Sonstige Schwanke 117
einen ihrer Kumpane werfen sie aufs Pflaster hinaus, daß er Arm und Beinbricht. Am andern Morgen kommen die Nachbarn herbei, die Trunkenboldeerzählen ihnen von der nächtlichen Seefahrt, die Freunde des Beschädigtenaber greifen zu den Waffen, bis schließlich eine Sühne erfolgt. (Dichter wahr-scheinlich ein Fahrender aus Böhmen, Zeit zwischen 1254 und 1283.) — DerLuodercere s. ob. Stricker. —
Unterliegt der Mann in der Bösen Frau der Herrschaft des Weibes, so bringter in dem Schwank Frauenzucht von Sibote (628V.) 1 das böse Weib durchEinflößung von Respekt und Furcht zur Vernunft und zum Gehorsam. DerStoff ist bekannt durch Shakespeares „Der Widerspenstigen Zähmung": EinRitter wirbt trotz Warnung um die böse Tochter einer bösen Mutter. Als erdie Braut abholen will, tötet er auf dem Wege nacheinander seinen Habicht,seinen Windhund und sein Roß, weil sie seinem Willen nicht folgen. Schließ-lich muß die Braut sich satteln lassen, damit er auf ihr heimreiten kann.Aus Furcht, es möchte ihr ergehen wie den Tieren, gehorchte sie und wirddann in der Ehe das fügsamste Weib. (Sibote war Thüringer, dichtete vor derMitte des 13. Jahrhunderts.) — Ein von Natur und Erziehung böses Weibist auch die schöne Königstochter in der Novelle von Heinz dem Kellner(nach dem gleichen, auch von Schiller verwendeten Motiv Turandot ge-nannt) (228 V.): 2 Sie will nur den Freier zum Manne nehmen, der sie in dreiDingen durch seine Rede überbiete; schon manchem edeln Ritter war das Hauptabgeschlagen worden, da gelang es einem halb blödsinnigen Dorfrüpel mitschmutzigem Benehmen, die Antworten zu finden, und sie mußte ihn heiraten.
Ein Schwank, der sich nicht mit dem sexuellen Thema beschäftigt, istaußerdem: Die alteMutter und Kaiser Friederich, eingemellichez mcere 3(von V o 1 r ä t [ ?], 424 V .), wo dieser Recht sprechen muß bei der Anklage eineralten geizigen Frau gegen ihren Sohn und nun infolge ihrer Kurzsichtigkeiteine Verwechslung stattfindet zwischen ihrem eigenen Sohne und einem an-dern Ritter, dessen Mutter schon dreißig Jahre tot ist. — Im Märe vomFeldbauer (veltbüwcere — Bergmann) schwindelt ein Bergmann dem Dich-ter Geld ab durch die lügenhafte Schilderung des gewinnbringenden Berg-baues (512 V., um 1300, Obersachsen oder Böhmen). (Hgb. Pfeiffer, Germ.l,346-56; Rosenhagen,Dt. Texte d.MA.s, Bd. 17, 36^4.) — Abhandlung:Bernt,ZfdA.52, 256-59; Wallner, ebda 63, 183-85; Gierach, StammlersVerfasserlex. 1,196 f.
1 GSA. Nr. 3, Bd. I, 37-57 u. S. LXXXIIff.; der, Die Gedichte d. Königs v. Odenw. S. 13.
Lambel Nr. IX. — Lit.: Piper S. 531 f. — 2 GSA. Nr. 63, Bd. III, 175-85 u. S. LXI ff.;
Abh.: Schröder, ZfdA. 51, 154-56; Steh- Lassberg, LS. Nr. LXXIII, Bd. 1, 535^3.—
mann, Studentenabent. S. 122-25; Brietz- Marcus Landau, Z. Quelle d. Turandot-Dich-
mann, Die böse Frau, Reg. S. 235; Leitzmann, tung des Kellners, Zs. f. vergl. LG. 9, 1895,
Beitr. 48, 52 ff. — Sprenger, ZfdPh. 26, 284 H. 4/5.
(Stelle). — Eine Überarbeitung u. Erweite- 3 GSA. Nr. V, Bd. I, 85-100 u. S. XCVf.;
rung von Sibotes Gedicht ist Der Zornbra- Haupt, ZfdA. 6, 497-503; Bech, Germ. 15,
ten, Lassberg, LS. Nr. CXLVIII, Bd. II, 136 Anm. 3; Stehmann, Stud. S. 132; Leitz-
499-531 (984 V.), Steinmeyer, ZfdA. 18, mann, Beitr. 48, 56-61.317 f.; v. Bahder, Germ. 23, 220-22; Schrö-