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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
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78 Die erzählende Dichtung

Weisheit des Glaubens. Auch Klinsor steht auf dem Boden des Christentums,aber auf einer tieferen Stufe. Der Gegensatz von Wissen und Glauben tritthier in die Erscheinung. Am Schluß der dunkeln Rätselweisheit siegt derGlaube über den Hochmutsteufel des Wissens, Wolfram über den Nasion. 1Nach dem Rätselstreit folgen noch fünfAnhänge verschiedenen Inhaltes.

III. Aurons Pfennig (Str. 115-31) ist eine gereimte Moralpredigt gegendie „falschen Pfaffen", welche die Gnadenmittel um Geldspenden (der pfäf-fen girikeit 117; Auron ist einer der vom Himmel vertriebenen Engel) 2 ver-schachern.

IV. An zwei Zeitgenossen sind die beiden Preisstrophen 132. 1 33 3 ge-richtet.

V. Die Totenfeier des Landgrafen von Thüringen und des Grafen vonHenneberg (Str. 134-50) 4 ist wie Teil I, der eigentliche Wartburgkrieg, einPreislied auf diese Fürsten. Gesungen wird es von den beiden Thüringer Dich-tern Biterolf und dem Schreiber.

VI. Zabulons Buch (Str. 151—73) 5 besteht in einem Wettgesang zwischenWolfram und Klinsor, in dem beide eine Fülle von antiker und morgenländi-scher Weisheit ausschütten. Hier ist Wolframs Charakter das Gegenteil vomWolfram des I.Teiles; aller Pfaffen Meister meint er zu sein (Str. 151) undprahlt mit seiner krausen Gelehrsamkeit. Wie Klinsor zeigt er sich als derTypus jener Klasse großsprecherischer Spruchdichter und Meistersinger,die auf ihr zusammengelesenes Wissen pochen. Der Verfasser dieses Stückeshat dennoch jedenfalls beabsichtigt, Wolfram als einen großen Mann, alseinen Meister unter den Singern darzustellen, aber in dieser Spätzeit faßteman eben die Kunst als ein Wissen auf.

VII. Sprechen äne meinen (Str. 174. 175), 6 etwas sagen, ohne es auchso zu meinen, ohne es zu glauben, ist wie ein Schlag für die Seele; das wirdan einer Fabel, die von einem Raben handelt, erwiesen und besonders an denPfaffen gerügt.

Aus dem Gedankenkreis der Spruchdichtung sind die Stücke des „Wart-burgkrieges" hervorgegangen. Das Fürstenlob (I) besingt weltliche Ehreund gehört, wie auch IV, in eine Kategorie mit den Gönnersprüchen; ihnenzunächst steht die Totenfeier (V); der Rätselstreit (II) hat Beziehung zu den

1 Klinsor wurde schon vom Ende des 13. Jh.s 478-80.

an für einen hervorragenden Sänger angesehen 4 Simrock S. 296-300; Wilmanns, ZfdA. 28,

und von den Meistersingern wurde er, wie 229 ff.; Oldenburg S. 31-36, dazu R. M.

Ofterdingen, als einer der zwölf Meister ver- Meyer aaO.; Schreiber aaO. S. 72-77. —

ehrt. Lit.: Simrock S. 278-81; Bartsch, Als Quelle für einige Strophen der Totenklage

Kolm. Hs. S. 158 f.; Roethe, Reinm., Reg. kommt das Gedicht vom König Tirol (s. unt.)

S. 637; Strack S. 46; Hertz, Parz. 2 1898 in Betracht (Oldenburg S. 36-51; s. auch

S. 538 f.; Martin, Wolfr. v. Eschenbach, Str. 161 u. Vogt, Salman u. Morolf S. 181.Rede, 1903, S. 6. 6 Simrock S. 300-05; Jantzen, Streitgedicht

2 Simrock S. 292-95; Strack S. 58-60; Ol- S.67f. —Die Sage vom Zauberer Zabulon auchdenburg S. 16-31, dazu R.M.Meyer, Anz. imReinfridv.Braunschweig: Simrock S.304f.21, 80. 6 Simrock S. 305-07.

3 Simrock S.295f.; Schröder, ZfdA. 54,