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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
Entstehung
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Der jüngere Titurel 71

entgegen. Die Absicht des Verfassers ist, durch die Fülle des Stoffes zu unter-halten, besonders aber, durch den Inhalt zu belehren. Dieser umspannt in un-geheuerem Ausmaß das Ritterleben mit seinen Heldentaten sowie das derGralshüter, gibt Wirklichkeit und tiefes Geheimnis, Weltwesen und Vergeisti-gung, besserVergeistlichung" und mündet endlich in ein geistliches Gral-reich ein. Dies alles in einer dunkeln, schwerverständlichen Sprache vorge-tragen, welche dem Stoffe die höhere Weihe des Geheimnisvollen, dem Wissendas Ahnungsvolle einer Geheimwissenschaft verleiht. Aber am meisten hatzum Ruhm des Gedichtes beigetragen, daß es als Schöpfung Wolframs vonEschenbach galt, wofür es auch der Verfasser selbst ausgibt. Die Masse derHandschriften bezeugt diese hohe Schätzung, Püterich hatdreißig Titurele"(Handschriften) gesehen, wie er in seinem Ehrenbrief behauptet. 1 Schon 1477erschien ein Druck, und aus dem Jahr 1491 ist das Vermächtnis eines vor-nehmen Grafen erhalten, der seinen Söhnen den Tyterel als göttlichste Lehrefür den Adel empfiehlt; 2 bis in neuere Zeit hat sich aus diesem im Sprichwortder AusdruckPriester Johans Land" erhalten. 3 Als durch die Romantik derSinn für das Mittelalter neu erweckt wurde, da feierte auch derjüngere Ti-turel" seine Wiedererstehung; man verstieg sich so weit, ihn immer als WerkWolframs in Parallele mit Dantes Göttlicher Komödie 4 zu setzen, so lange,bis die germanistische Wissenschaft diesen Nebel zerstreute.

Der Verfasser des Werkes gibt sich bis gegen Ende hin den Anschein, alsob er Wolfram wäre, und spricht von sich in erster Person als Wolfram. Erstvor Beginn des letzten Teiles nennt er seinen wirklichen Namen Albreht. 5Über die Person dieses Albrecht ist uns nichts bekannt. Der Sprache nachwar seine Heimat Baiern oder Österreich. 6 Die Zeit der Abfassung des Ge-dichtes ist etwa um 1270 anzusetzen, ungefähr fünfzig Jahre später als Wolf-rams Titurel. 7

1 ZfdA. 6, 58 Str. 142. V. 5883 gibt er sich gleichsam offiziell als Ver-

2 John Meier, Anz. 15, 217 f. Berthold fasser an und bezeichnet sich mit seinem wirk-v. Regensburg u. d. jung. Tit.: J. Grimm, Kl. liehen Namen: ich Albreht, und dann wirdSehr. 4, 339; W. Stölter, Verhältn. d. j. Tit. auch Wolfr. als ein anderer kenntlich gemachtzu Berth. v. Reg., Jen. Diss. 1920, Masch.- (5912 [6206 x ] und in der letzten Strophe desDr. Drucks). Stellen über den Verfassernamen:

3 Bartsch, Germ.23, 448. J.Grimm, Kl. Sehr. 1, 94-99; Lachmann,

4 Karl Rosenkranz, Üb. d. Titurel und Wolfr. S. XXIX-XXXIII; Borchling S.174Dantes Komödie 1829,, dazu Lachmann, Kl. ff. 182 f.; Wilhelm, Fabulist. Quellenangaben,Sehr. S. 351-57. Borchling S. 1 f. Beitr. 33, 334 f.

5 Meistens flicht er seine Person ein, indem er, 6 Sprache: Schmeller-Frommann 1, 1154.den Eingang vom 9. Buch des Parz. nach- 2,1015; Borchling S. 116 f.; Zwierzina, Anz.ahmend, ein Gespräch mit derÄventiure führt, 26 Reg. S. 345. 27 Reg. S. 340.

worin diese ihn Wolfram anredet (231. 252. ' Zeit: Lachmann, Wolfr. S. XXXII; Leitz-238 a ), odtr friunt von Blienvelden (579. 5028. mann, Beitr. 26, 155; Wilhelm, Münchn. Mus.5236) oder, echt verkünstelt, min friunt, ein 3, 226-28. Im Druck findet sich eine Preis-ram der wolfe (3545), oder friunt von Eschen- Strophe auf einen bairschen Herzog Loysbach (3962), vil edel ritter von Eschenbach (Ludwig), in dem man Ludwig den Strengen(5092). Auch außerhalb solcher Gespräche mit (1253-94) angenommen hat. Siehe San-Marte,derÄventiure redet er in erster Person (1951 a . Leben u. Dichten Wolframs v. Esch. 2, 1912816), und Strophe 18 ist so gehalten, als ob Str. 2 u. S. 283; Pfeiffer, Germ. 6, 246 f.er die Einleitung zum Parz. gedichtet hätte Anm.; Goedeke, Mittelalter S. 760.(doch 885 wieder Wolfr. als dritte Person). Erst