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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
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LOHENGRIN 81

Die Quelle 1 für die Lohengrinerzählung im Deutschen ist derselbe Ab-schnitt am Schluß von Wolframs Parzival (s. oben Konrads von WürzburgSchwanritter), auf dem die kurzen Andeutungen im Wartburgkrieg (Str. 83-88 = Loh. Str. 24-30) und das Lohengrinepos beruhen. Wolfram überhauptbildet das Vorbild und sprachliche Muster 2 wie für den Verfasser des Wart-burgkriegs II so auch für den Dichter des Lohengrinromans, und zwar derParzival für das Kernmotiv, die Lohengrin-Schwanritter-Sage; der Willehalmdagegen für die Erweiterungen, die Heidenkämpfe. Das Ganze ist gewisser-maßen eine Verbindung vom Parzivalschluß mit dem Willehalm. Auch derjüngere Titurel hat viel beigesteuert. Für längere historische Strecken desII. Teiles hat sich der bairische Verfasser an die Repgauische Chronik (diekoronic 2622. 7342. 7411. 7469) gehalten. 3 Aus dieser entnahm er die GestaltKaiser Heinrichs I. und dessen Ungarn- und Sarazenenkriege. 4 Der Grund-gedanke ist der Sieg des Christentums über das Heidentum, und in diesemZusammenhang geht eine historische Linie vom Rolandslied, das Karls desGroßen Sieg über die Heiden in Spanien und die Heldentaten Rolands be-singt, über Wolframs Willehalm, den Befreier Südfrankreichs von den Hei-den, zu dem Lohengrinepos, in dem die Heidensiege deutscher Kaiser mitLohengrin als Helden dargestellt werden. Daran schließen sich dann in dermittelhochdeutschen Literaturgeschichte die eigentlichen Kreuzzugsepen, de-ren Schauplatz der Orient ist, wie des Landgrafen Ludwigs Kreuzfahrt.

Nun ist der Lohengrinroman, so wie er vorliegt, nicht unmittelbar aus Wolf-rams Parzival und den betreffenden Strophen des Wartburgkriegs hervor-gegangen, sondern es ist, wie besonders eine Beiziehung des „Lorengel" zuerkennen gibt, eine alte Loherangrindichtung vorauszusetzen, die — im Wart-burgkrieg unvollständig überliefert — im Lohengrin bis 62, 2 reicht und mitdem Artuskreise verknüpft war.

Im 15. Jahrhundert wurde das alte Gedicht von Loherangrin wiederumbearbeitet, diesmal in meistersingerischem Stil, aber ebenfalls im SchwarzenTon, und durch nicht dazu gehörige Zutaten erweitert (207 Strophen sind er-halten). 5 Der Name des Helden ist hier abgewandelt in Lorengel.

Das Gedicht zerfällt in drei Teile: I. Str. 1-59,5 entspricht Str. 30-67 des Lohengrin mitstarken Abweichungen. II. Str. 59, 6-86 ist ein fremder Einschub, der vermutlich einem selb-

1 Quellen: Rückert S. 228-57; Elster aaO. 10, 111-19; O.Busch, Reimuntersuchungen(Beitr. u. Sievers-Festschr.);* Panzer, Lohen- z. Loh., Heidelb. Diss. 1922.

grinstud. S. 21-53; John Meier, Der Schluß- 3 Siehe ob. Anm. „Quellen". Die entsprechen-abschnitt des Loh. u. s. Quelle, Beitr. 18, den Stellen des Loh. sind abgedruckt bei402-06; Singer, Wolframs Stil S. 122; Spar- Massmann, Kaiserchron. 3, 191-215.naay aaO.; Golther, Gralb. S. 245-49. 4 Hierzubes.PANZER,Lohengrinstud.S.21-53;

2 Stil: Elster, Beitr. 10, 102-10; Joh. die Gründe, die den Dichter gerade für Heinr. ITraunwieser, D. mhd. Dichtg. Loh. „eine als Leiter der Ereignisse bestimmten, s. S. 52.Mosaik aus Wolfr. v. Esch.", Progr. Mährisch 6 Ausg.: Steinmeyer, ZfdA. 15, 181-244,Trübau 1885; Panzer, Lohengrinstud. S.34ff.; dazu 17, 389 (s. Piper, Höf. Ep. 3, 68 f.). —L. Textor, Untersuch, üb. d. Sprachgebrauch Abhandl.: Elster, Beitr. 10, 121-88 u. Fest-im Loh., Greifsw. Diss. 1911; Brinkmann, sehr. Sievers 1896, 252-76; Panzer, Lohen-Wesen u. Form S. 7. 145. — Metrik, Versbau grinstud. S. 12-20; Golther, Gralb. S.250f.—u. Reim: Rückert S. 263-73; Elster, Beitr. lHs.u. 1 Bruchst., Steinmeyer aaO. S. 231 ff.

6 Deutsche Literaturgeschichte IV