Reinfrid von Braunschweig 87
Anerkennung ihrer Ritterlichkeit, welche durch ihren Minnedienst, die Amur-schaft, noch besonders verfeinert erscheint.
Reinfrid von Braunschweig
Auf sagenhafter Grundlage beruht dieser höfische Abenteuerroman.
Lit.: Piper, Höf. Ep. 3, 344-74; Koberstein l 6 , 188 A. 16-18. — Ausg.: Bartsch, LitVer.109, 1871; früherer Auszug: Gödeke, Arch. d. hist. Ver. f. Niedersachsen 1849, 172-281 u. SA.1851. — Abh.: Jänicke, Zur Kritik des R. v. Br., ZfdA. 17, 505-18; K. Eichhorn, Reinfried-studien I. II, Progr. Meiningen 1892; Paul Gereke, Stud. zu R. v. Br., Beitr. 23, 358-483. —Baechtold, LG. S. 134-38 u. Anm. S.39f.; Singer, LitGesch. der dt. Schweiz S.21. 48;Ders., Die Schweiz im dt. Geistesleben S. 77. 184. — Textkrit. Stellen: Jänicke aaO.; Leitz-mann, Beitr. 47, 142-52. — 1 Hs.: Bartsch S. 804 ff.; Schröder, ZfdA. 64, 316.
In dem Helden und seinen Schicksalen lebt Heinrich der Löwe von Braun-schweig fort samt der auf ihn übertragenen Sage, 1 welche sich auf der Ge-schichte von dem treuen Löwen (bekannt aus dem Iwein [LG. II, 2, 180])und der weitverbreiteten Heimkehrsage (LG. II, 1, 298) aufbaut. Das histo-rische Ereignis, an das die „Braunschweigsage" anknüpft, ist die KreuzfahrtHeinrichs des Löwen im Jahre 1172. 2 Wie diese Sage dem Verfasser desReinfrid bekannt wurde, geht aus dem Gedicht nicht hervor, er mag seinenStoff aus einem verlorenen Gedicht geschöpft haben, dessen Held Heinrichder Löwe war und das er zu einem ritterlichen Liebes- und Abenteuerromanausarbeitete. Jedenfalls hat er das ihm Überkommene durch eigene Zutatenbedeutend erweitert (sein Werk umfaßt, ohne vollendet zu sein, 27627 Verse).
Der Inhalt zerfällt in zwei Teile: I. V. 65—etwa 14759: Der junge Herzog von Braunschweigerringt durch einen Zweikampf die Königstochter von Dänemark. Dann unternimmt er im Traum,von der Gottesmutter dazu aufgefordert, eine Fahrt übers Meer gegen die Heiden. II. V. etwa14760-Schluß: die Braunschweigsage. Vor der Abreise zerbricht der Fürst einen Ring und gibtdie eine Hälfte seiner Gemahlin mit dem Bedeuten, wenn er aus der Fremde die andere Hälfteschickt, so sei dies ein Wahrzeichen seines Todes. Dann folgen nach der Abreise (15132) dieKämpfe gegen die Heiden und die Fahrt zu den wunderbaren Geschöpfen des Morgenlandes,Greifen, Riesen, Pygmäen, Einfüßler, Hundsköpfe usw. (aus dem Herzog Ernst). Endlich sehntsich der Held nach seiner Frau zurück (27147) Inmitten des Berichts von den Abenteuern derRückfahrt bricht das Gedicht ab. Es fehlt die Löwengeschichte und ein der Heimkehrsage ent-sprechender Abschluß.
Der Dichter nennt seinen Namen in dem erhaltenen Text nicht, seinenDialekt nach war er ein Schweizer aus der Bodenseegegend und lebte wohl inbürgerlichen Verhältnissen (V. 2864-69. 12820-27). Den Reinfrid dichtete ernoch in jüngeren Jahren (V. 2869), um 1300, jedenfalls nach 1291, denn ererwähnt die Eroberung von Akkon (im Jahre 1291, V. 17980). Er war ein
1 Sage: Br. Grimm, Ad. Wälder 2, 89-95. der, Wolfd. S. 32. 229. 274 f.; Ders., Reallex.
185-87; Uhland, Schriften 4,286 ff. 8, 397-99. 2, 136; Naumann, Höf. Kultur 1929 S. 60. —
419 ff.; Bartsch, Herzog Ernst S. CVII- Bolte-Poli'vka 3, 412. 522; Arendt, Der
CXXXIX; Walter Seehaussen, Michel Wys- Riese S. lOf. 89f. — Lit. s. LG. II, 1, 298
senherres Ged. ,Von dem edeln hern von Bru- Anm. 7. II, 2, 56 Anm. 5; s. unten Heinr. v.
neczwigk'... u. die Sage von Heinr. d. Löwen, Morungen (Moringersage).
Germ. Abh. 43, 1913, 116-41, bes. S. 34 ff.; 2 Die in dem Gedichte durchblickenden ge-
Jänicke, Dt. Heldenbuch IV S. XLIV; P. schichtl.Bestandteile sind gering; s. Paul Zim-
Hagen, Der Gral, QF. 85,1900,17ff.; Schnei- MERMANN,Germ.31,151-63; Seehaussen aaO.