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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
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96 Die erzählende Dichtung

Bis dahin, V. 1254, bildet die Quelle der Anticlaudianus des Alanus deInsulis (von Lille, gest. 1203), eine Enzyklopädie des damaligen Wissens inpoetischer Form, Kosmologie und Theologie, umfassend. — Mit Vers 1485 istdie Idee von der Schaffung des neuen Menschen und der Anticlaudianus alsVorlage endgültig aufgegeben, und nun folgt der Dichter für den Rest desI. Buches und für das II. Und III. Buch anderen Schriften, nämlich der Le-genda aurea des Jacobus a Voragine, der Vita Mariae rhythmica u. a. 1

Nur in einer der drei Handschriften von Gottes Zukunft folgt auf das letzte,fünfzehnte Zeichen des jüngsten Gerichts (auf V. 6167) ein Streit zwischenSeele und Leib, worin die Seele den Leib beschuldigt, das Seelenheil ver-scherzt und dagegen die ewige Verdammnis verursacht zu haben. 2 Dies isteine freie Übertragung der lateinischen Visio Philiberti (Fulberti). 2 Die592 Verse bilden ein in sich abgeschlossenes Gedicht mit Einleitung und Schluß,das als Gleichnis (V. 3 und 585) bezeichnet wird. Doch ist nicht zu entscheiden,ob der Dichter diese Parabel als Bestandteil von „Gottes Zukunft" verfaßt hatoder als ein selbständiges Werk, welches er in „Gottes Zukunft" einfügte. 3

Eine Anzahl von Abenteuerromanen, meist aus der zweiten Hälfte des13. Jahrhunderts, sind uns nur in Bruchstücken überliefert. Sie gehen in demalten Geleise, neue Formen bieten sie nicht.

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f) BRUCHSTÜCKE

1. Segremors, 4 ein bekannter Ritter der Tafelrunde (s.bes.Parz. VI,285,1 -290,5. V111 ,421,20 f. IX , 460,9-11), ist der Held eines in drei Bruchstückenerhaltenen Gedichtes (433 Verse, hessisch, erste Hälfte des 13. Jahrhunderts).

Er zieht nach der Beratung mit einem befreundeten Zwerge aus, um nach dem verschwunde-nen Gawein zu forschen; es folgt ein rührender Abschied von der Geliebten, die ihn aber schließ-lich doch begleitet. — Eine Fee auf einer maienschönen Insel verlangt von jedem Ritter, derihre Minne begehrt, daß er mit ihrem vorher begünstigten Verehrer auf Leben und Tod kämpfe.— Segremors gibt sich Gawein im Zweikampf zu erkennen.

Die Quelle des deutschen Gedichtes ist, sehr frei behandelt, der französi-sche Roman Meraugis de Portlesguez von Raoul de Houdenc.

1 Marta Marti, „Gottes Zukunft" v. H. v. Germ. 3, 405 ff.; niederrhein., 14. Jh., abge-N., Quellenforschungen, 1911, dazu Helm, Lbl. druckt Germ. 3, 400 ff.; eine thüring. u. eine1913,'363f., Gebhardt, Arch. 130, 391 f. — Nürnbergsche (14., 15. Jh.), abgedruckt in,näch niuwer hant 1 nennt der Dichter Gottes Karajans Frühlingsgabe; eine in BartschsZukunft 61.4992 (8119): Alanus hat dem Buch Erlösung S.311 abgedruckte (Ende 15.Jh.);den Titel Anticlaudianus gegeben 48, nach niederdeutsch: Seelmann, Nd. Jahrb. 5,niuwer hant nach einer neuen, anderen Art, Jahrg. 1879, 21^15 (736 V.). — Siehe auch Deauf neue Weise, heißt es jetzt Gottes Zukunft. quodam moriente von Andreas KurzmannNiuwe hant bezieht sich also wohl nur auf den (15. Jh.), Schönbach, Wiener SB. 88, 1878,Titel: Alanus hat das Buch ,Anticlaudianus' 868 f. (SA. S. 64 f.); s. bes. Kleinert aaO.;genannt, ich will es G. Z. nennen (vgl. Renner Willoughby, Von dem jungesten Tag (siehe2065 f., Ausgabe des Lit.-Ver.); doch s. auch unten).

die Erklärungen von Steinmeyer, Anz.l,19f., 3 Lit. s. LG. II, 2, 1 S. 153.

u. Seemüller aaO. S. 17. 4 Abgedr.: Meyer-Benfey S. 166-180. —

2 Siehe LG. II, 2,153. Es sind mehrere deut- Abh.: Paul Gerh. Beyer, Die mhd. Segre-sche Versionen überliefert: obd. aus d. 2. morsfragmente, Marb. Diss. 1909, dazu Helm,Hälfte des 13. Jh.s (Basler Hs.), abgedruckt Lbl. 1913, 6 f.