Bruchstücke 97
2. Die zwei Bruchstücke, die von dem Helden Edolanz 1 handeln (380 V.,hölzerne Sprache), haben Ähnlichkeit mit Segremors:
Edolanz befreit eine Königin und den Ritter Gawan aus der Gewalt eines Riesen; ein Zwergwarnt ihn davor, in den Zauberwald zu reiten. — Er hilft in einer Schlacht eine belagerte Stadtzu befreien und besiegt einen Ritter, angesichts des Artushofes, im Kampf um den Sperberpreis.
Form: Segremors und Edolanz haben Dreireime an den Schlüssen der Ab-schnitte (vgl. Wigalois, Krone).
3. Die Bruchstücke Blanschandin 2 (3 Bl., 384 V.) gehören zu einemAbenteuerroman, der ebenfalls wie Segremors ein bekanntes französisches Ge-dicht zur Vorlage hat, nämlich Blancandin et l'Orgueilleuse d'amour.
Ein Königssohn, den sein Vater von der Ritterschaft abzuhalten sucht, erfragt darüber Aus-kunft von seinem Lehrer und zieht heimlich auf Abenteuer aus. — Er erschlägt im Kampfeeinen Ritter, der eine Jungfrau mißhandelt. —■ Beginn einer Abenteuerepisode: ein Ritter,den er an einem Flußübergang trifft, warnt ihn, hinüberzureiten.
4. Auch das Bruchstück Abor und das Meerweib 3 (136 V., thüringischoder ostfränkisch, um 1300) ist eine Episode aus einem Abenteuerroman:Abor, von einem schweren Kampf ermattet, schläft an einer Quelle ein. EinMeerweib, das sich oft in diesem Jungbrunnen badet, findet ihn und pflegtihn auf ihrer Burg gesund. Sie minnen sich, und sie gibt ihm ein Kraut, durchdas er die Sprache der Tiere versteht, sowie ein unverwundbar machendesHemd. Er muß scheiden, da ihr Gatte, der in einem fremden Lande abwesendwar, zurückkehrt. — Es ist anzunehmen, daß das Kraut und das Gewand fürdie Weiterentwicklung der Erzählung, in der Abor sinen gesellen und ouchdie künegin (116 f.) erlöste, zur Geltung kamen.
5. Schwierig ist es, aus den 272 Versen der erhaltenen Pergamentreste denCharakter des höfischen Epos (rheinfränkisch, letztes Viertel des 13. Jahr-hunderts Manuel und Amande 4 zu erschließen. Die Reste bilden dasfreudige Ende einer gefährdeten Liebesgeschichte.
Der junge Manuel und Amande sind im Zwiegespräch begriffen, und er gibt die Absicht kund,sich an einem Gegner zu rächen. Sie verloben sich und es erfolgt die Hochzeit am Artushofe.Manuel führt sie, die Spanierin, darauf in seine Heimat Griechenland. Der Schluß ist der Artus-sage entnommen: Er schildert Artus' Tod und seine Wiederkehr 5 sowie die Klage der Ginover.
1 Bruchst. abgedr.: Ad. Bll. 2, 148-52; Sehr. 7,169-73; Meyer-Benfey S. 180-83.—Schönbach, ZfdA. 25, 271-87; Abdruck bei- Piper, Spielmannsdicht. 2, 300; Bartsch,der Bruchst.: Meyer-Benfey S. 145-50. — Germ. 5, 105-8; Amelung u. Jänicke, Deut-Piper, Höf. Ep. 3, 84; Borchling, j. Titurel sches Heldenbuch 4, 1873, S. XLII; Zenker,S. 37. 41 f. 46. 70; Beyer, Segremorsfragm. Ivainstud. S. 72 ff. 83; Schneider, Wolfd.S. 119; Stelle: Strauch, Beitr. 53, 464. — S. 30 f. 68. 323; bes.: Schröder, Gott. Nachr.Franz. Quelle anzunehmen: Singer, Wolfr. 1925, 161-65.
StilS. 125. — E.Hartl, Stammler, Verfasser- 4 Abgedr.: Osw. Zingerle, ZfdA. 26, 297
lex. 1, 503 f. -307; Meyer-Benfey S. 151-54. — Beyer,
2 Abgedr.: Jos. Haupt, Germ. 14, 68-74; Segremorsfragm. S. 120f. (mit Lit.); Schrö-Meyer-Benfey S. 155-57. — Piper, Höf. Ep. der, Gott. Nachr. 1925, 166-68; Singer, D.3, 84; Jan van Dam, Stammlers Verfasserlex. Artussage, 1926, S. 16. — Franz. Quelle: Grö-1, 243^16. — Heimat Ostfranken: Rosen- ber, Grundr. d. franz. Litt. S. 520; Singer,hagen, Untersuch, üb. Daniel S.44; Ehris- Wolfr. Stil S. 125, dagegen Schröder aaO.mann, Beitr. 22, 336. B Es ist eine Erweiterung des Themas, mit
3 Abgedr.: J. Grimm, ZfdA. 5, 6-10, u. Kl. dem Hartmann seinen Iwein einleitet.
7 Deutsche Literaturgeschichte IV