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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
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70 Die erzählende Dichtung

Johann von Michelsberg (urkundlich 1283 ff., f vor 1306), ein böhmischer Adeliger,reitet auf Abenteuer nach Paris, sticht dort preislich in der Tjoste zwei französische Ritter aufden Plan, empfängt von den Damen minniglichen Habedank und vom König reiche Belohnung.

Diese Turnierfahrt muß seinerzeit als historisches Ereignis gegolten haben,denn sie wird auch in der tschechischen Chronik des Dalimil und ihrer deut-schen Bearbeitung erwähnt, und zwar zum Jahr 1306. 1 Seinen Namen nenntder Verfasser am Schluß.

Ein drittes Gedicht, der Schwank Das Schretel und der Wasserbär,wurde Heinrich von Freiberg zugeschrieben, 2 ohne daß eine Gewähr durchNamensnennung gegeben ist (es ist anonym), wegen der Ähnlichkeit im Stil,in der glatten Verstechnik und in einigen Parallelen. Köstlich wird dasKo-boldmärchen" erzählt:

Ein Bärenführer kehrt bei einem Bauern ein; nachts erscheint ein Schretel (kleiner Hausgeist,ein Wichtlein), und es geht ein gewaltiges Kratzen und Balgen zwischen dem Bären und demkleinen Ding los. Am andern Tag begegnet es zerrissen und zerzerrt dem Bauern beim Pflügenund fragt, ob seine große Katze noch lebe. Auf die Antwort:Ja, und fünf Junge hat sie mirheut noch gebracht, lauf nur hin und sieh sie an", versichert es:Pfui, nein, ich komme nichtwieder!" 3

Der jüngere Titurel

Lit.: Piper, Höf.Ep. 2, 457-61; Panzer, Bibliographie zu Wolfr. S.24. 27 f. Ausg.:K.A.Hahn, 1842 (Heidelb. Hs. 383), dazu Pfeiffer, Germ. 4, 300 f.; Abdr. der Einl. (nachdem Druck 1477): Lachmann, Kl. Sehr. S. 497-512. Abh.: MSH. IV, 210; |P. Hamburger,ADB. 30, 583 ff.; Conr. Borchling, Der junge Tit. und sein Verhältnis zu Wolfr. v. Esch., 1897(Preisschrift); dazu Panzer, Lbl. 1898, 117-23; Golther, Parz. und der Gral (Gralbuch), 1925,231-45; Ders., Parz. in der dt. Lit., 1929, 37 f.; s. LG. II, 2, 287-95. Stellen: Zingerle,Germ. 7,101 ff.; Zarncke, ebda 10, 11-19; Singer, Prag. dt. Stud. 8, 308 f.; Schneider,Wolfd. S. 207. 300; Rosenfeld, Novellenstud. S. 357 ff.; Ders., Neuphilol. Mitteil. 31, 1930,90-92; Lichtenberg, Architekturdarst.44^6.63-65.106 f.; Jost Trier, Architekturphantasienusw., GRM. 17, 1928,11-24. Gegen 50 Hss. u. Bruchst., ein Druck von 1477, Piper S. 457-60;dazu kommen: Wiener SB. 148 Nr. II; Germ. 28, 253; Scheel, Festg. Weinhold S. 52 f.; ZfdA.41, 245^17; Münchn. SB. 1903 H.3; SB. d. Preuß. Ak. 1924 S. LXVII; Festschr. z. 250jähr.Jubil. d. Leipz. Stadtbibl. 1927, 42-48; Petzet und Glauning, Schrifttafeln III. Abt. Artder Überlieferung: Zarncke, Beitr. 7, 606-09.

An literaturgeschichtlicher Bedeutung durch seine Wirkung auf die letztenzwei Jahrhunderte des Mittelalters übertrifft der jüngere Titurel alle epi-schen Dichtungen der Nachblütezeit. Das Werk gibt in charakteristischerWeise die geistige Stimmung der Zeit wieder und kommt ihrem Geschmack

1 Person Joh.s v. Michelsberg: s. bes. ZfdA. 6, 174-86; v. d. Hagen, GSA. III, 259Bernt S. 188-90. 199 f.; Wallner, ZfdA. 63, -70; andere Ausg. s. Bechstein, Ausg. von190-94, hält jene Notiz im Dalimil für einen H.s Trist. S. XIX; Bernt S. 22; maßgebend:späteren Zusatz und verlegt das Gedicht in Bernt S. 249-58, dazu Reg. S.371. Über-das Jahr 1319. setzung: Osk. Henke, Drei ad. Schwanke,

2 Zuerst von Bechstein, Einl. zur Ausg. von 1888. Stellen: Sprenger, ZfdPh. 28, 429;Heinrichs v. Freiberg Tristan S. XIX; ebenso Wallner, Beitr. 32, 542 f.; Leitzmann, Beitr.J.M. Wiggers, H. v. Fr. als Verfasser des 44, 122. 7 Hss.: Bernt S. 20-22.Schwankes Vom Schrätel u. vom Wasserbären, 3 Lit. zu diesem weitverbreiteten Volksmär-Rostocker Diss. 1887, dazu Glöde, Lbl. 1889, chen: GSA. III S. LXXII-LXXIV; Bernt7; Bernt S. 161-64. Nicht von H. v. Fr.: S. 166 f.; Sprenger, ZfdPh. 28, 429; ArcherWallner, Leitzmann aaO.; C. v. Kraus, Taylor, Mod. Philol. 17,1921,305-24; Bolte,ZfdA. 48, 99-102. Ausg.: Wackernagel, Zs. d. Ver. f. Volkskde 33, 34, 1924, 33-38.