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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
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90 Die erzählende Dichtung

Wilmanns, GgA. 1895, 408 ff.), 2., 3., 4. Aufl. 1913. 1920. 1929 mit gekürzter Einleitung. —Abh.: Schröder, 1. Ausg. 1895; Bartsch, ADB. 5, 611. — 1 Hs. (Straßburg, verbrannt), einumfangreiches Bruchst. (England): Priebsch, Beitr. 46, 8-19. 26-43. 338, ein alter Druck inmehreren Straßburger Ausgaben (früheste 1483); Erneuerung des alten Druckes durch Joh.Fischart 1588; Schröder I S. XXXI-XXXVI; K. Schorbach, Jüngerer Druck des Rittersv. Staufenberg, ZfdA. 40, 123-25; A. Knauer, Fischarts u. Bernhard Schmidts Anteil an derDichtung „Peter v. Staufenberg" 1588, Prager dt. Stud. 31, 1924.

Der Ritter Petermann Diemringer von Staufenberg trifft auf einem Ritt zur Messe eineschöne Frau mutterseelenallein auf einem Steine sitzend. Sie will ihm angehören und immer zuihm kommen, sobald er sie herbeiwünscht, unter der Bedingung, daß er kein eheliches Weibnehme, sonst müsse er am dritten Tage sterben. Als er sich schließlich doch mit einer Verwandtendes Königs verlobt, erscheint beim Hochzeitsfeste an der Decke des Saales ein Menschenfuß,und am dritten Tage danach ist der Ritter tot.

Es ist dies eine Geschlechtssage der adeligen Familie, die auf der BurgStaufenberg in der Ortenau (Mortenouwe 53. 968) im mittleren Baden an-sässig war. Einer der Angehörigen des Geschlechtes, Egenolf 1 (Egenolt V. 1178,des Reimes wegen), hat um 1310 die Staufenberger Tradition, die wir alsMelusinensage 2 kennen, in Verse gebracht (1178V.). Er war dabei stark be-einflußt von Konrad von Würzburg. 3 Konrads zeitweiliger Aufenthalt Straß-burg bildete bis in die jüngste Zeit der geistige und wirtschaftliche Mittelpunktauch für das gegenüberliegende rechtsrheinische Gebiet. So sind die Bezie-hungen der Staufenberger zu Straßburg in kulturellen Verhältnissen bedingt.

Der Dichter hat an seine Erzählung eine Lehre geknüpft (V. 1165-78), diein der folgenden ritterlichen Moralformel zusammengefaßt wird: nach welt-lichen eren streben und doch die Seele bewahren. Der Ritter von Staufenberglebt als ein Muster aller Tugenden ehrenhaft und fromm. Die fromme Tendenztritt in der sittlichen Haltung des Gedichtes außergewöhnlich stark hervor.Aber es ist dem Dichter nicht gelungen, den religiösen Zweck mit der ur-sprünglichen Feensage einheitlich zu verbinden. Die Geliebte, die schließlichzum leibhaften Teufel erklärt wird, wird zu fromm idealisiert, sie fordert denBetrogenen geradezu auf, für seine Seele zu sorgen (V. 996 ff.). Das Motivvom Teufelsbündler liefert Züge zu dem Gedichte, und der religiöse An-schauung ist unterbaut von einem massiven Teufelsglauben, wobei das ge-heimnisvoll Dämonische der Sage verloren geht.

Friedrich von Schwaben

Auch hier wird der Stoff aus dem Märchenbereich entnommen, aber alsErlebnis einer historischen Persönlichkeit ausgegeben und in die Genealogieeines vornehmen Hauses einbezogen.

1 Person des Dichters: Schröder, Ritter- Roman. Jahresbericht 1903-06, II, 324. —mseren 4 S. XXXVI II-XLVII; Al. Schulte, Aug. Schnezler, Bad. Sagenbuch (o. J.) 2,Zs. f. Gesch. d. Oberrheins 48, 2, 329-38; C. -32-34.

Wesle, Egenolf v. St., Stammlers Verfasser- 3 Schröder S. IXL f. Parallelen: Jänicke

lex. 1,507-11. aaO.; Paul Jaeckel, Eg. v. St., ein Nach-

2 Zur Sage: Schröder S. XLVIII f.; Feen- ahmer Konrads v. Würzburg, Marb. Diss.sagen: Panzer, Merlin aaO.; Ehrismann, Anz. 1898; Schneider, Wolfdietr. S. 106; Karg,30, 95 f.; Bolte-Polivka 2, 328 f., s. Hilka, GRM. 1923, 335.