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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
Entstehung
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Reinbot von Durne 57

Wolfram und Hartmann auf (694), aus ihnen bezieht er auch viele einzelneWendungen 1 seiner Ausdrucksweise.

Wie Reinbot das sprachliche Material zu stilistischer Deklamation zuverwenden versteht, so gibt er auch gern im Tempo des Verses 2 das Tem-perament der betreffenden Stimmungslage wieder, das heißt, der normaleRhythmus zeigt Ausfüllung der Senkung, das Fehlen der Senkung nundient deklamatorischen Zwecken (charakterisiernde Verse"). Freilich wirkthier ganz mechanisch die Tradition mit, oder eben auch das gerade sichbietende sprachliche Material, und nicht alle diese Fälle sind künstlerischemBewußtsein oder natürlichem Affekt entsprungen.

Von den Dichtern der Folgezeit scheint Reinbot wenig beachtet wordenzu sein. Er wird nirgends genannt, außer von dem späteren BüchersammlerPüterich. Gekannt hat ihn Ulrich v. Eschenbach, vielleicht auch Hugov. Langenstein. 3

Ganz aus bekannten Motiven zusammengesetzt ist der Wigamur (etwa6100 V.). Wie Lanzelet wird hier der Held von einem Meerweib geraubt;von einemMeerwunder" erzogen, zieht in die Welt, lernt wie ParzivalRitterschaft bei einem Burgherrn, befreit einen Adler von einem Geier,weshalb er, nach dem Muster desIwein mit dem Löwen", der Ritter mitdem Adler genannt wird. Dann folgen ein siegreicher Kampf für eine ihresLandes beraubte Jungfrau, die Aufnahme in die Artusrunde und ein Krieggegen die Heiden. Im Verlauf eines Erbfolgekrieges steht Wigamur schließ-lich, ohne es zu wissen, seinem Vater gegenüber; sie erkennen sich,und derVater übergibt ihm das Reich.

Lit.: Piper, Höf. Ep. 2, 560-68; v. Kraus, Übungsb. 2 S. 287 f. Ausg.: v.d.Hagen u.Büsching, Dt. Ged. d. MA.s I, 1808 (Abdruck einer Hs.), veraltet, dazu J. Grimm, Kl. Sehr. 4,49 f.; Ausg. der Bruchstücke: v. Kraus aaO. S. 109-61. Abh.: Gregor Sarrazin, Wig., e.litterarhistor. Untersuch., QF. 35, 1879; dazu Khull, Anz. 5, 358-63, Cbl. 1880, 1510; Khull,Zu Wig., ZfdA. 24, 97-126; E. Jenisch, Vorarbeiten zu e. krit. Ausg. d. Wig., Königsberg.Diss. 1918; Walther Linden, Stud. z. Wig., Hall. Diss. 1920. 1 Hs., 2 Bruchst.; R. M. Wer-ner, ZfdA. 23, 100-11; Khull, ZfdA. 24, 97 f.; Jenisch aaO.; Linden aaO.; v. Kraus,Übungsb. 2 S. 287.

Man sieht sofort, wie der Dichter zu seinem Stoffe gekommen ist: erschöpft aus Hartmann, Wolframs Parzival, Lanzelet, Wigalois, GotfridsTristan; auch Ähnlichkeiten mit Pleiers Meleranz sind anzutreffen. 4

1 Stil: J. Grimm, Kl. Sehr. 1,92 ff.; v.Kraus, S. 77 f. 1904 S. 127 f.; Brenner, Lbl. 1906,Ausg. S. LXXXf.; W. Schmiedel, D. bild- 259-62, Piquet, Rev. crit. 1903, I, 452 f.,liehe Ausdruck imheil. Georg" R.s v. D., Rosenhagen, ZfdPh. 45, 496-504; s. auchLeipz. Diss. 1908. Einfluß von Veldeke, Hart- v. Kraus, Ausg. S. LXXVI-LXXXII.mann, Wolfram: v. Kraus in den Anmerkun- 3 Wackernagel, Die ad. Hss. d. Baslergen seiner Ausg.; Naumann, Festschr. Ehris- Univ.-Bibl., 1835, 45 f.; Vetter S. CXII,mann S. 94 f. Merker, Reallex. 2, 180 f. Prosabearbeitungen ebda S.LVII-LXX; Helm

2 Metrik: Maßgebend und abschließend: aaO. S. 278. 84; Priebsch, Dt. Hss. in Eng-Carl Kraus, Metrische Untersuchungen üb. land II, 1901, 175. 178.

Reinbots Georg, Abhandl. d. kgl. Ges. d. Wis- 4 Beziehungen zu andern Dichtungen: Lit.

sensch. zu Göttingen NF. VI Nr. 1, 1902, da- bei v. Kraus S. 288; Singer leitet d. Gedicht

zu Heusler, Anz. 30, 186-94, Kauffmann, aus franz. Quellen ab, Wolfr. Stil S. 125, Aufs.

ZfdPh. 36, 552-59, Saran, Berl. JB. 1902 u. Vortr. S. 158.