Alexander und Antiloie — Landgraf Ludwigs Kreuzfahrt 85
Alexander und Antiloie
Lit.: Piper, Höf. Ep. 3, 85. — Abgedruckt: Haupt, Ad. Bl. 1, 250-66; ein kleines Bruchst.von Pfeiffer, ZfdA. 5, 424-26; Abdr. der Fassung in Ulrichs v. Eschenbach Alexandreis:Zingerle, Germ. 18, 220-33. — Abh.: Scherer, ZfdA. 15, 149; W. Hertz, Ges. Abh. 1905S. 95; Toischer, Über Alexandreis (s. oben) S.82f.; Schneider, Wolfdietr. S. 272. — Hss.:Zingerle S. 220-22.
Alexander begegnet auf einem Ausritt dem Zwergkönig Antiloie. Dieser rät ihm, andereHofbeamte zu nehmen an Stelle seiner jetzigen ungetreuen Ratgeber. Alexander läßt zu Pfing-sten ein Fest abhalten, bei diesem versetzt der Zwerg, ohne gesehen zu werden, einem nach demandern jener Elenden eine Tracht Prügel und leistet dem großen König, indem er ihn seineUmgebung kennen lehrt, einen guten Dienst.
Eine Zwergsage ist hier lehrhaft verwendet; das kleine Gedicht (mittel-deutsch, 516 V.) gibt selbst seinen Zweck, eine Warnung vor dem ränke-vollen Hofgesinde zu sein, im Prolog an. Dieses Thema war ein beliebter Ge-meinplatz der Spruchdichtung und der Unverzagte 1 (um 1270/80) beruft sichgeradezu auf Anteloye. So mag der spielmännische Schwank in die Jahre1260-70 gehören.
Das Motiv des Gedichtes von Antiloie ist später in das Kostüm der Artus-dichtung gekleidet worden: aus Antiloie ist der Zwergkönig Antelan 2 ge-worden, der Parzefal und zwei andere Artusritter niedersticht. Statt derHöflinge Alexanders sind also jetzt die gefeierten Helden des Artushofes dieGeprellten. Die „Abenteure" vom König Antelan ist in einer Sammlungvon Heldengedichten des 15. Jahrhunderts im Hildebrandston (33 Strophen)erhalten, eine ursprünglichere Form mag aber an das Ende des 13. Jahrhun-derts oder in das 14. Jahrhundert hinaufreichen.
Landgraf Ludwigs Kreuzfahrt
Ausg.: Hans Naumann, Mon. Germ, hist., Dt. Chroniken des MA.s IV. Bd. 2. Abt., 1923(bes. wertvolle Einleitung, mit Lit. [S. 180 ff.]), dazu Schröder, Anz. 43, 130-33 u. ZfdA. 63,222 f., Baesecke, DLz. 1924, 902 f., König, Hist. Jahrb. 44, 144. — Abh. (die wichtigsten):Kinzel, D. Ged. von des Landgrafen Ludwigs Kreuzfahrt nach Sprache und Kompos., ZfdPh.8, 379-419; Röhricht, Hist. Erläuterungen, ebda S.419-46; H. Jantzen, Unters, über dieKreuzfahrt Ludw. d. Fr., ZfdPh. 36, 1-57; nach Naumanns Ausg. erschienen: Schneider,Kreuzzugslit., Reallex. 2, 134 f. — Stellen: Littmann, ZfdA. 63, 217-19; Hübner, ebda 219-22;Schröder, ebda 222 f. — 1 Hs., Naumann S. 179f.; Jantzen S. 2-4; Friedr. Repp, Zur Kreuzf.V. 544 ff., Anz. 51, 155 f.
Ein wenig jüngerer Zeitgenosse Ulrichs von Eschenbach verarbeitete einenmittelalterlichen historischen Stoff mit ritterlich-höfischer Färbung zu einerGeschichtsdichtung: Die Kreuzfahrt des Landgrafen Ludwigs desFrommen von Thüringen. Der Verfasser nennt seinen Namen nicht, aberaus einigen Andeutungen ergibt sich, daß er für den Herzog Bolko I. vonSchweidnitz-Jauer (V. 5573, dazu V. 4 ff.) dichtete und wahrscheinlich Geist-licher (verschiedene Bemerkungen über priesterliche Befugnisse) an dessen
Ulr. v. Eschenbach, Pal. 164, 1929, dazu f. Gesch. d. Deutschen in Böhmen, Jahrg. 65,
Maurer, Lbl. 1930, 426 ff. — Die Lit. über 1928, Heft 3/4. — Siehe LG. II, 2, 52 f.
die vielumstrittene Verfasserfrage s. daselbst x MSH. III S. 44 Str. 4.
S. 1-3. Siehe auch Fr. Repp, Mitteil. d. Ver. 2 Scherer, ZfdA. 15, 140-49.