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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
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Albrecht von Scharfenberg Der Wartburgkrieg 75

Der Teufel naht sich in Gestalt eines schönen Jünglings einer Königstochter von Britannien,deren Eltern gestorben sind. Der Sohn aus dieser Verbindung ist Merlin, der sich von früherJugend an durch große Weisheit und geheime Kenntnisse auszeichnet. Eine Reihe von Probenseiner Klugheit werden erzählt, sowie Stücke aus der britischen Königsgeschichte (natürlichalles fabelhaft); schließlich werden Vorgeschichte und Einrichtung der Tafelrunde berichtetund wie Artus König wird.

Seifrid von Ardemont verläuft wie ein gewöhnlicher Abenteuerroman: I. Seifrids heim-licher Auszug aus dem Elternhause, Drachenkampf, Jungfrauenbefreiung usw.; die Abenteuerfinden ihren Abschluß in der Tafelrunde. IL Im Verlaufe der zweiten Abenteuerfahrt tritt alsLeitmotiv die Feenliebe im Typus dergestörten Mahrtenehe" auf: Seifrid bricht das Schweige-gebot, das ihm verwehrte, von der Schönheit seiner Geliebten zu reden; es folgen Verstoßungund Wiedergewinnung der Huld der Geliebten nach langen Abenteuern.

Für den Seifried hatte der Dichter keine französische Vorlage, vielmehr setzteer die Abenteuer aus seiner Kenntnis höfischer Epen zusammen (Erec, Iwein,Parzival, Wigalois, Krone); die Grundlage jedoch bildete er nach dem Liedvom hürnen Seifrid, aus dem er eine Reihe von planbauenden Zügen entlehnte.

Der Wartburgkrieg

Lit.: Simrock, Ausg. S. 241^3; Koberstein l 6 , 254 f.; Piper, Höf. Ep. 3, 56-66. Ausg.:Karl Simrock, Der Wartburgkrieg hgb., geordnet, übersetzt u. erläutert, 1858; früherer Abdr.:Aug. Zeune 1818, dazu Lachmann, Kl. Sehr. 1, 140-56; Ettmüller 1830. Eine kritische Aus-gabe der sehr verwickelten Überlieferung besteht noch nicht. Übers.: E. Hopfmann 1919. Abh. (die unter der bei Simrock, Koberstein, Piper verzeichneten Lit. hervorzuhebensind): J.Grimm, Über den ad. Meistergesang S. 77 ff.; Docen, Miscellan. 1, 1807, 113-57;Lachmann, Kl. Sehr. 1, 312-24; Wilmanns, ZfdA. 28, 206-27 u. Anz. 10, 326-31; ErnstElster, Lohengrin u. Wartburgkrieg, Beitr. 10, 189-94; Rud. Schneider, Der zweite Teil desWartburgkrieges und dessen Verhältnis zu Lohengrin, Leipz. Diss. 1875; Ad. Strack, ZurGesch. des Gedichtes vom W., Berl. Diss. 1883, dazu Wilmanns, Anz. 10, 326 ff.; Emil Olden-burg, Zum W., Rostocker Diss. 1892, dazu R.M.Meyer, Anz. 21, 75-81; nach Piper er-schienen: E.Bernhardt, Vom Tannhäuser und dem Sängerkrieg auf der Wartburg, Jahrb.d. Ak. zu Erfurt, NF. 26, 1901, 89-112; A. Freybe, Das Memento mori, 1909, 221 f.; P. S.Barto, Der Sitz von König Artus im Wartburgkriege und im Lohengrin, Journ. of Engl, andGerm. Phil. XV, Juli 1916. Hss.: Simrock S. 237-39. 318-22; Strack S. 1^16. Über-liefert ist der Wartburgkrieg in den Liederhss., und zwar in der großen Heidelberger (Manesse-schen) Liederhs., der Jenaer, der Kolmarer; außerdem vereinzelte Strophen: Simrock aaO.;ZfdA. 12,515 ff.; Germ. 18, 80 ff. Die Überlieferung ist verworren und zerstückt, die Strophen-folge oft verschieden.

An Wolfram schließen sich bezüglich des Inhalts und der geistigen Rich-tung noch zwei Dichtungen von unbekannten Verfassern an, der Wartburg-krieg und der Lohengrin. Was wir unter dem Namen Wartburgkrieg ver-stehen, ist eigentlich kein einheitliches Gedicht, sondern eine Zusammenfas-sung von mehreren, in der Form gleichen Dichtungen, welche aus zwei Teilenbesteht. Das Ganze gehört der Gattung nach nicht zur Epik, sondern zurSpruchdichtung, hat aber dadurch nahe Beziehung zu Wolfram, daß dieserselbst sowie eine der Personen seines Parzival, der Zauberer Klingsor, darinauftritt. Am nächsten verwandt ist dieses eigenartig zersplitterte Werk imersten Teil mit den Streitgedichten 1 der Spruchdichter.

1 Die GattungStreitgedicht" wurde ins dem afrz. jeu parti, mhd. übersetzt geteiltesMhd. übernommen aus der provenz. tenzone. spil. Über Streitgedicht, Rätselstreit s. LG.