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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
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86 Die erzählende Dichtung

Hofe, vielleicht Hofkaplan war. Im Jahre 1301 hat er sein Werk, das einzigehöfische Epos in Schlesien, zu Ende gebracht. Vorher hatte er sich auch amböhmischen Hofe in Prag bei Wenzel II. aufgehalten (Lobrede auf die böhmi-schen Könige 5411-5576); da wird er mit Ulrich von Eschenbach zusammen-getroffen sein, durch welchen sein Gedicht stark beeinflußt ist. Zu Hause warer im Troppauer Lande (5564. 5706) }

Das Gedicht (8176 V.) gibt zunächst eine gedrängte Geschichte des heiligen Landes vonder Königswahl Gottfrieds von Bouillon (Gotfrit v. Lutringen) an bis zur Eroberung Jerusalemsdurch Saladin, worauf dann der Hauptteil (515), der Kampf um Akkon (Akers), einsetzt. Dakommt der Landgraf Ludwig an (613), später auch Kaiser Friedrich (3559). Die Christen belagerndie Stadt, müssen sich aber zugleich auch gegen den zum Ersatz gekommenen Saladin verteidigen.Unter den Helden, die in langen Reihen aufgezählt werden, zeichnet sich besonders der Land-graf Ludwig aus. Er befreit den Kaiser von dem ihn schwer bedrängenden Sultan (7300 ff.),wird durch einen Wurf aus der belagerten Stadt verwundet und stirbt an dieser Verletzung(8087). Seine Gebeine und sein Herz werden in die thüringische Heimat gebracht.

Die Grundlage der Erzählung, die Belagerung Akkos 1189 und der Toddes Landgrafen Ludwig 1190, ist historisch, 2 aber die Geschichtskenntnis desVerfassers ist gering, und kritiklos bringt er viele Irrtümer und Verwechs-lungen herein. So wird der Landgraf Ludwig III. der Fromme (1272-90) mitLudwig IV. dem Heiligen (1217-27), der Kreuzzug von 1189/90 mit dem von1227/28 zusammengeworfen, Barbarossa, der in Kleinasien ertrank und Sy-rien gar nicht erreichte, soll an der Belagerung Akkos teilgenommen haben.Die Überlieferung, aus der der Dichter schöpfte, war ungenügend. Bis V. 565hat er lateinische Quellen benutzt, dann aber baut er seine Erzählung aufBerichten von Gewährsmännern, deren er eine Reihe aufzählt, auf oder erläßt überhaupt seine eigene Phantasie spielen.

Die höfische Gesellschaft, für die das Gedicht bestimmt war, muß rechtanspruchslos gewesen sein, denn der Verfasser ist völlig ungewandt im sprach-lichen Ausdruck. Über die Gesetze des Satzbaus setzt er sich gern hinweg,wenn er nur einen Reim zustande bringt, und dazu boten sich ihm am ein-fachsten die leicht zu bindenden Formen der Pronomina wie mich, dich, sich,in, sie, die u. dgl. Er hat keinen Stil; seine Schreibweise ist entweder Wortroh-stoff, oder sie besteht aus, besonders von Wolfram, von Ulrich von Eschen-bach, dem jüngeren Titurel und von Herzog Ernst D, 3 entlehnten Wortenund Wendungen. Seine höfischen Bestrebungen kommen auch in der Sprachezur Geltung, indem er seine schlesische Mundart zugunsten des Gemeinmittel-hochdeutschen zurücktreten läßt. Eines hat er mit Erfolg aus WolframsWillehalm und Ulrichs beiden Epen gelernt: dem Religionskriege ein tiefesEthos zu verleihen, und zwar durch die Toleranz gegen die Heiden 4 und die

1 Naumann S. 191-99 (wo auch die frühere S. 351. 27 Reg. S. 347. — Metrik: NaumannLit.); u. ZfdPh. 49, 78-82. S. 190-93; Kinzel S.417 f.; Jantzen S.47-53.

2 Lit.: Naumann S. 182 f. 4 Naumann S. 199 u. Festschr. Ehrismann

3 Stil: Naumann S. 190-93 und in den Anm.; S. 94 ff. — Er preist Wolframs sü^e rede 955Jantzen S. 17-46. — Mundart: Naumann u. zitiert eine Stelle des Willeh. 1796 ff.

S. 183-90. 195; Zwierzina, Anz. 26 Reg.