Mai und Beaflor 63
von der unschuldig verleumdeten Königin, welche in der Fassung der Ge-novefa- und Crescentia-Sage 1 am bekanntesten wurde.
Der Dichter nennt seinen Namen nicht, nicht einmal über seine Heimatkönnen wir Genaueres sagen, als daß sie in Oberdeutschland 2 gewesen ist.Seine Schaffenszeit fällt in die Mitte oder zweite Hälfte des 13. Jahrhun-derts. Seine literarische Bildung verdankt er besonders Hartmann,Wolframund Gotfrid. Im Eingang des Gedichtes behauptet er, ein werder ritter habeihm die rede (Erzählung) mitgeteilt, 3 und er habe sie in Gedichtform ge-bracht 3, 9 ff. —
Inhalt: A. Die Jugend der Heldin Beaflor (3, 25-52, 7). (Das Motiv von dem König, derseine Tochter heiraten will.) Beaflor, nach dem Tode ihrer Mutter von einem braven Ehepaar(in Rom) erzogen, läßt sich wegen der bösen Anerbietungen ihres Vaters, des Kaisers (Königs)von Rom, auf dem Meere aussetzen. B. Hauptteil (die Sage von der unschuldig verleumdetenKönigin [52, 8 bis Schluß]). I. Das junge Eheglück (52, 8-98, 3): Das Schifflein wird nach Grie-chenland getrieben und der Landesherr, Graf Meie, heiratet Beaflor. II. Die Tragödie (98, 4-180, 14): Während Meie im Krieg abwesend ist, schickt ihm Beaflors böse Schwiegermutterverleumderische, gefälschte Briefe; er gibt darauf den zwei Grafen, deren Obhut er Beafloranvertraut hatte, brieflich Auftrag, sie und ihr Söhnchen zu töten. Die Verfolgte fährt jedochmit Unterstützung der beiden Grafen in ihrem Schiffe aufs offene Meer hinaus. Der zurück-gekehrte Meie entdeckt den Betrug und ersticht im Zorne die Mutter. C. Schluß (180, 15-242, 29):Das Schifflein wird nach Rom getrieben und Beaflor von den dortigen Pflegeeltern herzlichaufgenommen. Meie legt sich acht Jahre lang schwere Bußen auf und geht nach Rom, umvom Papst Ablaß zu erflehen. Im Hause der Pflegeeltern treffen Meie und Beaflor und auchder Kaiser (der Vater der Beaflor) zusammen. Meie wird Kaiser und lebt fortan mit Beaflorglücklich.
Das Gedicht hat einen starken ethischen Gehalt, alle Personen sindgleichsam unter eine sittliche Wertung gebracht. Ein Sittenbild will derVerfasser entwerfen in der moralisierenden Absicht zu bessern (Prolog 1, 29.2, 1. 5), zu leren (1, 11. 21. 23). Der Dichter geht von der ritterlichen Moral-formel der drei Güter guot ere got (LG. II, 2, 23) aus und betont besondersden Wert des höchsten Gutes, Gottes. Den Grundton des Gedichtes bildetdie heiligende, den Menschen mit Gott vereinende Frömmigkeit. In derHeldin des Gedichtes, deren grundlegende Tugend in der Demut besteht,ist diese christliche Frömmigkeit Symbol geworden. Sie ist ein engelmcejic
1 Lit. zur Sage: Piper S. 371-73; Suchier, S. IX; Koberstein l 5 , 323 f.; Wackernagel
Beitr. 4,512 ff.; Seelig, Straßb. Stud. 3,1888, l 2 , 238 f.; Goedeke l 2 , 223; Strauch aaO. —
328-35; Lit. Gesch. II, 1 Reg. S. 350b. II, 2, Schneider, Wolfd. S. 310 ff. 322.
124 Anm. 1-3. — Derselbe Stoff ist in der 2 Sprache: Lit. Piper S. 370. — Stein-
deutschen Lit. noch mehrfach bearbeitet: in meyer, Anz. 16, 294 ff.; Zwierzina, Anz. 26
Enikels Weltchronik, ed. Strauch I, 520 ff. Reg. S. 351. 27 Reg. S.347; Schirokauer,
Die Königin von Frankreich u. der ungetreue Beitr. 47, 124.
Marschall (von Schondoch), v. d. Hagen, GSA. 3 Diese Berufung auf e. Gewährsmann (vgl.
I, 165 ff., dazu S. CIV ff. (s. auch Crescentia, noch 3, 32. 20, 35. 53, 32 u. Pfeiffer S.XVI)
ebda S. 129 ff., dazu S. Cff.); später: Des sieht aus wie eine fabulistische Quellenangabe
Reußenkönigs Tochter (abgedr. Pfeiffer, (Wilhelm, Beitr. 33,286 ff.), als Beglaubigung
Ausg. von Mai u. Beafl. S. IX-XV; Hans für die Wahrheit seiner Erzählung (3, 9. 17f.)
v. Bühel, Die Königstochter v. Frankreich u. zugleich e. Empfehlung für die ritterl. hö-
(s. unten) ;s. Merzdorfs Ausg. S. 1-18. — Lit. fische Gesellschaft,zu den deutschen Bearbeitungen: Pfeiffer