Der Stricker 107
er alles gehört hatte, verzieh. — Die drei Wünsche (GSA. Nr. 37, Bd. II,251-56 u. S. XXII, übersetzt bei Heyne aaO.): Ein Mann und seine Fraubitten in ihrer Armut Gott täglich, er möge sie reich machen so lange, biser einen Engel sendet, der ihnen drei Wünsche zusagt. Die Frau wünscht sichein schönes Kleid, das ihr auch sofort zuteil wird; über diesen törichtenWunsch seiner Frau ärgert sich der Mann und ereifert sich so, daß er ausruft,das Kleid solle ihr in den Bauch fahren, was sofort geschieht; wohl oder übelmuß der Mann nun wünschen, daß die Frau von dieser Qual befreit werde;so waren die drei Wünsche schmählich vertan. — Es ist ein unweiser Plan,sich mit dem Teufel einzulassen: diese Lehre wird belegt in der Erzählung„Der Richter und der Teufel" (GSA. Nr. 69, Bd. III, 385-93 u.S.CXII f.).
Reichen Stoff, namentlich für die Schwanke, boten die Irrungen der Ehe.Daz Bloch (der Block): Ein roher Bauer mißhandelte sein Weib und hättesie am liebsten umgebracht. Eine Gevatterin wußte Rat, sie kleidete einenHolzblock wie eine Leiche ein und der wurde durch den Pfarrer begraben.Der Mann freute sich, daß sein Weib endlich gestorben sei und ließ sich vonder Gevatterin eine neue Frau aussuchen. Diese hatte unterdessen des BauersWeib so herausgepflegt und putze sie schön her, daß der ganz entzückte Bauersie gar nicht wieder erkannte und sofort heiratete. Erst später klärte sie ihnauf, sie lebten aber von nun an friedlich zusammen (GSA. Nr. 32, Bd. 2,174-92 u. S. XVIII; Lambel Nr. II; übersetzt Heyne aaO.). — Der ge-äffte Pfaffe: Ein treuloses Weib hatte einen Pfaffen zum Buhlen; einmalkam der Mann überraschend nach Hause und die Frau versteckte ihren Lieb-haber unter einer Bank; der Knecht, der das Verhältnis beobachtet hatte,erzählte beim Essen ein Erlebnis mit einem Wolf, welcher in sein Versteckgeschlüpft sei, wie dort der Pfaffe unter der Bank; da sprang der Mann hin,zog den Buhlen hervor und ließ ihn nur gegen ein hohes Lösegeld los*. Auchdiese anzügliche Ehebruchsgeschichte wird durch die Lehre am Schluß zueiner Parabel umgebogen (GSA. Nr. 61, Bd. III, 147-58 u. S. XXIX ff.;Hahn Nr. IV; Meyer-Benfey 2 S.73-83; Stehmann, StudentenabenteuerS. 133 f.). Andere Erzählungen des Strickers von schlimmem Eheleben s.GSA. Nr. 33. 34. 45. 46; die Novelle „Von einem übelen wibe", das sichbekehrt und eine gute, vorbildliche Ehegattin wird, und das Lehrgedicht„Von übelen wiben" sind herausgegeben bei Brietzmann, Die böse Frau,Pal. 42, 1912, S. 1-14, 400 V., und S. 15-41, 912 V. —
In merkwürdigem Gegensatz gegen die ungünstige Zeichnung der Frau invielen seiner Erzählungen hat der Stricker in seiner langstieligen Frauen-ehre ein hohes Lob der Frauen gesungen, ihrer Tugenden, der Freuden, diesie der Welt geben, und ihrer sittlichen Einflüsse, ganz im Stil und im Ge-dankenkreis der Minnesänger. Aber dieses Gedicht ist eben nicht eine Er-zählung aus dem Leben, sondern eine allgemeine Abhandlung (Pfeiffer,ZfdA. 7, 106-8. 478-521 [1640 V.]; Kummer, ebda 25, 290-301 [noch eineweitere Anzahl von Versen]).