94 Die erzählende Dichtung
antiken Romans in späteren Zeiten, 1895, dazu E. H. Meyer, Anz. 23, 197 f., Golther, ZfdPh.29, 574 f.; Singer, Festg. für Heinzel, 1898, 427; Ders., Anz. 24, 372 f.; Ders., Wiedergeburtdes Epos, in: Sprache u. Dicht. H. 2, 1910, 51 f.; A. Bockhoff und S. Singer, H. v. N. Apoll.v.Tyrland u. s. Quellen, 1911, dazu Helm, Lbl. 1913, 362 f.; Singer, Aufs. u. Vortr. 1912S. 79-103; Ders., ZfdPh. 52, 81 f.; Elimar Klebs, Die Erzählung v. Ap. aus Tyrland 1899, dazuSinger, Anglia, Beibl. 11, 233ff. u. Aufs. u. Vortr. S. 101-03; R.Peters, Die Gesch. desKönigs Ap. v. Tyrus, 1907; Franz Garin, De historia Ap. Tyrii, Mnemosyne NS. 42,1914, 198-212. — Jos. Seemüller, Gesch. der Stadt Wien Bd. III 1. Hälfte, 1903, S. 9-18; Burdach,SB. d. Preuß. Ak. 1918, 1016 u. Vorspiel I, 1, 279 f., Vorspiel I, 1, 101-158 (bes. S. 135. 154.158); Sparnaay, Verschmelz. S. 134; Schneider, Wolfd. S. 273. 315 Anm.; Günther Müllerin Walzels Handb. S. 19f.; Bolte-Polivka 3, 110f. — Pudmensky, Shakespeares Periklesu. d. Apoll, d. Heinr. v. Neust., Progr. Detmold 1884; A. H. Smyth, Shakespeares Pericles andAp. of Tyre 1898, dazu Singer, Anglia Beibl. 10, 98 ff. u. Aufs. u. Vortr. S. 79-101; Lichten-berg, Architekturdarstell. S. 69-73. 91 f. — Stellen: J. Grimm, Ad. Wälder 1, 72-76 (Rosen-lachen); Jellinek u. Kraus, ZföG. 44, 1893 (Widersprüche); Arendt, Der Riese S. 8f.; R. W.Pettengil, Zu den Rätseln im Ap. des H. v. N., Journ. of Engl, and Germ. Philol. 12, 248-51.— LG. II, 1, 339 f. — 4 Hss., Singers Ausg., Einl.; Günther Müller aaO. (Illustration derGoth. Hs.).
Heinrich von Neustadt (= Wiener Neustadt) war Arzt in Wien (ur-kundlich belegt 1312). Am Schluß bucht er die Geschichte der Entstehungseines Werkes 20590-644; er nennt auch seinen Namen und Beruf: MeisterHeinrich von der Niuiven stat, ein Arzt von den buochen (ähnlich in GottesZukunft 8093). In Wien, wo er am Graben wohnt, hat er das ursprünglichlateinische Buch verdeutscht, der Pfarrer Herr Niklas von Stadlauw (urkund-lich belegt bis 1318) hat es ihm gegeben, in einer Chronik in Rom hat manes geschrieben gefunden. „Meister" Heinrich nennt sich der Dichter, in seinerEigenschaft als gelehrten Arzt, 1 doch war er auch in lateinischer und deut-scher Literatur belesen.
Inhalt: Der König Antiochus lebt mit seiner Tochter in unreiner Buhlschaft. Die sich mel-denden Freier sollen ein Rätsel lösen. Dem Apollonius, dem Sohne des Königs von Tyrus, ge-lingt die Lösung, aber er flieht vor dem Zorn des Wüterichs aufs Meer hinaus. Er erringt weiter-hin die Hand der Königstochter Lucina inPentapolis; fährt mit ihr in seine Heimat und sie gebiertunterwegs eine Tochter. Für tot gehalten wird sie in einer Truhe ins Meer versenkt; in Ephesusan Land getrieben, wird sie Begine im Tempel der Diana. Das Kind gibt Apollonius einem Bürgervon Tarsus zur Pflege. Nun folgt eine Menge von Abenteuern, Kämpfen, Turnieren und Wunder-geschichten von Ungetümen und Drachen. Schließlich findet Apollonius Frau und Tochterwieder, wird Christ und Kaiser von Rom (20644 Verse).
Die Komposition des Inhalts zeigt deutlich zwei Stoffquellen: a) 1-2903.Die Geschichte des Apollonius von Tyrus, welche den Grundbestand bildet:Trennung und Wiedervereinigung von Familiengliedern (vgl. Die gute Frau,Wilhelm von Wenden, weiterhin Floire und Blanscheflur), also eine Versiondes spätgriechischen Liebes- und Seefahrtsromans, eingeleitet durch die Blut-schande des Vaters (vgl. Mai und Beaflor). — b) 2904-16778: Die Abenteuer-masse des Mittelstücks.
a) Der ursprüngliche Apolloniusroman ist die lateinische Historia Apol-lonii regis Tyrii, vielleicht aus dem 3. Jahrhundert n. Chr., die aber ihrer-
1 Schwietering, Demutsformel S. 59.