Der Pleier 59
Gering ist die Erfindungsgabe dieses Nachahmers, er verliert auch zu-weilen den Faden und verstrickt sich in Widersprüche, 1 aber er besitzt eineziemlich klare Vorstellung von der Komposition im ganzen und von demZiel, auf das diese losstrebt. Seine nicht ungewandte dichterische Erzäh-lungsweise 2 schließt sich der ruhigen Art Hartmanns an und gibt anschau-liche Schilderungen von den höfischen Sitten und dem ritterlichen Leben,auch hübsche Naturschilderungen, läßt aber unhöfische Ausdrücke undvolkstümliche Wendungen zu. Im Reimgebrauch 3 ist er nicht ganz sorg-fältig; er erlaubt sich ungenaue Bindungen und dialektische Formen.
Der Garel vom Blühenden Tal 4 (21304 V.) ist, wie schon der Titelandeutet, eine Nachahmung von Strickers Daniel vom Blühenden Tal undkann eine Neubearbeitung desselben genannt werden; die Grundzüge sindaus dem Daniel herübergenommen: Zuerst wird die Entführung der Gino-ver durch Meliakanz erzählt, den Rahmen bildet der Krieg gegen den KönigEkunaver. Dieser läßt durch einen Riesen Artus Fehde ansagen; Garel,Neffe des Artus und gefeierter Artusritter (auch bei Hartmann, Wolfram,Wirnt), folgt dem Riesen. Daran reihen sich verschiedene Abenteuer: Jung-frauenbefreiung, Befreiung eines Zwergkönigs von einem Riesen, Begeg-nung mit einem Meerungeheuer, Feste am Artushofe. Alles das sind bekannteMotive; Zauberspuk usw. findet sich nicht unter ihnen.
Weit verbreitet war der Roman nicht, er wird erwähnt von Konradv. Stoffeln, Püterich und Füetrer. 5 Davon, daß aber doch die spätere aristo-kratische Gesellschaft Idealbilder ihres Lebens in dem Romane vorgezeich-net fand, zeugen die dreiundzwanzig Fresken des Schlosses Runkelstein beiBozen aus der Zeit um 1400. 6 Man konnte in den durch diesen Roman über-mittelten Szenen die vornehmen Herren und Damen aufs schönste ideali-sieren.
Auch der Meleranz 7 (12834 V.) ist eine Nachahmung, ja geradezu nureine Neubearbeitung eines anderen Werkes, des Seifrid von Albrecht vonScharfenberg. 8
1 Jellinek u. Kraus, ZföG. 44,1893, 688ff.; S. VII-XIV; später: Scheel, Festg. f. Wein-
Niejahr, Euphorion 5, 445. hold, 1896,46f.; Schatz, Zs. d. Ferdinandeums
2 E. H.Meyer S. 489 ff.; Rosenhagen, Anz. III. F. H. 45, 1901.
34, 161-67; Walker, Monolog im höf. Epos 5 Walz, Ausg. S. XIV.
pass. — Dialekt: Khull, Tandareis Ausg. 6 Zingerle, Germ. 2, 467-69; Freskencyklus
S. 185-91; Zwierzina, Anz. 22, 363. 26 Reg. des Schlosses Runkelstein bei Bozen, gezeich-
S. 353. 27 Reg. S. 348; Schirokauer, Beitr. net... von Ign. Seelos, erklärt von Ign. Zin-
47, 124. gerle, hgb. v. dem Ferdinandeum in Innsbruck
3 E.H.Meyer S.487-89. 1857. Die Fresken sind abgebildet in Walz's
4 Ausg.: Michael Walz, 1892, dazu Stein- Ausgabe, s. daselbst auch S. XIII-XVI u.meyer, GgA. 1893, 97-125, Zwierzina, Anz. 329-36; s. auch Georg Leidinger, Bay. Akad.22, 353-63, Vogt, ZfdPh. 26, 122-26, Be- 1930. — Die Tristanfresken s. LG. II, 2, 78.haghel, Lbl. 1894, 180 f., v. Bahder, Alem. ' Ausg.: Bartsch, Lit. Ver. Nr. 60, 1861.20, 298-305. Teilausgabe: Walz, Progr. Wien 8 Panzer, Albr. v. Scharfenberg S. CXXIII1881, dazu R. M. Werner, Anz. 9, 263-76, ff. Nur 1 Hs., Bartsch, Ausg. S. 376 f. — Üb.Bech, Lbl. 1882, 11-13, Prosch, ZföG. 1882. die zwei unter Einwirk. d. Wigalois stehenden— Abh.: Zingerle, Germ. 3, 23 ff.; Rosen- Liebesbriefe Mel. 2879-2937. 3993-4040 s.hagen, Untersuch, üb. Daniel S. 116 ff. — Ernst Meyer aaO. — Panzer, Meier Helm-1 Hs., Bruchstücke einer zweiten, Walz, Ausg. brecht, 3. Aufl., S. XIV, 4. Aufl. S. XV