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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
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62 Die erzählende Dichtung

mann (Crane und der Marschall Assundin), zwischen Mann und Weib (Craneund Acheloyde) sowie unter gleichgestellten Genossen (Crane und Falke)darstellt. Der Dichter selbst gibt am Schluß die Lehre vom Gebot derTreue (4874 ff.) und führt diesen Gedanken als Motiv kurz im Eingang(V. 26) an.

Gayol, der Sohn des Königs von Ungerland, zieht im Alter von zwölfJahren heimlich aus; nach dem Tode des Königs verwaltet inzwischen derMarschall Assundin das Reich. Gayol trifft zwei Reisegefährten, und diedrei gehen als Knappen in den Dienst des Kaisers, Gayol unter dem NamenCrane (Kranich), die beiden andern als Valke und Star. Dann wird die Liebezwischen Crane und der Kaiserstochter (Acheloyde) erzählt. Der Kaiser willsie zusammengeben, aber Crane soll zuerst die Tapferkeitsprobe in einemTurnier ablegen. Er besiegt alle Gegner und erhält die Hand der Tochterdes Kaisers. Darauf folgen eine Masse Abenteuer, an denen auch Valketeilnimmt. 1

In dem Bruchstück Darifant 2 (265 V.) erscheint der Held in Begleitungeiner Fee.

In der Sprache zeigt Berthold von Holle Einflüsse des Volksepos undWolframs, 3 ohne daß man ihn jedoch geradezu einenNachahmer" Wolf-rams nennen kann.

In Niederdeutschland war das Interesse an Bertholds Crane auch im15. Jahrhundert noch lebendig, wie die Pommersfelder Handschrift von1470 und das Lübeckische Fastnachtspiel kran, valke vnde stare, dasim Jahre 1444 aufgeführt wurde, beweisen. In mittelfränkischer Mundart(Köln) wurde das Gedicht in einen Prosaroman mit freier Nacherzählungumgeschrieben (15. Jahrhundert). 4

Mai und Beaflor

Lit.: Piper, Höf. Ep. 2, 369-87. Ausg.: Franz Pfeiffer, 6 1848. Abh.: O. Wächter,Untersuch, üb. d. Ged. M. u. B. 1889; dazu Steinmeyer, Anz. 16,292-98, Behaghel, Lbl. 1890,8; Leitzmann, ZfdA. 67, 283 f. (Textkrit). 2 Hss., Ferd. Schultz, D. Überlieferung d. mhd.Dichtung M. u. B., Kieler Diss. 1890, dazu Steinmeyer, Anz. 17, 74 f., Wächter, ZfdPh.23, 491 f.

Das Gedicht Mai und Beaflor (9600 V.) ist auf einer ganz anderenBasis aufgebaut als die höfischen Romane; man kann es nach seiner Grund-auffassung eher eine ritterliche Legende nennen und es beruht auf der Sage

1 W. Grimm aaO. S. 47-51 (s. auch Bartsch, 2 Hs.: Bartsch, B. v. H. S. XXVIII

B. v. H. S. XXXII-XXXVI) hat auf Über- Wilh. Grimm, Graf Rudolf 2 S. 48 f. Stelle:

einstimmungen mit dem Grafen Rudolf (s. LG. Ochs aaO.

II, 2, 58-64) hingewiesen, doch sind dieselben 3 Steinmeyer, Anz. 1, 257 f.; Leitzmann,bis auf einige Eigennamen ziemlich allgemeiner Beitr. 16, 346-60. B. v. H. u. Herz. Fried-Art. Vielleicht hat der Dichter aus mündlicher rieh v. d. Normandie (s. unten): LütjensTradition die franz. Quelle des Grafen Rudolf S. 94 f.

gekannt. Singer, ZfdA. 30, 389; Leitzmann, 4 C. Walther, Nd. Jahrb. 6, 1880, 29-31;

Beitr. 16, 4; Bethmann, Untersuch, üb. d. Joh. Bolte, ebda 18, 1892, 114-19.

mhd. Dichtung vom Gr. Rudolf 1904 (s. LG. 5 Eigentl. wahrscheinl. von Vollmer, s. Leitz-

II, 2, 63 Anm. 4). mann, ZfdA. 67, 283 f.