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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
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Ulrich von dem Türlin. Ulrich von Türheim 65

Meister", auch bezeichnet er seinen Gönner. 1 Eine besondere Quelle, 2 etwaein französisches Buch, hat ihm nicht vorgelegen; er stellte sein Werk haupt-sächlich aus Andeutungen, die er in der Vorgeschichte Willehalms bei Wolf-ram fand, zusammen.

Die Enterbung der Söhne Heinrichs von Naribon bei Wolfram (Willeh. 5, 16-7, 10) wird er-weitert. Willehalm kommt an den Hof Karls und besiegt in dessen, dann in Ludwigs Dienstedie Heiden, wird aber bei ihrer Verfolgung gefangen genommen. Arabel, die Gemahlin Tybalds,wird von Liebe zu ihm ergriffen; sie pflegt ihn im Gefängnis, wird von ihm für das Christentumgewonnen und sie entfliehen auf einem Schiffe zu Heinrich nach Naribon. Dann folgen die Taufeder Arabel, in der sie den Namen Kiburc erhält, und große Festlichkeiten.

Die Überlieferung. I. Die ursprüngliche Gestalt von Türlins Willehalmist verloren, aber wir besitzen davon: II. Die Bearbeitung durch den Dichterselbst (1 Handschrift, 5 Bruchstücke); III. eine erweiternde Überarbeitung(9 Handschriften, 6 Bruchstücke), die, gekürzt, in die Weltchronik Heinrichsv.München (s. oben) aufgenommen wurde; IV. eine die Einteilung in Ab-schnitte zu je 31 Zeilen vernachlässigende Bearbeitung (1 Handschrift, 1 Frag-ment); endlich eine Prosaauflösung von II (Handschrift der Züricher Kan-tonsbibliothek, 15. Jahrhundert, s. LG. II, 2, 286).

Auch in der stilistischen Kunst 3 sucht Ulrich sein Vorbild Wolframnachzuahmen, aber sein geringes Talent reicht nicht dazu aus, um den schwe-ren Schmuck seines Meisters zu bewältigen; er mißhandelt die Sprache undwird abgeschmackt; die einfache Ausdrucksweise, bei der er zuweilen bleibt,kann er dagegen beherrschen, und einige Szenen sprechen durch eine gewissegewinnende Wärme 4 an. Gleichheiten im Ausdruck zeigen, daß er Hart-mann, Wirnt, Heinrich v. d. Türlin gekannt hat, ohne jedoch stärker von ihnenbeeinflußt zu sein. 5 Nachgewirkt hat er auf Ulrich v. Eschenbach 6 (Alexan-dreis) und den Spruchdichter Meißner.

Seine Arbeit hat sich der Dichter erschwert durch die Kunstform: 7 derText ist in 345 Abschnitte von 31 Zeilen jedesmal 15 Reimpaare mitschließendem Dreireim gezwängt. In den etwa 30 letzten Abschnitten wirddiese einunddreißiger Einteilung nicht mehr regelrecht durchgeführt.

Ulrich von Türheim

Lit.: Eberhard Kurt Busse, Ulr. v.T., Pal. 121, 1913, dazu Gierach, DLz. 1913, 2184 f.,Helm, Lbl. 1915, 132 f., Götze ebda 1916, 100-02, Lunzer, Anz. 39, 133-38, Wern. Richter,Arch. 132, 235; Wilhelm, Münch.Mus.4, 1924, 1-76.

1 Suchier, Über die Quelle S. 15-17; Sin- Greifsw. Diss. 1911. Fremdwort: Suolahti,ger, Germ.31,343-45. Stand: Kluckhohn, Mem. VIII S. 9. 21 f. u. ö. Siehe auch Wahn-ZfdA. 52, 162; Schwietering, Demutsform, schaffe, Enjambement pass.; Iwand, SchlüsseS. 57 f. Sprache: Zwierzina, Anz. 26 Reg. pass.

S. 355. 27 Reg. S. 351. 4 Vgl. Naumann, Festschr. Ehrismann S. 95.

2 Suchier, Üb. d. Quelle S. 39-44; Singer 6 Singer S. XXXI-XLVI; Rosenhagen,S.XVIIIjMinckwitz, Rev.germ.9,1913,36ff. ZfdPh. 26, 419 f. (Ulr. v. d. T. u. Pleiers Tan-

3 Stil: Singer S. XIX-XXXI. LXVII f. (Er- dareis),innerungsstellen aus Wolfram S.XLVII-LVII. 6 Singer S. LVII-LX.LXIII-LXVII; Kraus, Anz. 22, 50; Hans 'Metrik: Singer S. XIII-XVIII (Reime).Georg Klinkott, U. v. d. T. als Nachahmer LXIII-LXX; rührende Reime: v. Kraus.Wolframs v. E. (eine Stilist. Untersuchung), ZfdA. 56, 58 f.

5 Deutsche Literaturgeschichte IV