116 Die erzählende Dichtung
Witege 257 ff. 531 ff., Hildebrant 527, Dietleip 696) sowie mit berühmtenLiebespaaren (Walther und Hildegunt 305, Pyramus und Thisbe 385, Erecund Enite 413, s. ferner V. 449 ff. 483 ff. 580). Der Schauplatz der Kämpfeist die Hauptstube eines bäuerlichen Anwesens. Der so stark aufgetrageneKontrast wirkt wie eine Parodie auf die Helden- und die höfischen Epen. —Der Verfasser, der eine ziemlich umfassende Literaturkenntnis besaß undlesen konnte (408), ist unbekannt. Seine Heimat war Tirol (552 f.), die Zeitder Abfassung liegt bald nach der Mitte des 13. Jahrhunderts. Darstellung,Stil und Reimgebrauch sind gewandt und flott (Haupt, Ausg. S.4, BockaaO. S.59. 62 ff.).
Vielleicht von demselben Verfasser ist der in die gleiche Gegend und Zeitweisende Schwank Der Weinschwelg, 1 ein Selbstgespräch (416 V.), in demein gewaltiger Trinker den Preis des Weines in den höchsten Tönen besingt.Er rühmt seine tugent, seine kunst und meisterschaft; er ist der Freudebringerund begeistert zu hohen Taten. In 22 Abschnitten, die alle mit der dem Ge-dichte eigenen epischen Formel dö huob er üf unde tranc einsetzen, steigerndie mächtigen Trünke sich immer mehr und mit ihnen erhebt sich immermächtiger, je trunkener er wird, das Selbstbewußtsein: Wo findet man einenMann, der trinke als ich trinken kan? (157 ff.) ruft er schließlich. Eine ArtHeroismus stempelt so den Säufer zum Helden: diu werlt ist gar min eigen ;und als ihm schließlich das Hemd platzt, zieht er ein ledernes Koller an unddarüber einen festen eisernen Panzer wie zum Kampfe. So klingt auch diesesGedicht wie eine Parodie auf die höfische Dichtung, 2 besonders in seinemSpott auf die tumpheit derer, die tot von minne lägen, 324 ff, wie Paris wegenHelena, wie Dido, Grälant, Pyramus und Thisbe oder Cüräz. 3 Die Darstel-lung mit ihren grotesken Bildern, ihrem Stil und ihrer Reimfertigkeit hat diegleichen Vorzüge wie die der Bösen Frau. 4
Eine Verherrlichung des Weines gibtauchDerWeinschlund vom Stricker(s. oben).
Ein lustiger Trinkerschwank ist Der Wiener Meerfahrt von dem Freu-denleeren 5 (706 V.) : Wiener Bürger zechen auf einer Laube, in der Trunken-heit glauben sie auf einem Schiffe gen Ackers ins Heilige Land zu fahren;
1 Ausg.: J. Grimm, Ad. Wälder 3, 1816, 13- 4 Lucae S. 6 f.
34; Wackernagel, Leseb. 5 S. 911-22; Ver- 5 Ausg.: GSA. Nr. 51, Bd. II, 463-85 und
naleken, Germ. 3, 210-21; K. Lucae (Text S. LXVIff.; Lambel Nr. V; R. Newald,
u. Übersetzung), 1886, dazu Schröder, Anz. 1930, dazu Niewöhner, Anz. 50, 149 f.,
13, 115-21; Schröder, Zwei ad. Schwanke Götze, Lbl. 1930, 342 f., Piquet, Rev. germ.
(s. ob.). —K. Wolfskehl, Der Weinschw., Dt. 21, 1930, 295; E. Castle u. A. Walheim mhd.
Umdichtung 1921. — Lit.: Schröder, Ausg.; u. nhd. übertragen, 1922. — Lit.: Piper, Höf.
Ders., Gott. Nachr. 1913, 99-103. Ep. 3,533 f. — Abhandl.: v. Karajan, ZfdA.
2 Denkt man sich die beiden Schwanke als 5, 243-45; Heydenreich, Arch. f. Litgesch.Parodie auf die höfischen Romane, so geben 13,1885,145 ff.; Schröder, ZfdA. 29,354-57;sie zusammen eine einheitliche Einstellung: Uhl u. Schröder, ebda 41, 291-95; Bernt,Heldentum und Minne; die Böse Frau ist dann ebda 52, 246 ff.; Wallner, Beitr. 33, 544-46;eine Verkehrung des Minneideals, der Wein- Ders., ZfdA. 63, 185-90; Leitzmann, Beitr.schwelg eine solche des Heldentums. 48, 271; Rosenfeld, Stammlers Verfasserlex.
3 Siehe dazu Lucae S. 58; Schröder, Anz. 1, 675-77.13, 119; auch Lucae S. 53.