Friedrich von Schwaben 91
Lit.: Piper, Höf. Ep. 3, 85. — Ausg.: M. H. Jellinek, Dt. Texte d. MA.s Bd. 1, 1904, dazuPanzer, ZfdPh. 39, 511 ff., Ehrismann, Anz. 31, 17 ff., Behaghel, Lbl. 1907, 54 ff., Cbl. 1905,936 f., Piquet, Rev. germ. 1,1907,352 f. — Abh.: Uhland, Schriften 1, 481-93; L. Voss, Über-lieferung u. Verfassersch. des mhd. Ritterromans Fr. v. Schw., Münst. Diss. 1895, dazu Helm,Lbl. 1897, 45 f.; Günther Müller, Walzeis Handb. 1927, S. 20-26; Mitzka, Stammlers Ver-fasserlex. 1, 696 f. — 6 Hss., Jellinek S. XI-XX; Voss aaO.; Wegener, Bilderhss. in derHeidelb. Univ.-Bibl. S. 83 ff.
Der Grundstock des mannigfaltigen Romangebildes besteht in der Liebesgeschichte desFriedrich von Schwaben (Wieland) und der Angelburg (V. 1-1547 u. 4389-4892) I, 1-1574.Der Held, der jüngste von drei Söhnen des verstorbenen Herzogs Heinrich von Schwaben,gelangt, von einem Hirsch gelockt, im Walde zu einer menschenleeren Burg. In einem Saalfindet er einen gedeckten Tisch vor, nach der Mahlzeit legt er sich in ein wonnigliches Bett. Daerscheint eine Jungfrau, die Königstochter Angelburg, und klagt ihm ihr Schicksal: ihre Stief-mutter hat sie mit zweien ihrer Jungfrauen in den Wald gebannt, wo sie tagsüber als Hirscheherumlaufen müssen, des Nachts aber dürfen sie in der Burg als menschliche Wesen leben. EinFürstensohn kann sie erlösen unter der Bedingung, daß er in einem Jahr dreißig Nächte bei ihrweilt, ohne ihr Gesicht zu sehen; übertritt er dieses Gebot, so verwandeln sich die drei Jungfrauenin Tauben und fliegen zum klaren Brunnen, um darin in Jungfrauengestalt zu baden; ihre Ge-wänder bleiben währenddessen daneben liegen. Kommt nun der Fürstensohn und nimmt dieKleider weg, dann muß Angelburg ihm die Ehe versprechen. Alles vollzieht sich nach dieserVoraussage. Den Abschluß bildet der Einzug der beiden in Angelburgs Erbland. 1 II. Zwischen-stück V. 1575-4388: Die Fahrt des Helden, der hier nach der alten Sage Wieland genannt ist,nach dem liechtesten brunnen, wird geschildert; es folgen Abenteuer, die nichts mit dem Haupt-stück I zu tun haben.
Mit der Heimkehr in Angelburgs Land hatte die Fabel ihren organischen Abschluß gefunden.— III. Aber es folgen noch über 3000 Verse, 4893-8068 (Schluß), worin die Geschichte der bösenStiefmutter (sie wird verbannt) und die der Zwergkönigin zu Ende geführt wird. Angelburgstirbt nach neun Jahren und Friedrich gelobt ihr, Jerome, die von ihm ein Töchterchen hat, zurFrau zu nehmen.
Diese unglaublich geschmacklose Nachgeschichte findet ihre Erklärung inder Entstehung des Gedichtes. So wie es uns überliefert ist, ist es das Werkeines Uberarbeiters, der die Zwischenabenteuer und wohl überhaupt dengrößten Teil der Nachgeschichte zufügte; außerdem sind viele Stellen, lite-rarische Auszüge aus Wolframs und Ulrichs von dem Türlin Willehalm, ausFloire und Rudolfs von Ems Willehalm interpoliert. Aber schon der ursprüng-liche Dichter gehörte einer künstlerisch gesunkenen Zeit an (H.Jahrhun-dert) und zehrte bei dem Mangel an eigener Erfindungsgabe und in seinerdarstellerischen Armut von der Dichtung des 13. Jahrhunderts. 2 Die Sprachein Reime zu bringen fällt ihm schwer, die Ausdrucksweise ist unbehilf-
1 Die Stoffquellen dieser Wieland-Angel- 98. 125; Jellinek, ZfdA. 57, 135 f.; Bolte-
burg-Sage lassen sich deutlich ausschälen: den PoLfvKA 2, 346 ff. 3, 416. — In dem Teil der
Grundbestand bildet die Schwanenfrau- oder Schwanenfrausage ist alte (schwäbische) Volks-
Wielandsage mit dem Eingang der Kindersage erzählung erhalten von Wieland u. Angelburg
und das Amor-Psyche-Märchen, das in mittel- (der Name Wieland stammt aus d. german.
alterlicher Ausführung als Partonopiertypus Ursage, wie sie in der Edda im Bilde von Vö-
erscheint. Diese beiden Hauptteile sind ver- lund [= Wieland] erhalten ist); dazu kommen
bunden durch Tierverwandlungssagen. Sage: literarische Beziehungen zur Graelentsage.
H. Woite, Märchenmotive in Fr. v. Schw., 2 Zahlreiche Entlehnungen bei Voss u. in den
Kiel. Diss. 1910; C. Pschmadt, Die Quellen d. Anmerkungen von Jellineks Ausgabe u. in
Fr. v. Schw., ZfdA. 53, 309-28; Ders., D. Sage ZfdA. 57,133-35; Sommer, Flore S. XII Anm.v. d. verfolgten Hinde 1911 S. 65 ff. 81. 88 f.