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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
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60 Die erzählende Dichtung

Meleranz, als zwölfjähriger Junge heimlich von der Mutter weg an denHof seines Oheims Artus wandernd, trifft auf einer Waldwiese in einerkostbaren Badewanne eine Jungfrau, die Königin Tydomie. Minne ergreiftihn; er reitet weiter an den Artushof. Nach mehreren Abenteuern folgt dieBefreiung der Tydomie aus der Macht eines gewalttätigen Oheims, undschließlich findet die Hochzeit von Meleranz und Tydomie in Anwesenheitdes Artus und seines Hofstaates statt.

Das einleitende Motiv, die badende Dame, ist der Gralantsage entnom-men, die in einem französischen Lai (einer kurzen Versnovelle) behandeltwar und auf ein Nixenmärchenmotiv zurückgeht. 1

Der dritte Roman, Tandareis und Flordibel 2 (18319 V.), wird einge-leitet durch die Jugendliebe der beiden, die an Artus Hofe erzogen werden.Sie entfliehen, Artus holt sie ein und verlangt, daß Tandareis auf Aben-teuer ausreite. Dann werden die Heldentaten des Tandareis berichtet. Ergerät in Gefangenschaft und wird zum Schluß mit Hilfe der Schwester desBurgherrn befreit.

Das Gedicht wurde, auf etwa 2000 Verse gekürzt, ins Tschechischeübersetzt. 3

Die Anlage der drei Romane ist nach dem gleichen Schema gebaut: eineinleitendes Motiv (Raub der Ginover; badende Jungfrau; Jugendliebe);2. der Hauptteil: die Abenteuer; 3. der sehr ausgedehnte Schlußteil mitgroßem Massenkampf und Festen am Artushofe.

Berthold von Holle

Lit.: Piper, Hof. Ep. 3, 1-40; Leitzmann, Stammlers Verfasserlex. 1, 211-13. Abh.:Bartsch in derEinleit. zuBerth. v. Holle"; Steinmeyer, Anz. 1, 256-60; Leitzmann, Unter-such, üb. B. v. H., Beitr. 16, 1-48; Vogt, ebda S. 452-64; Justus Fischer, D. Darstellung, d.Personen bei B. v. H., Hambg. Diss. 1921, Maschinendr. Widersprüche: Jellinek u. Kraus,ZföG.44, 1893, 695 ff. Stellen: Leitzmann, Nd. Jb. 43-63-65; Seelmann, ebda 44, 95-99.

Berthold v. Holle gehörte einem hildesheimischen ritterlichen Ge-schlechte an, von dem mehrere Mitglieder mit dem Namen Berthold im13. Jahrhundert urkundlich nachgewiesen sind. Er ist der einzige höfischeEpiker aus Niedersachsen, aber er verfaßte seine Werke in der dem Hoch-deutschen genäherten Schriftsprache der niederdeutschen Autoren, in derausgesprochene Dialektformen gemieden wurden. 4 Von seinen drei Werken

1 Panzer, Albr. v. Scharf. S. LXXIIff.: O.v. Zingerle, Anz. 22, 283-85 (abgelehnt).Das Motiv von dergestörten Mahrtenehe"; 3 Hss., E.H. Meyer S. 470 ff.; KhullSchröder, Anz. 13, 119; Pschmadt, Sage von S. 185 ff.; dazu später gefunden 1 Pergbl.der verfolgten Hinde, Greifsw. Diss. 1911, Petzet, ZfdPh. 43, 455 f.

73 ff.; Ehrismann, Anz. 30, 91 f.; LG. II, 2, 3 Lit.: Piper S. 304. E. H. Meyer S.486

135 Anm. 4. Khull, Ausg. S. 242-45; Mourek, Abhandl

2 Ausg.: Ferd. Khull, 1855, dazu Stein- d. K. böhm. Ges. d. Wissensch. 1887, 3-103meyer, GgA. 1887, 785-811; Martin, DLz. s. Heinzel, Anz. 17, 93 f.

1886, 13. Abhandl.: E.H. M., ZfdA. 12, 4 Heimat: W.Grimm, Kl. Sehr. 3, 217

470-511; Rosenhagen, ZfdPh. 29, 155 ff.; Bartsch, B. v. H. S. XI-XIII; Grotefend

s. auch ebda 26, 419 f.; K. Bunte, Beitr. z. Zs. d. hist. Ver. f. Niedersachsen 1865, 171 ff.

Sittengesch. aus Tand. u. Flord., Kiel. Diss. Leitzmann, Beitr. 16 S. 2; Vogt, ebda S. 452-

1893, dazu Alwin Schultz, DLz. 1893, 846, 55. Sprache: Lit. bei Piper aaO. S. 1 Anm.