecht usw.,ler, ZfdPh. 53, 21; Zwierzina, Festgabe Sin- Germ. 19, 420-24; Eduard Heydenreich,ger 1930, 135. Das Häslein: GSA. Nr. 21, Mitteil, vom Freiberger Altert. Ver. 19, 1882,Bd. II, 1-18 u. S. V.Alt. Lit.: Piper aaO. 22-24; Buske S. 18 f. L. Müller, ZfdA.24,Leitzmann, Beitr. 48,258-60.Dulciflorie: 56 ff.; Bernt, ebda 52, 249 ff.; Schirokauer,Pfeiffer, ZfdA. 5, 426-31; Aug. Lütjens, Beitr. 47, 99; Leitzmann, ebda 48, 275-78;Herz. Friedrich v. d. Normandie, Münchn. Erich Mai, Das mhd. Gedicht vom MönchArch. 2, 1912, 65 ff. (s. oben); Niewöhner, Felix, 1919, 54 ff.; Rosenfeld, Novellenstud.ZfdA. 59, 305-7. S. 199. 367. Stellen: Stosch, ZfdPh. 28,

2 GSA. Nr. 23, Bd. II, 37^8 u. S. VI ff.; 429; Wallner, ZfdA. 64, 89-91. DenselbenPfeiffer, ZfdA. 8, 95-105; Wallner, ebda Stoff behandelt ein Gedicht von einem listigen63, 182 f.; Leitzmann, Beitr. 48, 260 f. Pfaffen, L. Müller aaO.; s. auchDer Maler

3 GSA. Nr. 24, Bd. II, 49-69 u. S. XXIV ff.; von Würzburg", Keller, Erzählungen ausLassberg, LS. Nr.CXXXVI, Bd. 2, 389^108; ad. Hss. S. 251-59, und Schröder, ZfdA. 62,Pfeiffer, ZfdA. 5, 434-84; Schröder, ebda 37^40.