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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
Entstehung
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Gauriel von Muntabel — Peter von Staufenberg 89

Lit.: Piper, Hof. Ep. 2, 388-97. — Ausg.: Ferd. Khull, 1885, dazu Steinmeyer, Anz. 12,261-65, Strobl, DLz. 1886, 369. — Abh.: L. Fränkel, ADB. 36, 316 f.; Panzer, Merlin u.Seifr. v. Ardemont usw. S. LXXXVI-LXXXIX; E. v. Roszko, Progr. Lemberg 1903, dazuEhrismann, Anz. 30, 87-97; K. Deck, Unters, über G. v. M., Straßb. Diss. 1912. — 2 Hss. u.1 Brachst., Steinmeyer aaO., Roszko S. 4-11, Deck S. 1-22. Der in den Hss. überlieferte Textenthält Interpolationen.

Vom Verfasser ist nicht einmal der Name gesichert, denn die Angabe amSchluß der einen Hs.: von Stoffel maister Cuonrat hat daj buochgetickt (KhullS. 158) rührt nicht vom Dichter her. Immerhin mag er dem auf Hohenstoffelnim Hegau, nordlich des Bodensees, ansässigen freien Geschlechte dieses Na-mens angehört haben. 1 Er hat keine fremde Vorlage gehabt, sondern sein Ge-dicht aus bekannten Motiven aus seiner Lektüre zsammengetragen, besondersaus Hartmann (Iwein), auch aus dem Lanzelet, dem Wigalois und dem Pleier. 2Schon die Bezeichnung des Helden als „Ritter mit dem Bocke" ist Hart-manns „Ritter mit dem Löwen" nachgeahmt: Der Held hat auf seinen Fahr-ten einen Bock zum Begleiter.

Dem Roman (4172 V. ohne die zahlreichen Interpolationen der Hand-schriften) liegt eine klare Disposition zugrunde.

Gauriel besitzt die Liebe einer Königin, die war eine gotinne. Er verliert ihre Huld, weil erdas Geheimnis ihrer Minne verraten und einer anderen Dame gegenüber mit ihrer Schönheitgeprahlt hat. Er verfällt in Siechtum und wird häßlich entstellt, doch gewinnt er ihre Gunst da-durch wieder, daß er alle ihre Bedingungen erfüllt: Er besiegt die drei besten Helden der Tafel-runde, besteht schwierige Abenteuer und dringt in das Land Fluratrone.

Der Kern der Erzählung, die Liebe des Ritters und der Fee sowie seine Ver-stoßung infolge des gebrochenen Schweigegebots, hat seinen Ursprung in derSage von Lanval, 3 welche in einem Lai der Marie de France (LG. II, 2, 135)behandelt ist. Die Quelle des Stoffes bildet also ein Feenmärchen; eine Feeverlockt einen Menschen in ihr Reich, das Land der Glückseligkeit.

Der Gang der Erzählung schreitet ohne störende Abschweifungen undlange Beschreibungen ungehemmt vorwärts. Die Verskunst ist nicht un-geschickt. 4

Peter von Staufenberg

Auch dies ist die Umdichtung eines Feenmärchens.

Ausg.: Chr. M. Engelhardt 1823; 0. Jänicke in: Ad. Stud. von 0. Jänicke, E. Stein-meyer u. W. Wilmanns 1871; maßgebend: Edw. Schröder, Zwei ad. Rittermaeren 1894 (dazu

1 Verf.: Lassberg, L. S. II S. LXI-LXV; LXXXVI-LXXXIX (die gestörte Mahrten-

Stählin, Wirtemberg. Gesch. 2, 768 f.; Jeit- ehe); Ehrismann S. 89 f.; Prettyman, Pet.

teles, Germ. S. 386 f.; Roszko S. 49-53; v. St. u. Marie de France, Mod. Lang. Notes21,

Ehrismann S. 96 f.; Schwietering, Demuts- 205-8; Bolte-Polivka 2,328. —Siehe LG. II,

formel S. 58 f. 2, 134, und in diesem Bande unter Lanzelet u.

8 V. Sennig, D. Gauriel — Dichter als Nach- Wigalois.

ahmer Hartmanns v. Aue, Progr. Triest 1909, 4 Erzählungsweise: Roszko S. 72-75. Metrik:

auch in d. Festschr. d. 50 Philol.-Vers., dar- Ders. S. 15-37; Deck S. 85-95. Stil: Roszko

gebracht v. dt. Mittelschulen; Heinzel, Kl. S.38^9; Deck S. 77-84. Kunstbegriff: Vie-

Schr. S. 95; Roszko S. 60-72; Ehrismann Tor, Beitr. 46, 97. Sprachliches: Zwierzina,

aaO.; Deck S. 56-76. Anz. 26 Reg. S. 354. 27 Reg. S. 350.

3 Märchenkern: Panzer, Merlin usw. S.