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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
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66 Die erzählende Dichtung

Noch stärker als bei Ulrich von dem Türlin tritt die Epigonentätigkeit desFortsetzers bei Ulrich von Türheim auf, welcher den abgebrochenen Tri-stan Gotfrids beendigt (um 1235) und Wolframs Willehalm weitergeführthat (um 1250). Ein Frühwerk, Clies (um 1230) ist nur in einem Bruchstückvorhanden. Ulrich stammte aus einem adeligen, aber nicht reichen Geschlechtin der Nähe von Augsburg (urkundlich erscheint ein Ulrich von Türheim1236-86). 1 Er genoß die Gunst 2 König Heinrichs, des Sohnes Friedrichs IL,dessen Tod er im Willehalm beklagt, und die Freundschaft des SchenkenKonrad von Winterstetten, 3 dem er den Tristan widmete (497, 25 f. 589, 2-9)und eine Totenklage im Willehalm nachrief. Ebenfalls im Willehalm erwähnter rühmend Otto den Bogener, der das wälsche Buch (Quelle des Willehalm)ins Land brachte (urkundlich 1246 als angesehener Bürger in Augsburg). Ru-dolf von Ems lobt ihn im Alexander (3262-68 von Türheim her Uolrich) alseinen verständigen Mann; im Willehalm von Orlens (4390) nennt er ihnFreund und preist (2256-70) seine Meisterschaft und hohe Weisheit. 4

Die Fortsetzung des Tristan 5 (etwa 3800 V.) verfaßte Ulrich für Konradvon Winterstetten (V. 497, 25 f. 589,2-9); er hat dabei Eilharts Tristrant be-nutzt und mehr ins Höfische stilisiert.

Ulrich fängt seine Fortsetzung an der Stelle an, wo Tristan sich mit Isolde Weißhand inArundel vermählt (s. LG. II, 2, 69 f. 300 f.). Mit deren Bruder Kaedin fährt er nach Britannienzu Marke und der Königin Isolde. Nun folgen neue Minnelisten und Trügereien. Nach Arundelzurückgekehrt, wird Kaedin in einem Liebeshandel mit der Frau eines benachbarten Fürstenerschlagen, und Tristan erhält eine Wunde durch einen vergifteten Speer. Er sendet nach Curne-wal zur blonden Isolde, auf daß sie ihn von seiner Wunde heile; weiß solle das Segel ihresSchiffes sein, wenn sie kommt, schwarz, wenn es sie nicht zu ihm führe. Isolde Weißhand aber,die spähend am Fenster des Krankenzimmers steht, ruft, als das Schiff mit weißem Segel er-scheint, dem Totsiechen zu, daß es schwarz sei; da bricht ihm das Herz. Die Königin, die blondeIsold, legt sich neben ihn auf die Bahre und verscheidet ebenfalls. Auch Marke erscheint auf dieNachricht von dem Tode Isoldens hin, und als er erfährt, daß beide durch den Minnetrankzauberisch aneinander gekettet waren, läßt er sie zusammen bestatten. Eine Rose und eineRebe pflanzt er auf ihr Grab, und beide verflechten sich in inniger Umschlingung.

1 Leben: Lachmann, Wolfr. S. XL f.; Karl gesang, Busse S. 33-35.

Roth, Uolrichsv.Türh.Rennewart,Nabburger 5 Ausg.: Massmann, Tristan u. Isolt, 1843,

Bruchstücke 1856, dazu Pfeiffer, Germ. 2, S. 497-664. Frühere Abdr. (s. Massmann

250-55; Lohmeyer (s. unt.) S. 1-8; Busse S. 591 f.): Eberh. v. Groote, Tristan, von

S. 4-33; Wilhelm aaO. (bezieht alle Urkun- Meist. G. v. Straßb. mit der Fortsetzung des

den von 1236-86 auf unsern Ulrich) Spra- Meisters U. v. T. 1821; v. d. Hagen, G.s v.

che: John Meier, Beitr. 15, 310; Zwierzina, Straßburg Werke I, 1823, 271-321. Ab-

Anz. 26 Reg. S. 355. 27 Reg. 351. handl.: Bechstein, Ausg. von Gotfrids Trist.

2 Gönner und Freunde: MSH. IV S. 206 f. 2 2 , 300 ff.; Golther, Ausg. d.Trist. 2, 162-86,611-13;HAUPT,ZfdA.7,168;PFEiFFER,Germ. s. auch Golther, D. Sage v. Trist, u. Is. S. 952, 254 f.; Busse S. 6-14; Wilhelm S. 19-29. -97; Busse S. 43-105; Friedr. Ranke, Trist.69-75. u. Isold, Bücher des MA.s 1925, 249 f. 275.

3 Burdach, Reinmar 2 1928, 391 f. 405; Wil- Stelle: Suolahti, Neuphil. Mitteil. 30, 1929,helm S. 2. 145. 8 Hss., 2 Bruchst., Massmann S.591 f ;

4 Joh. Schmidt, Beitr. 3, 150 f.; Bartsch, John L. Campion, D. Verwandtschaftsverhält-Germ. 24, 3 f.; Busse S. 36^2; Wilhelm nis d. Hss. des Tristan U.s v. T., Diss. Balti-S. 29. 34; Ehrismann, Stud. üb. Rud. v. Ems more 1918, dazu Schröder, Anz. 41, 190,S.92ff. 97 f.; Schröder, ZfdA. 67, 230-32. Wilhelm S. 76. Siehe Ranke, ZfdA. 55,Außer von Rud. v. Ems wird er nur noch in 229. 240 f. 416; Petzet, Catal. cod. manu-Püterichs Ehrenbrief zitiert, dann im Meister- Script. Bibl. Monacensis Tom. V pars I, 84-86.