Ulrich von Eschenbach 83
Die Alexandreis (etwa 30000 V.) ist Wenzel II. gewidmet (V. 27730 ff.)und wurde etwa 1287 vollendet, aber schon zu Lebzeiten Ottokars (f 1278)waren größere Teile geschrieben, und eigentlich wurde das Gedicht zu EhrenOttokars unternommen; in der Gestalt des großen Helden aus dem Altertumwird der große Böhmenkönig verherrlicht. Die Anregung zur Behandlungdes Stoffes hat Ulrich von dem Erzbischof Friedrich II. von Salzburg erhal-ten. Als Quelle gibt er selbst die (glossierte) Alexandreis des Gualtherus deCastellion (LG. II, 1, 247) an, so in der Einleitung 155 ff., am Schluß 27597ff.und öfters im Verlauf des Gedichtes (Meister Walther, (meister) Gualtherus) ;dazu benutzte er auch die Historia de preliis („historia"). Das Werk ist inzehn Bücher geteilt, deren jedes in sich durch eine einleitende, meist (außerB.V) religiöse Betrachtung und (außer B.VIII) die Abschlußworte abge-grenzt wird. Ein XL Buch, eine Allegorie über Alchymie und Nekromanzie,ist nachträglich angefügt und nur lose mit der Gestalt Alexanders verbunden.
Die rein historische Erzählung des Gualtherus hat Ulrich durch ritterlicheund Minneszenen, Beschreibungen von Festen und Rüstungen, durch Aus-staffierung mit abenteuerlichen Phantasiegebilden wie Drachen und Meer-frauen (Zwerg Antiloie, s. unter Rudolf von Ems) in einen Ritterroman um-stilisiert. Er will aber nicht bloß unterhalten, sondern anspornen und auchreligiös erbauen, und in den Heroismus des antiken Romans wird so, demmittelalterlich-christlichen Empfinden entsprechend, eine gefühlsweiche Stim-mung hineingetragen.
Literarisch ist er besonders von Wolfram abhängig, den er oft nennt undaus dessen Parzival und Willehalm er Szenen und Muster für Personen ent-nommen hat. Auch Ulrichs von dem Türlin Willehalm hat er stark benutztund kannte Hartmann, Wirnt, Reinmar von Zweter und Winsbeke*
In Stil und Versbau ist Ulrich ein gründlicher Nachahmer Wolframs,ohne in übertreibende Manier zu verfallen. Metrik und Reimbindung sindglatt ohne Uberkünstelung. 2
Wilhelm von Wenden
Ausg.: W. Toischer, 1876, dazu Martin, Anz. 3, 107-18, Kinzel, ZfdPh. 8, 349-52, Stein-meyer, Jenaer LitZtg. 1876, 752. — Abh.: E. Jahnke, Studien z. Wilh. v. W., Gott. Diss.1903; J. Loserth, Die geschichtl. Momente in d. Ged. U.s v. Eschenb.; Wilh. v. Wenden,Mitt. d. Ver. f. Gesch. d. Deutschen in Böhmen 21, 1883; Sparnaay, Verschmelzung legendär.
1 Parallelen: Toischer, Ausg. S. 351 ff.; Progr. Prag 1888, dazu Weinhold, ZfdPh. 21,Jahnke (s. unt.) S. 33 ff. 65 ff.; Paul S. 161 254, Behaghel, Lbl. 1890, 136; Bernt, Heinr.-63; Wilhelm, Beitr. 34, 193 f. — Bernt, v. Freiberg, Reg. S. 272; Zwierzina, Anz. 26Heinr. v. Freiberg, Reg. S. 272; in Reinbots Reg. S. 348. 27 Reg. S.343. — Das mittel-Georg s. unt.; in Ulrichs v. d. Türlin Willeh. s. deutsch Mundartliche der böhmischen Hei-Singer, Ausg. S. LVII-LIX; ein Schüler von mat Ulrichs tritt deutlich zutage. — Stil imParis: Rosenfeld, Novellenstud. S. 196 f.— Alex.: Brinkmann,- Wesen u. Form S. 96.Einige Episoden aus Ulrichs Alex, sind im 138 f.; im Wilh. v. Wenden: Kinzel, ZfdPh.8,tschechischen Alexanderlied aufgenommen: 351 f.; Jahnke II, ebdaMetrik S. 66 f.; Herm.K. W. Titz, U. v. E. u. d. Alex, boemicalis, Meier, Zum Reimgebrauch im Herz. Ernst DProgr. Prag 1881, dazu Steinmeyer, Anz. 7, u. bei Ulr. v. Esch., Marburg. Diss. 1930, dazu334 f., Behaghel, Lbl. 1881, 263. Rosenfeld, Anz. 49, 126-29, Maurer, Lbl.
2 Toischer, Üb. d. Sprache U.s v. Esch., 1930, 426-31.
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