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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
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68 Die erzählende Dichtung

Sprache so eigenartiger Werke wagte. Die Erzählungsweise ist trocken undwird dem bewegten Inhalt nicht gerecht. Im Tristan steht die Ausdrucksweiseder Eilharts durch ihre Nüchternheit nahe und hat nichts von der FeinheitGotfrids. Von Wolfram hat er im Willehalm manches Äußerliche angenom-men, wie auch schon im Tristan zu erkennen ist. Im Willehalm hat er sich wohlauch zu größerer Freiheit gegenüber dem Stoff aufgeschwungen; in Rhyth-mus und Reim 1 hält er den Durchschnitt ein.

Nur in einem Bruchstück von etwa 60 Versen ist Ulrichs von Türheim Erst-lingswerk, der Cliges (Clies), 2 erhalten, den Rudolf von Ems im Willehalmvon Orlens 2256-70 und 4390-98 als das Meisterwerk einer Artus- und Minne-dichtung rühmt. Quelle ist Chrestiens Cliges; die Ausführung Türheims weichtin diesem Bruchstück mehrfach durch gröbere Auffassung ab.

Heinrich von Freiberg

Lit.: Piper, Höf. Ep. 3, 405-09. Gesamtausgabe: Alois Bernt, 1906, dazu Wilhelm,DLz. 1906, 1572-77, Behaghel, Lbl. 1909, 228-30, Cbl. 57, 793; Roseniiagen, ZfdPh. 40,228-40, Schröder, GgA. 1906, 961-68, Wallner, ZföG. 58, 514-30. Ausg. des Tristan:R. Bechstein, Dt. Dichtungen des MA.s Bd. 5, 1877, dazu Kinzel, ZfdPh. 9, 240-43, Paul,Jenaer LitZtg. 1877 Nr. 13; älterer Abdr.: Chr. Heinr. Müller (Myller), Samml. dt. GedichteII, 1784. Abhandl.: MSH. IV, 613 ff.; Bechstein, Ausg. von Gotfrids Tristan 2 2 , 300 ff.;Ders., Trist, u. Isolt in dt. Dichtungen der Neuzeit 1876, 82-89; Golther, Ausg. von GotfridsTristan 2, 186-231; P. Knauth, Mitt. vom Freiberger Altertumsverein 20-23, 1884. 85. 86.Stellen: Jellinek und KRAUS,ZföG. 44, 686; Jellinek, Beitr. 15, 431 f.; Wallner, ebda 32,533-39. 40, 145 ff.; G. Ernst, Deutsches Wochenschach 29, 1913, 309-11; Pfannmüller, ebdaS. 333 f. 2 Hss. u. 1 Bruchst. des Tristan: Beckstein, Germ. 32, 1^8; Bernt, Ausg. S. 1-22;Ranke, ZfdA. 55, bes. S. 417 f.

Unabhängig von Ulrich von Türheim dichtete am Ausgang des 13. Jahr-hunderts Heinrich von Freiberg Gotfrids Tristan (6890 V.) mit weitstärkerem künstlerischen Können als jener zu Ende. Seine Kenntnis desStoffes bezog er aus Eilhart und besonders aus Ulrichs von Türheim Fort-setzung. 3 Sein künstlerischesVorbild ist Gotfrid von Straßburg, 4 und erbeweist sich als kein unwürdiger Nachfolger. Er beginnt das Gedicht miteinem Preis seines Meisters und ahmt dessen auserwählte, formvollendeteSprache nicht nur äußerlich nach, sondern sie wird wirklich seinStil", diesein Formgefühl kennzeichnende Ausdrucksweise. Von Wolframs Eigenarthat er dabei ebenfalls einzelnes übernommen. Auch bezüglich des Versbaus 5folgt er Gotfrid in dem Prinzip des regelmäßigen Taktes mit guter Anpas-

1 Busse S. 62-91; v. Kraus, ZfdA. 56, 39ff. men außerdem noch eine franz. Quelle (Sin-(rührende Reime). ger: franz. Prosaroman) an, dagegen Rosen-

2 Hgb. von A. Bachmann, ZfdA. 32, 123-28. hagen aaO. S. 229; Bernt S. 168-77.

Lit.: Baechtold, Anm. S. 29; Piper, Höf. 4 Stil: Bernt S. 23-80; Ranke, Trist, u. Is.,

Ep. 3, 85. Siehe Joh. Schmidt, Beitr. 3, Bücher d. MA.s, 1905,250-53.275; Günther

150 f.; Bartsch, Germ. 24, 3; Steinmeyer, Müller in Walzels Handb. S. 18; Brink-

ZfdA. 32, 127 f. Anm.; Busse S. 36-42. 107 mann, Wesen u. Form S. 135. Stiebeling,

-14; s. ob. Flecks Clies. Stilist. Unters. aaO.; Hugo Lieske, Höf. Le-

3 Quellen: Friedr. Wiegandt, H. v. Fr. in ben u. ritterl. Gesellsch. bei H. v. Freib.,seinem Verhältn. zu Eilh. u. Ulrich, Rostock. Greifsw. Diss. 1922, Maschinendr.

Diss. 1879; Golther, Sage v. Trist, u. Is. 1887, 6 Metrik: Bernt S. 127-64.82. 95-97, und Singer, ZfdA. 29, 73-86, neh- .