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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
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Heinrich von Freiberg 69

sung des rhythmischen Akzentes an die natürliche Betonung. Aber in derinneren Form verleugnet sich der Geist der neuen Zeit nicht, die poetischeIllusion, auf die Gotfrids Welt abgetönt ist, hat ihre Kraft verloren, und derBlick des Epigonen haftet an der Wirklichkeit; ja noch mehr, die Anschauungvom Sinn des Lebens ist eine andere geworden: Gotfrid hat seine Dichtungder werlt ze liebe vorgetragen, Heinrich von Freiberg aber schließt den Minne-roman mit einem Hinweis auf die Vergänglichkeit der weltlichen Minne undder Mahnung, jeder Christ solle sein Herz der wahren Minne, Christus, zu-wenden.

Der Dichter stammte aus Freiberg in Sachsen, 1 seine Sprache ist mittel-deutsch. Er war bürgerlicher Herkunft und dichtete in Böhmen, seinen Tri-stan, beendet um 1290, widmete er Reinmunt von Liuchtenburc (Lichtenburg:V. 53-84), einem böhmischen Adeligen (urkundlich 1278-1329). 2

Heinrich von Freiberg nennt sich auch der Verfasser zweier anderer Gedichte,einer Legende vom heiligen Kreuz und des Gedichtes von der Ritter-schaft des Johann von Michelsberg; aber es ist nicht sicher, ob dieserDichter mit dem Tristan fortsetzer identisch ist. Gegen die Einheit erhebensich berechtigte Bedenken; 3 inhaltlich und formal stehen diese beiden kleinenGedichte weit hinter der Kunst der Tristanfortsetzung zurück; auch in denReimen finden sich Abweichungen. Man hält sie deshalb, wenn man sie wirk-lich als Machwerke des Tristandichters Heinrich von Freiberg hinnimmt, fürJugendarbeiten.

Die Legende vom Kreuzesholz 4 hat eine ausgedehnte Literatur. DasHolz des heiligen Kreuzes stammt vom Apfelbaum des Paradieses; das Ge-dicht erzählt die Geschichte des Holzes von Adam bis zur Kreuzigung(882 V.). Der Verfasser hatte eine lateinische Vorlage (73-75) und nenntseinen Namen (92 f.).

Die Ritterfahrt (312 V.) 5 ist ein Turniergedicht, ähnlich wie Konradsvon Würzburg Turnei von Nantheiz.

1 Leben u. Heimat: Bech, Germ. 19,420-24; Cilli 1881, dazu Hruschka, Anz. 8, 302-8,Toischer, Mitteil. d. Ver. f. Gesch. d. Deut- Khull, ZföG. 33, 403 ff.; maßgebend: Berntsehen in Böhmen 15,1876, Nr. 2; Martin, Anz. S. 213-38, dazu Reg. S. 271. Stelle: Wall-3, 110; Bechstein, Ausg. S. XXII-XXIX; ner, Beitr. 32,539.Zur Sage: Piper, Geistl.Bernt S. 178-208. Dichtung II, 41 ff.; Wallner, Beitr.40, 146ff.

2 Pfeiffer, Germ. 2, 253 f.; Bechstein, 5 Ausg.: v. d. Hagens Germania II, 1837,Ausg. S. XXIV-XXVII; Bernt S. 81-126; 92-98; Ernst Kraus 1888 (in tschechischerZwierzina, Anz. 26 Reg. S. 348. 27 Reg. Sprache), dazu Toischer, Anz. 15, 291-98,S.344. Knieschek, Lbl. 1890, 137^0, Hruschka,

3 Abhandl.: W. Grimm, Kl. Sehr. 4, 146 (Rit- Lit.-Beil. zu Mitteil. d. Ver. f. Gesch. d. Deut-terfahrt); Ernst Kraus, Germ. 30, 1-18 (hl. sehen in Böhmen 28, 39; maßgebend: BerntKreuz auch vom Tristanfortsetzer, Ritterfahrt S. 239^8, dazu Reg. S. 271. Abhandl.:nicht); Wallner, ZföG. 58, 1907, 514 ff., Wallner, ZfdA. 63,190-94; Stellner, Beitr.Beitr. 32, 533. 40, 145 ff., ZfdA. 63, 177 ff.; 32, 539-42; Leitzmann, Beitr. 44, 122.Leitzmann, Beitr. 44, 122 ff.; Behaghel, Lbl. 1 Hs.: Bernt S. 20-22; Rosenhagen, Klei-1909, 230. nere mhd. Erzählungen, Dt. Texte d. MA.s 17

4 Ausg.: Pfeiffer, Ad. Übungsb., 1866, 126 S. XXI; Schröder, Kleinere Dichtungen K.s-35 (Abdr. d einzigen Hs.); A. Fietz, Ged. v. Würzburg I, 1924, S. XVII Anm.

vom heil. Kreuz von Heinr. v. Freib., Progr.