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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
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118 Die erzählende Dichtung

Pikanter erschienen dem Geschmack dieser Gesellschaft die erotischen,meist obszönen Schwanke. Wirklich komisch, ohne solchen anzüglichen Bei-geschmack, wirkt die Macht der Minne in Aristoteles und Phyllis 1 (554 V.,von einem Alemannen): Der Erzieher Alexanders, der alte Aristoteles, ver-fällt der Minne, und das schöne Hoffräulein Phyllis macht ihn so kirre, daßer sich von ihr satteln läßt und auf allen Vieren mit ihr durch den Hofgartenreitet. Er erntet Spott und Hohn, so daß er sich davon macht und auf einerfernen Insel ein dickes Buch über die Listen der Weiber schreibt. Eben-falls von der minne meisterschaft, der gewalt und ir kraft erzählt ein mcere vonPyramus und Thisbe, 488 V. (Haupt, ZfdA. 6, 504-17; Paul, Beitr. 1,208; s. Bartsch, Albr. v. Halberst. S. LX-LXVI [LXII f.]. Lüsternheitliegt dem Schwank von Irregang und Girregar (Novelle vom Studen-tenabenteuer) von Rüdiger von Müner zugrunde (1450 V., südrhein-fränkisch). 2 Er ist eine Komödie der Verwechslungen: Zwei Jünglingeübernachten auf einer Reise bei einem reichen Herrn, der eine schöne Tochterhat; der eine erwacht, steht auf, setzt die Wiege mit dem Kind an sein Bettund legt sich aus Versehen neben den Wirt; die Wirtin hört darauf das Kindschreien und legt sich aus Versehen neben den andern Gast. Einen lehr-haften Sinn, durch den der verfängliche Stoff in den Hintergrund gedrängtwird, hat die Novelle Der Hellerwertwitz von Hermann Fressant 3(aus Augsburg, um 1350 Stadtschreiber in Ulm; 746 V.): Ein junger Kauf-man hat eine tugendreiche Frau, daneben aber auch zwei Buhlerinnen; ergeht auf eine Geschäftsreise, jede der beiden Damen wünscht sich als Reise-geschenk einen kostbaren Mantel, seine Frau aber bittet nur, er möge ihr füreinen Heller Witz (Klugheit, Verstand) mitbringen. Solchen erhält er dennauch von einem Greis in Ypern. Zurückgekehrt erklärt er den Buhlerinnen,er sei beraubt worden und habe nichts mehr, jede mißhandelt ihn und sagtihm ihre Gunst auf, seine Frau aber empfängt ihn liebevoll und will nun fürsie beide nähen und spinnen. Da ist der Mann bekehrt und die Geschichtefindet ein glückliches Ende.

1 GSA. Nr. 2, Bd. I, 17-35 u. S. LXXV ff.; D. mhd. Nov. Irreg. u. Girreg., Münchn. Diss.A. Borgeld, Arist. en Phyllis,Groningen 1903; 1924; Zwierzina, Festgabe Singer 1903,152ff.Hans Paul, Ulr. v. Eschenbach u. seine Ale- 3 GSA. Nr. 35 (Ehefrau u. Buhlerin), Bd. II,xandreis, Berl. Diss. 1914, 144 ff.; John L. 215-39 u. S. XIX ff.; neue Ausg.: H.-Fr. Ro-Campion, Mod. Philol. 13, 1915/16, 347-60; senfeld, Mhd. Novellenstudien I, Der Heller-Leitzmann, Beitr. 48, 49-52; Rosenfeld, wertw. (s. oben), S. 44-93 (782 V.) [ebda:Verfasserlex. 1,1931,123-25; s.auchW. Hertz, Der Pfennigwertwitz S. 93-107, Text 102 V.,Gesammelte Abhandl. 1, 1-412 [Arist. im MA.]. Das Säcklein Witz S. 108-22], dazu Schröder, Bildliche Darstellungen: Panzer, Neue GgA. 1928, 23-29; Niewöhner, Anz. 47, 110Jahrb. 7, 1904, 140; v. d. Leyen u. Spamer, -21, Golther, Teuthonista 4, 290, Suolahti,Die ad. Wandteppiche im Regensburger Rat- Neuphilol. Mitteil. 29, 1928, 168-71, Bolte,hause, 1910, S. 9 f. Zs. f. Volkskde 37/38, 289 f., Piquet, Rev.

2 GSA. Nr. 55, Bd. III, 37-82 u. S. XIX ff.; germ. 19, 1928, 54 f., Ehrismann, Lbl. 1928,Ausg. der Fassung II: Stehmann S. 198-216 101-3, L. Wolff, DLz. 1929, 562-66, Stamm-(464 V.); Wilh. Stehmann, D. mhd. Novelle ler, Zs. f. Dtkde 1928, 815; Rosenfeld, Neo-vom Studentenabenteuer, Pal. 67, 1909, dazu philol. 1927/28, 14-16; Stehmann, Stud.GoLTHER.Lbl. 1913,97-99, Euling, DLz. 1914, S. 162-65; Barth, Liebe u. Ehe S. 269;416-20; Barth, Liebe u. Ehe S.267-69; Leitz- Stammler, ZfdPh.53,22; Rosenfeld, Stamm-mann, Beitr. 48, 274; Hans Winterstetter, lers Verfasserlex. 1, 673 f.