Johanns von Würzburg, Wilhelm von Österreich — Heinrich von Neustadt 93
Trennung der Liebenden, ihr Briefwechsel, die Abenteuer Wühelms,-die Wer-bungen fremder Fürsten um Aglye u. a. Manches erinnert an Rudolfs von EmsWillehalm. 1 Als unerreichbare Meister preist er Wolfram und Gotfrid. 1 Er istein echter Epigone, gehört dem bürgerlichen Kulturkreise an und hat keininneres Verhältnis mehr zu jener vornehmen Lebensart der hochhöfischenZeit. Doch ragt er unter den Spätlingen hervor durch künstlerische Bewußt-heit und bringt einen Gehalt in eine auserwählte Form. Er faßt seine dichte-rische Welt unter einem ethischen Gesichtspunkt, doch unter starker Beto-nung der Weltfreude auf (13722 ff. 13792 ff.). Er hat die beiden Ritterideale,Minne und Heldentum, als leitende Gedanken seiner Dichtung hingestellt.Seiner hohen Auffassung von der Kunst entspricht auch die durchgehendereligiöse Voraussetzung menschlichen Geschehens. Im Sinne seiner Zeit bringter auch gern seine Gelehrsamkeit an, und besonders ausgebildet ist sein histo-rischer Sinn, das Begreifen der Vorgänge als geschichtliche Wirklichkeit. 2 Erist ein Meister der Form, und zwar jenes übertriebenen Stils der geblümtenRede (blüemen 15352.420, florieren 3597.16717, bes. 1451-57), wendet diesenaber meistens an inhaltlich geeigneten Stellen an. 3
Die Liebesgeschichte von Wilhelm und Aglye war in der Ausführung, dieihr Johann von Würzburg gab, ganz nach dem Geschmack der folgenden Ge-nerationen. Dafür zeugt das Wandgemälde in Runkelstein (s. oben Rudolfvon Ems, Pleier), dafür der Prosaroman, in den das Gedicht im 15. Jahrhun-dert aufgelöst wurde (handschriftlich und gedruckt). 4
Heinrich von Neustadt
Er hat einen monumentalen Ausdruck der Geistesrichtung um die Wendedes 13. und 14. Jahrhunderts gegeben in seinem weltlichen Roman Apol-lonias von Tyrland und der religiösen Heilsgeschichte Von Gottes Zu-kunft und der daran sich anschließenden Visio Philiberti.
Lit.: Piper, Höf. Ep. 3, 374-405; s. LG. II, 1, 339 Anm. — Ausg.: alle drei Werke hgb. vonS. Singer, Dt. Texte des MA.s Bd. 7, 1906, dazu Bernt, Anz. 32,39^7; früher, bloßer Auszug:Jos. Strobl, H. v. N. Apoll. Von Gottes Zukunft, im Auszuge hgb. 1875, dazu Steinmeyer,Anz. 1, 15-23. — Abh. (zum Apollonius): Grässe, Die großen Sagenkreise, 1842, 456-60;C. Schröder, Griseldis. Apoll, v. Tyrus, in Mitt. der dt. Gesellsch. in Leipzig 5 Bde., 1872;E. H. Meyer, ZfdA. 37, 321 ff.; Singer, Ap. v. Tyrus, Untersuchungen über das Fortleben des
1 Pfeiffer, Germ. 12, 478 f.; Roethe, SB. Mordhorst, Egen v. Bamberg, 1911, S. 136aaO.; s. auch Roethe, D. Dichter des Parz., -38. — Reime: v. Kraus, ZfdA. 56, 59;Rede 1924 S. 14; Martin Strobl, ZfdPh. 11, Göhrke S. 71-111.
230-32. — Über die Herkunft der einzelnen 4 Häntzschel, D. Volksbuch Wilh. v. Ost.,
Motive s. Mayser aaO. S. 31 ff. Jen. Diss. (ungedruckt) 1921, Ausz. im Jahrb.
2 Geschichtliches Interesse: die Aufzählung d. Philos. Fakult. d. Jen. Univers. 1921; Vet-der Kreuzfahrer 16531-17208, dazu Röhricht, ter, Germ. 27, 412 f.; Druck s. auch Götze,ZfdPh. 7, 168-74; Konr. Schünemann, Un- Frühmhd. Leseb. 2 S. 15; Göhrke S. 65-68. —garische Hilfsvölker in d. Lit. d. dt. MA.s, Entlehnungen im Friedr. v. Schwaben: Jel-Ungar. Jahrb. 4, 1924, 99-115; Schneider, linek, ZfdA. 57, 133 ff. Beziehungen zumReallex. 2, 134 f.; Mayser S. 83 ff. Schüler v. Paris: Rosenfeld, Novellenstud.
3 Seine Kunsttheorie nach d. Vorgang von S. 368.Konrad v. Würzburg: Vietor, Beitr. 46, 97 f.;