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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
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104 Die erzählende Dichtung

Wie die ganze Darstellung realistisch ist, so wird auch der Schauplatzdieser Dorfgeschichte genau angegeben, jedoch in beiden Hss. verschieden(Panzer 4 S.VI und IX und die Anm. oben): A gibt die Gegend zwischenHöhensteine und Halderiberc (192) an und rühmt den Brunnen ze Wanchüsen(897); dies sind örtlichkeiten im ehemals bayerischen, jetzt österreichischenInnviertel, welches in dem Winkel liegt, wo die Salzach in den Inn fließt;an Stelle dessen nennt B die Gegend zwischen Wels und dem Traunberg(192) und Leubenbach (897), führt also in den oberösterreichischen Traungau.Da aber A das größere Vertrauen verdient, so wird die Entscheidung derLokalfrage für das Innviertel ausfallen.

Da Wernher der Gartensere aus voller Wirklichkeit schöpfte, hat er zu-gleich einen unschätzbaren Beitrag für die Kenntnis der Kultur der Zeitfür das Bauernleben und für den Verfall der Rittersitten 1 gegeben. Schondie Klage über die verschwundene gute, alte Zeit weist auf die Periode nachder höfischen Blüte als Entstehungszeit des Gedichtes hin. 2

Wie weit beruht nun diese realistische Darstellung auch auf einer wirk-lichen Begebenheit? 3 Die Versicherung des Dichters, er sage, was er miteigenen Augen gesehen habe (V. 7 f.), kann freilich nicht für jede Einzelheitgelten, denn er bringt auch Dinge vor, die andere schon vor ihm gesagthaben und worin er sicher von diesen abhängig ist; aber daß die großen Zügedes Gedichtes, ja auch kleinere Beobachtungen in der Tat sich so zugetragenhaben, ist doch sehr wahrscheinlich. Zunächst natürlich die Grundmotive:der über seinen Stand hinauswollende Sohn, die Abmahnung des Vaters, dasRäuberleben des Sohnes, das Aufheben der Bande, die Verstümmelung desSohnes, seine Heimkehr und Abweisung durch den Vater, das jämmerlicheEnde. Aber ausgefüllt ist dieser Rahmen der ursprünglichen Tatsachen miteiner Reihe von Einzelheiten, die der Verfasser schon literarisch vorgeprägtgefunden hat. Von vornherein muß seine Selbständigkeit auch dadurch einge-schränkt werden, daß der Inhalt unter denselben Kulturbedingungen steht wiediehöfische Dorfpoesie". Und von Neidhart 4 ist er tatsächlich stark beein-

1 Ein zeitgemäßes Thema, das in dieser Hin- as shown in M. Helmbr., Trans, of the Wiscon-sicht vergleichbar, ist StrickersGäuhüh- sin Acad. 17, II, 1914; H. Hügli, D. dt. Bauernern" undHerren von Österreich". im MA., dargestellt nach d. dt. literar. Quellen

2 Kulturgeschichtliches in M. Helmbrecht: vom 11.-15. Jh., Sprache u. Dichtung H. 42,Gust. Freytag, Bilder aus d. dt. Vergangen- 1929. Einzelnes. Helmbrechts Haube:heit2,9. Aufl. 1876,46-73; A. Inowraclawer, Braune, Beitr. 32,515-19; R.M. Meyer, ZfdA.M. H., eine Quelle f. dt. Altertumskunde, 39,320f.;ZfdPh.40,421-30; Alwin Schultz,Progr. Breslau 1882, dazu Bechstein, Lbl. D. höf. Leben l 2 ,1889, 326. Rechtsaltertümer:1883, 92; J. Seeber, Leben u. Treiben d. Rich. Schröder, ZfdPh. 2, 302-5. GeislitzeÖsterreich. Bauern im 13. Jh. nach Neidhart, (Speise): Pfeiffer, ZfdA. 5, 471.Helbling u. Wernh. d. Gart., Hist. Jahrb. d. 3 Wahrheitsgehalt: s. Panzer 4 S. VIII, woGörres-Ges. 3, 1882, 416^14; A. Stoewer, D. Lit.; s. auch Schwietering aaO. S. 14 f.Kulturhistorische im M. Helmbr., Progr. Bo- 4 Berührungen mit Neidhart: RuDLOFFaaO.;chum 1891, dazu 0. v. Zingerle, Anz. 19, Panzer, Beitr. 27, 109-12. 33, 391 f.; Ausg. 4297-99, Seemüller, ZföG. 43, 1893, 527; A. S. XVII f.; Schröder, Gott. Nachr. 1913,Hagelstange, Süddeutsches Bauernleben im 98 f.; Edm. Wiessner, Helmbr. u. NeidhartsMA., 1898; Mart. H. Haertel, Social con- Strophen üb. Hildemar, Beitr. 49, 152-58;ditions in Southern Bavaria in the 13. cent. Rosenhagen, Reallex. 1, 210. Die Ähnlich-