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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
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98 Die erzählende Dichtung

Es folgt eine allgemeine Betrachtung über die Vergänglichkeit der Welt; Artus und sein Weibgeben ein Beispiel steter Minne. Eine Mahnung, die Frauen zu ehren, schließt sich an.

Seine Erzählung nennt der Dichter einen Zweig von dem Wunderbaume derAventiuren des Artus (123 ff.).

6. Noch weniger möglich ist es, aus den 430 Versen des Portimunt 1 denGesamtinhalt zu rekonstruieren.

Der erhaltene Teil handelt von einer Vogelbotschaft. Ein sprechender Vogel, ein Sittich,psitacus I, 50, überbringt der Geliebten mündlich eine Botschaft von Tybalt, dem Sohn desKönigs von Portimunt, und im zweiten Bruchstück einen Liebesbrief.

7. Ganz rätselhaft bleibt das kleine Bruchstück (etwa 40-50 V.) einer Jagd -aventiure, 2 wo ein Ritter einer in wilder Jagd einen Hirsch verfolgendenJungfrau nacheilt.

8. Die Bruchstücke (314 V., 13. Jahrhundert, Zeit des Gedichtes: nach1230), in welchen eine Königin Ainune 3 die Hauptrolle führt, enthaltenkeine Abenteuer, sondern Zwiegespräche: ein König wirbt um eine Königin,Ainune; dabei tritt ein treuer Ratgeber auf. Das Gedicht muß, dem gemäch-lichen Tempo der Reden nach, einen ziemlichen Umfang besessen haben. DieHerrschaften bewegen sich in feinen höfischen Formen. Gotfrids von Straß-burg Technik und Sprache ist nachgeahmt, aber nicht erreicht; auch findensich Wolframsche Wendungen, außerdem ein Freidankzitat. — Der NameAinune ist derselbe wie Oenone in der Theseussage (s. LG. II, 71 Anm. 2).

9. Der Herzog Friedrich von der Normandie 4 ist uns nur in einerschwedischen gereimten Übersetzung-vom Jahre 1308 erhalten. Das deutscheGedicht wurde vermutlich um 1250 im Auftrag des Herzogs Otto von Braun-schweig verfaßt, und zwar ohne fremde Quellen, hauptsächlich auf Grund einernur bruchstückweise auf uns gekommenen Dichtung, die mit der Versnovellevom Sperber verwandt ist und unter Kenntnis des Erec, des Lanzelet unddes Briefes des Presbyter Johannes. Sie enthält eine Entführungsgeschichte,die Ähnlichkeit mit der Hugdietrichfabel (s. unten) hat.

Der Held befreit einen Zwergkönig von seinen Bedrängern und erhält von diesem einen un-sichtbar machenden Ring. Mit diesem gelangt er zu einer von ihrem Vater in einen Turm ver-steckten Königstochter, die er entführt und heiratet. Weiter wird die Verfolgung der beiden

1 Zwei Bruchstücke: I. abgedr. Apfelstedt, Schmidt, Beitr. 3,173 ff.; R. M. Meyer, ZfdA.Germ. 26, 95-99; II. Sieber, Germ. 25, 192 51, 369-73; Schröder, ebda 61, 40. — Franz.-94; beide in v. Kraus, Übungsb. 2 S. 162-67, Quelle: v. Kraus, Übungsb. 2 S. 373; Singer,Lit. S.288. — Wallner, ZfdA. 50, 209 f.; Wolfr. Stil S. 125 f.

Stammler, ZfdPh. 52, 111. — Goedeke, 4 Aug. Lütjens, Herz. Friedr. v. d. N.,

Grundr. I 2 S. 119. Münchn. Archiv H. 2, 1912 (mit Lit.); Schrö-

2 Abgedr.: ZfdA. 47,422-26. —Vielleicht eine der, Zwei ad. Rittermaeren 4 S. XIII; Nie-Feensage? Eine Fee verlockt den Helden in wöhner, Der Sperber, Pal. 119; Ders., ZfdA.ihr Reich? Über Hindenfeensagens.PscHMADT, 59, 305-7; Schröder, Deutsch-schwed. u.Die Sage von der verfolgten Hinde, 1911, schwedisch-deutsche Kulturbeziehungen inS. 32. 73 ff. alter u. neuer Zeit, Universitätsbund Göttin-

3 Abgedr.: Mone, Anz. f. Kde. d. dt. Vorz. 4, gen, Mitteil. Jahrg. 3, H. 2, 1922. — Die neue-314-21; Pfeiffer, Freie Forschung S. 55-82; ste krit. Ausg. des schwedischen Gedichtes:Piper, Höf. Ep. 1, 355-63; Meyer-Benfey Erik Noreen, Uppsala 1927.

S. 132-39. —Abh.: Pfeiffer aaO.; Johannes