Druckschrift 
Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
Entstehung
Seite
58
Einzelbild herunterladen
 

58 Die erzählende Dichtung

Der Dichter dieses schwachen Machwerks nennt seinen Namen nicht; erwird wohl ein Fahrender 1 gewesen sein, der wie aus den vielen von ihm ver-wendeten Mundartformen hervorgeht in dem Gebiete, wo Bayern, Schwa-ben und Ostfranken zusammenstoßen, beheimatet war. 2 Die Abfassungszeitliegt um 1250. Die Darstellung ist breit und unbeholfen und nicht auf derHöhe der höfischen Bildung; der Dichter fühlt sich in dem vornehmen Tonenicht recht zu Hause. Dem gröberen Geschmack entspricht auch die Nach-lässigkeit im Reim.

Der Pleier

Lit.: Piper, Höf. Ep. 2, 302-69. Zusammenfassend üb. d. Pleier: Elard Hugo Meyer, Üb.Tandarois u. Flordibel, ZfdA. 12, 470-514 (Heimat, Sprache, Versbau, Entlehnungen).

Bürgerlichen Standes oder ein niederer Ritter aus dem Salzburgischenwar der Pleier, welcher in den Jahren 1250-80 3 seine drei umfangreichen,im ganzen über 52 000 Verse umfassenden Reimerzählungen, den Garel,Meleranz, Tandareis und Flordibel, zusammenschrieb. Er nennt seinen Na-men im Garel (21 303), im Meleranz (102. 12 766) und im Tandareis (4081.18305); ebenso den Veranlasser seines Meleranz, den edeln Ritter Wimar(12767-85). 4

Der Pleier zeigt sich in seinen drei Abenteuerromanen als der typische,von den Vorgängern zehrende Epigone und bekennt sich auch als solchen,Mel. 106-11. Garel, Meleranz, Tandareis (dieses ist die wahrscheinlichsteZeitfolge) 5 sind aus Anleihen bei Hartmann, Wolfram, Gotfrid, Wirnt, Her-zog Ernst B, Strickers Karl und Albrecht v. Scharfenberg zusammengesetzt. 6Französische Vorlagen hat er nicht gehabt, die häufigen Berufungen aufdie äventiure, daz buoch, daz mcere sind rein formelhaft. 7

1 Sarrazin S. 25 f.; Kluckhohn, ZfdA. 52, S. 481 f. Die Annahme von O. Wächter,161. Untersuch, üb. d. Ged. Mai u. Beaflor, 1889,

2 Sprache: Zwierzina, ZfdA. 44, 274. 45, dieses Ged. sei e. Werk des Pleiers, ist von409, Anz. 26 Reg. S. 356. 27 Reg. S. 351 f.; Steinmeyer, Anz. 16, 294 ff., und vonZwiER-v. Kraus, Übungsb. 2 S. 288; Jenisch aaO.; zina, ZfdA. 44, 380 Anm., zurückgewiesenLinden S. 37-61. O. E. Mausser, Reim- worden.

stud. zu Wig., Münch. Diss. 1907. Stil: 6 Entlehnungen: Zingerle, Germ. 3, 23 ff.;

Brinkmann, Wesen u. Form S. 184. Ein- Bartsch, Meleranz, Ausg. S.365; E.H.Meyer

geschaltet sind in e. Hs. 48 Verse aus Suchen- S. 491 ff.; Mart. Strobl, ZfdPh. 11, 228-30;

wirt, Sarrazin S. 29 ff.; Brinkmann S. 147. Steinmeyer, GgA. 1887, 785 ff. 1893, 97 ff.

184. u.Anz. 16,296-98;ZwiERZiNA,Anz.22,353ff.;

3 Pfeiffer, Germ. 2, 500 ff.; E. H. Meyer Panzer, Albr. v. Scharfenberg S. CXXIII ff.;S. 485 ff. 500 ff.; Kluckhohn, ZfdA. 52, 162; Egelkraut, D. Einfluß d. Daniel v. Blüh. TalFranz V. Zillner, Mitteil. d. Gesch. f. Salzb. vom Stricker auf die Dichtungen des Pleiers,Landeskunde 1893, 1-26. Erlang. Diss. 1896 S. 5 ff.; Seidl aaO. S. 72.

4 E.H.Meyer S. 501-03. 74 ; Rosenhagen, Anz. 34, 161 ff.; Ernst6 0. Seidl, Der Schwan'von der Salzach. Meyer, Die gereimten Liebesbriefe S. 54-56;

Nachahmung u. Motivmisch, bei d. Pleier, Arendt, D. Riese S. 23 f. Ähnlichkeiten

1909, S. 5-14 (mit Lit.), dazu Golther, Lbl. mit Wolfdietrich: E. H. Meyer S. 506;Zwier-

1913, 99 f., Rosenhagen, Anz. 34, 161-67. ZINA > Anz. 22 aaO.; H.-Fr. Rosenfeld, Neo-

Der PI. verbindet die Helden seiner drei Ro- philol. 15 Nr. 1; Schneider, Wolfdietr.

mane, indem er den Meleranz zum Vater Ga- S. 269 ff.

reis (Gar. 4195), den Tandareis zu e. Neffen 7 Quellenfrage: Seidl S. 3-5. 69 (Lit.).Gareis (Tand. 3084.3429) macht, E. H. Meyer