Druckschrift 
Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
Entstehung
Seite
82
Einzelbild herunterladen
 

82 Die erzählende Dichtung

ständigen Gedichte entnommen ist: Lohengrin landet mit dem Schwanenschiff in Antorf (Ant-werpen), ein dortiger Bürger nimmt ihn freundlich auf, und ein vornehmer Ritter, Waldemer,erzählt ihm von Etzels Zug an den Rhein, nach Köln, wohin ihn ein mächtiger Graf aus Rachegegen die Kölner gerufen habe. Eine große Hunnenschlacht findet statt, wobei die 11000 Jung-frauen erschlagen werden. Darauf folgt eine Lücke von drei Blättern in der Hs. III. Str. 112-207(Schluß): die Geschichte Lohengrins, bzw. hier Lorengels, die im Teil I begonnen war, wird zuEnde geführt in einer von dem Roman Lohengrin unabhängigen Fassung.

Den Lohengrinroman hat Ulrich Füetrer umgearbeitet und seinem Buchder Abenteuer einverleibt. 1

e) AUSKLANG DES HÖFISCHEN EPOS IM SPÄTEREN 13. JAHR-HUNDERT UND ANFANG DES 14. JAHRHUNDERTS

Schlössen sich die Fortsetzer und Nachahmer Wolframs und Gotfrids un-mittelbar an die großen Vorbilder an, so gingen zeitlich Epigonen nebenher,die sich verschiedenartigen Stoffgebieten zuwandten. 2

Der gesteigerte historische Sinn legte es nahe, die Taten geschichtlicherPersönlichkeiten vorzuführen.

Ulrich von Eschenbach

Ulrich von Eschenbach ist geboren in Böhmen und lebte am Hofe desKönigs Wenzel II. (regierte 1278-1305); für den böhmischen Hof verfaßte erzwei Werke, den Alexanderroman und den Wilhelm von Wenden. Mitdem großen Wolfram stand er in keinen Familienbeziehungen; im Wilhelmvon Wenden 2655 f. spricht er über seine dürftigen Vermögensverhältnisse.Er besaß Lateinbildung und zitiert, freilich nur um zu paradieren, lateinischeAutoren.

Alexandreis

Lit.: Piper, Höf. Ep. 3,40-55. — Ausg.: Wendelin Toischer, Alexander von Ulr.v.Eschen-bach, LitVer. 183, 1888. — Abh.: Toischer, Über die Alexandreis Ulrichs v. Eschenbach,Wiener SB. 97, 1881, 311 ff., dazu Strauch, Lbl. 1881, 278-80, Osw. Zingerle, Anz. 7,334 f.; Hans Paul, Ulr. v. Eschenbach und seine Alexandreis, Berl. Diss. 1914, dazu Golther,Lbl. 1916, 293 f. — Einzelnes und Stellen: Jellinek, Beitr. 15,432-35; Jellinek und Kraus,ZföG. 44, 691 u. ö.; Strauch, Enikel S. 276 Anm. 343; H.-Fr. Rosenfeld, Herzog Ernst u.Ulr. v. Eschenbach, Pal. 164, 1929, dazu Steinger, Teuthonista 8, 1932, H. 1 2; RosenfeldNeophilol. 12, 173-86; Ders., Zum Alexander-Anhang Ulr. v. Eschenbach, ZfdA. 68, 275-83;Ders., Der Kreuzfahrerdichter und Ulr. v. Eschenbachs Anhang zum Alexander, ZfdPh. 56,395^110; F. Repp, Der Anhang zu Alexander des Ulr. v. Eschenbach, ZfdA. 68, 33-66; Herm.Meier, Zum Reimgebrauch im Herz. Ernst Du. bei Ulr. v. Eschenbach, Marb. Diss. 1930, dazuMaurer, Lbl. 1930, 426-31; Arendt, Der Riese S. 5 ff.; Elisabeth Grammel. Stud. über denWandel des Alexanderbildes in der dt. Dicht, des 13. Jh.s, Frankf. Diss. 1931, 88-111; UlrichJohannsen, Die alttschechische Alexandreis im Verhältnis zum Gualtherus, Münch. Diss. 1932;Lichtenberg, Architekturdarstellung S. 52-56. 108. — 15 Hss. u. Bruchst.: Toischer, Ausg.;Piper S. 40-42; Toischer, Wilh. v. Wenden S. XII.

1 Panzer, Lohengrinstud. S. 11; Ders., Mer- in Deutschland vom 13. zum 14. Jh., GRM.lin u. Seifrid de Ardemont S. CHI ff. 11, 1923, 321-36.

2 Fritz Karg, Die Wandlungen des höf. Epos