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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
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Berthold von Holle 61

ist der Demant in vollständig, der Crane mit einigen Lücken erhalten,vom Darifant aber nur ein Bruchstück. 1

Demantin und Crane (über das Bruchstück Darifant läßt sich kein ab-schließendes Urteil bilden) unterscheiden sich von der Mehrzahl der bisherbesprochenen höfischen Epen insofern, als sie nicht zum Artuskreise ge-hören und nicht ohne einen gewissen Sinn fürs Historische aufgefaßt sind.Die Ereignisse greifen nur wenig ins Gebiet des Übernatürlichen über; Feen,Zwerge und Ungetüme werden nur ganz selten vorgeführt. Der durch dieseWerke übermittelte Gesamteindruck besteht in einer gesteigerten Wirklich-keit ohne ins Abenteuerliche schweifende Phantastik. Die Erzählungsweiseist einfach und etwas nüchern. Unmittelbare Quellen, etwa französische, hatder Verfasser nicht gehabt, er hat die Erzählungen wohl aus dem Vorratseines Wissens und seiner Literaturkenntnis zusammengestellt.

Der Dichter nennt seinen Namen im Demantin V. 1. 9570. 11758 undim Crane 2144. 4869. Der Demantin ist das ältere Werk, denn es wird imCrane 2138 erwähnt. Im Crane 25 ff. nennt Berthold den Gönner, der ihmdie wäre mere (doch wohl nur die Grundfabel) bekannt gemacht habe; es istHerzog Johann v. Braunschweig (reg. 1252-77). Da er diesen als jung be-zeichnet, so wird er den Crane zwischen 1250 und 1260 bearbeitet haben.

Demant in 2 (11761 V.) ist ein echtes Ritterstück, eine endlose Anein-anderreihung von Zweikämpfen, Stechereien, Turnieren, Festen, welchedurch ein durchgehendes Band, die Liebe des Helden zu einer zwölfjährigenJungfrau (die der Vater ihm wegen ihrer Jugend versagt, die er aber, alssie herangewachsen ist, durch seine Kampftaten erringt), nur notdürftigmiteinander verknüpft sind.

Gegenüber der Eintönigkeit und der besonders in Anbetracht der Aus-dehnung ermüdenden Armut des Demantin bedeutet der Crane 3 (4919erhaltene Verse, also kaum die Hälfte des Demantin) einen Fortschritt, so-wohl im Stoff und Gehalt als auch in der gewandteren Handhabung derniederdeutsch-hochdeutschen Schriftsprache und des Stils. Hier entwickeltder Dichter einen einheitlichen Grundgedanken: es ist die Treue, die er inihren verschiedenen Formen, als Beziehung zwischen Herrn und Gefolgs-

Bartsch, B. v. H. S. XL-LXXVII; Stein- (abgesehen von einigen in unserer Überliefe-

meyer, Anz. 1, 256 ff.; Bartsch, Germ. 23, rung vorhandenen Lücken), S. 19-188; und

507; Leitzmann aaO. 6-48 u. Cbl. 1899, 1298; das Bruchst. vom Darifant S. 191-200.

Vogt, Beitr. aaO.; Roethe, Reimvorreden 2. Bartsch, Demantin von B. v. H., Lit. Ver.

S. 45-48; Kraus, H. v. Veldeke u. d. mhd. Nr. 123, 1875 (vollständ. Ausg. in der nach

Dichtersprache S. 171-74; Gierach, Zur Bartsch, Berth. v. H. 1858, gefundenen Dess.

Sprache v. Eilharts Tristrant 1908, 133;Herm. Hs.); dazu Steinmeyer, Anz. 1, 256-60.

Kopperschmidt, D. Sprache der Hildesheimer a 1 Hs., 2 Bruchst.; Bartsch, B. v. H.

Urkunden in der 1. Hälfte d. 14. Jh.s u. ihr S. XIII ff.; Ders., Demantin S. 359-68.

Verhältn. z. Sprache B.s v. H. u. Eilh.s v. Stelle: Schneider, Wolfdietr. S. 272.

Oberge, Marburg. Diss. 1914; Behaghel, 3 1 Hs., 3 Bruchst.; Bartsch, B. v. H.

Gesch. d. dt. Sprache 1 S. 188. S. XVII-XXII. Stellen: Rich. Schröder,

1 Ausg.: 1. Bartsch, Berthold v.Holle 1858, ZfdA. 13, 153 f. (rechtsgeschichtl.); Ochs,

darin vom Demantin die bis dahin bekannten Münch. Mus. IV, 1924, 348 ff.; Schneider,

zwei Bruchstücke, S. 3-16; Crane vollständig Wolfd. S. 272. 324.