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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
Entstehung
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74 Die erzählende Dichtung

Epigonen. Eben durch die Übertreibung des Nachahmers wird dieser Stil einAbbild des Formsinns einer von der großen Vergangenheit zehrenden Zeit;derZeitgeist" offenbart sich in dieser Dichtweise.

Auch in der Verskünstelei 1 gibt sich die Absicht des Nachahmers kund,den Meister zu übertreffen; sein Strophensystem ist durch Zäsurreime rei-cher ausgebildet, so daß die Jüngere-Titurel-Strophe sechs (klingend endende)Reimzeilen hat (a b a b c c [mit ungereimter Zäsur]). Die Aufgabe, so zahl-reiche klingende Reime zu bilden, beeinflußt natürlich die Wortwahl, wobeibesonders der übermäßige Gebrauch der Umschreibung eines Verbums finitumdurch das Participium Präsens viel zu der geschraubten Ausdrucksweise bei-trägt (z. B. swer den was sehende, (die) wären iehende Str. 2844).

Doch auch neue Ansätze tun sich kund. Im Gralmythus liegt schon keim-haft ein Mysterium verborgen, in Wolframs Parzival nur erst als Ahnungdämmernd (und gerade darum so sehnsuchtweckend), aber noch nicht vollgeoffenbart. Diese mystische Richtung ist in dem jüngeren Werke stärkerausgeprägt, und damit birgt es Beziehungen zu der Mystik des 14. Jahrhun-derts, welche in der Gestalt der lichtdurchwogten und farbenleuchtendenPracht des Graltempels in die Erscheinungswelt der Sinne tritt. DasErlebnis gotischer Form" (Schwietering aaO.) hat sich hier ein dichteri-sches Symbol geschaffen. Aus diesem irrationalen Ursprung heraus begriffen,erhält auch der verzackte, eigenwillige Stil eine gewisse historische Be-rechtigung. Aber dem Verfasser ist dies nicht als bewußtes Verdienst anzu-rechnen, denn er arbeitet nur mit den von Wolfram übernommenen techni-schen Kunstmitteln. Und so bleibt derschwere Schmuck" seines Stils blo-ßes Ornament, ohne zugleich wesendeutend oder umdeutend zu sein. Erwendet ihn gleicherweise auf das tiefsinnige Gralmysterium wie auf die geist-los sich immer wiederholenden Ritterabenteuer an.

Albrecht von Scharfenberg

Lit.: Piper, Höf. Ep. 2, 452-57. Ausg.: Fr. Panzer, Merlin und Seifrid de Ardemont vonAlbrecht von Scharfenberg in der Bearbeitung Ulrich Füetrers, LitVer. Nr. 227, 1902. Abh.:Panzer in der Einl. seiner Ausg.; Reinh. Spiller, s. oben unter j. Tit.; Ders., Stud. über UlrichFüetrer, ZfdA. 27, 262-94; Paul Hamburger, s. oben unter j.Tit.; Friedr. Probst, DieQuelle des Poitislier und Flordimar, Heidelb. Diss. 1921, S. 242-45; Jan van Dam, StammlersVerfasserlex. 1, 52-57; Heinr. Samson, Beitr. zum dt. Märchen im ausgehenden MA., Köln.Diss. 1931. BOLTE-PoLivKA 2, 328. 9, 412. Weitere Lit. s. unter jung. Titurel.

Von Albrecht von Scharfenberg sind zwei epische Dichtungen, undzwarin der Umarbeitung von Ulrich Füetrer in dessen in die Titurelstrophe ab-gefaßten Buch der Abenteuer erhalten: Merlin und Seifrid von Arde-mont; verfaßt um 1280, also nach dem Jüngern Titurel.

Die Geschichte des Zauberers Merlin ist eine freie Bearbeitung von Ro-berts von Boron Prosawerk: Merlin und Estoire (LG. II, 2, 248 f.):

1 Metrik: Saran, Dt. Verslehre, S. 295 f.; Heusler, Dt. Versgesch. S. 305 f.; BorchlingS. 111-19.