92 Die erzählende Dichtung
lieh. 1 — Wie ein Ritter von Staufenberg geht neben dem Märchenzauber derchristlich fromme Glaube her, und die Menschen stellen ihr Schicksal in einne-rer Einkehr zum Gebet der Gnade Gottes anheim.
Den Beschluß der höfischen Epik mögen die zwei namhaftesten Dichterunter den Spätlingen bilden, deren Werk weder wie die der ersten Gruppean geschichtliche Persönlichkeiten angelehnt sind noch im Märchen wurzeln.
Johanns von Wiirzburg, Wilhelm von Österreich
Lit.: Ernst Regel, Dt. Texte des MA.s Bd. 3, 1906, dazu Panzer, ZfdPh. 43, 476-79. —Abh.: Docen, Aretins Beitr. Bd. 9, 1807, 120 ff.; Uhland, Schriften 1, 504; Karl Regel,Z. d. Ver. f. Thür. Gesch. Bd. 7; Roethe, SB. d. Preuß. Ak. 1905, 18. Mai; Eckart Frenzel,Stud. zur Persönlichkeit J.s v. W. 1930, dazu Ehrismann, DLz. 1930, Heiligendorff, ZfdPh.57. 85-88; Eugen Mayser, Stud. z. Dicht. J.s v. W. 1931, dazu Heiligendorff aaO.; Schnei-der, Wolfd. S. 32. 207; Ders., Reallex. 2, 135. — 8 Hss. 6 Bruchst., Regel S.VIII-XXI, 279-88; Fr. Göhrke, Die Überlieferung von J.s v. W „Wilh. v. Oesterreich" nebst einer Reim-grammatik, Berl. Diss. 1912.
Inhalt (19585 V.): Herzog Liupolt von Oesterreich macht eine Wallfahrt zum heiligenJohannes nach Ephesus, um durch ihn einen Erben von Gott zu erhalten. Der ebenfalls kinder-lose Heidenkönig Agrant von Zyzya in Kleinasien, bei dem er landet, schließt sich ihm an. DieBitte hat Erfolg: dem Liupolt wird ein Sohn, Wilhelm, dem Agrant am gleichen Tage eine Toch-ter, Aglye, geboren. Wilhelm wird später in Traumbildern von Liebe zu Aglye ergriffen undzieht aus, um sie heimlich zu suchen. Er wird vom Agrant freundlich aufgenommen, dann aber,wegen des allzu innigen Zusammenseins mit Aglye, von dieser getrennt. Nun beginnen diewechselvollen Schicksale Wilhelms in der Heidenschaft (V. 1815). Durch alle Hindernisse hin-durch zieht sich die treue Liebe der durch das Minnewunder Vereinten. Nach vielen Abenteuernfindet Wilhelm Aglye wieder (18233), sie werden vermählt und leben in vollem Glück. Aufeiner Jagd wird Wilhelm getötet, Aglye stirbt über seiner Leiche.
Johannes von Würzburg nennt sich mehrfach als Verfasser, dazu auchseinen Stand als Schreiber 13228. 13692. 13727. 15103. 19561. 2 Als Ost-franken erweisen ihn auch die Mundartformen. 3 Als Schreiber von Beruf warer ein schulgebildeter Mann, und er macht auch reichlich Gebrauch von seinerGelehrsamkeit. Ob er Stadtschreiber in Eßlingen war, ist nicht sicher be-glaubigt. 4 Im Jahr 1314 hat er sein Buch vollendet. 5 Er stand in Beziehungenzu württembergischen Adelsgeschlechtern und preist besonders den Grafenvon Hohenberg und Heigerloch, s. V. 13232^18.16644-61 (Albrecht, f 1298). 6Aber den Herzögen Friedrich und Leopold von Österreich gibt er sein Gedichtzu Ehren 18630 ff. 19572 f. 7
Er hat in Epigonenweise den Stoff selbst erfunden 8 und aus bekanntenMotiven zusammengesetzt wie: Kinderliebe (darin mit Floire verwandt),
1 Karg, GRM. 11, 1923, 334 f. — Stil: 6 Zacher, ZfdA. 1, 227; Stählin, Wirtem-Brinkmann, Wesen u. Form S. 131. berg. Gesch. 3, 133.
2 Frenzel S. 19-40. « Stähler 2, 399 ff. 3, 72. 669; s. unten
3 Göhrke aaO.; Zwierzina, ZfdA. 63, 6. Minnesinger.
14 ff. 7 Die den Österreich. Herzögen in diesen Zei-
1 Man hat dies geschlossen aus der Erwäh- len dargebrachte Huldigung hängt wohl damit
nung des Bürgers Diepreht ze Ezzelingen zusammen, daß das Gedicht von einem ihrer
13249-80. Regel, Ausg. S. 291. — Urkundl. sagenhaften Vorfahren erzählt,
ein Dieperhtus civis in Ezzelingen 1280, Fren- 8 Quelle: Herzog, Germ. 29, 186 f.; anders
zel S. 19. Frenzel S. 7-15; dagegen Mayser S. 94 ff.